Warschau - Am vergangenen Freitag wurde bekannt, dass die spanische Bank Santander die Auktion um einen Kontrollanteil an der polnischen Bank Zachodni WBK gewonnen hat. Den Zuschlag gab es demnach zu einem Kaufpreis von 12 Milliarden Zloty, umgerechnet knapp 3 Milliarden Euro. Die Spanier hatten mit ihrem Angebot offenbar alle Mitbewerber wie Frankreichs BNP Paribas, die niederländische Fortis Bank und den polnischen WBK Konkurrenten PKO BP ausgestochen. Die Allied Irish Banks plc (AIB) hatte ihren 70%-Anteil an der WBK aus finanziellen Problemen, angeblich resultierend aus faulen Krediten, in die Versteigerung eingebracht. Doch jetzt melden sich die Verlierer der Auktion zu Wort und behaupten, dass die Banco de Santander durch unrechtmäßige Erlangung von vertraulichem Informationen Vorteile bei der Auschreibung gehabt habe.
Es ist natürlich kein Geheimnis, dass bei Milliarden-Deals immer auch Insider- Wissen gehandelt wird. Man kann sogar davon ausgehen, dass alle an der WBK- Auktion beteiligten Bieter über derartige Informationen verfügten und Höchstpreis und Gewinner schon vor Beginn der Auktion feststand, denn der 70% Anteil an der populären polnischen WBK kam zu einem erstaunlich niedrigen Preis in die Hände der Spanier. Der Form halber werden aber jetzt BNP Paribas und PKO BP eine offizielle Erklärung zu Indizien oder Gerüchten über Korruption in dem Geschäft verlangen, um von anderen "Hintergründen" abzulenken.
Die "Zweifel" über die Rechtmäßigkeit der Versteigerung soll jetzt unter Anschub der Anwälte von BNP und PKO die polnische Kommission für Finanzaufsicht prüfen. Speziell soll in einer Untersuchung festgestellt werden, ob die Santander Bank vor dem Zuschlag bessere Informationen erhalten hatte als ihre Konkurrenz bei dem Geschäft bzw. ob sie vertrauliche Informationen erworben haben könnte. Sehr hilfreich hierbei könnte eventuell die Prüfung der Beziehung des von den Spaniern angeheuerten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG in Polen sein, dass gleichzeitig auch Prüfer bei WBK zu sein scheint und somit vollen Zugang zu Informationen über ihre finanzielle Situation, Ergebnissen usw. hat. Über derartige Informationen verfügt aber auch Polens Schatzminister Aleksander Grad, der wie Santander Chef Emilio Botin über die zusätzlichen "Sarrazin"- Gene verfügt.
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