Warschau - Nach dem Tode des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski wurde viel darüber spekuliert, ob sein Zwillingsbruder Jaroslaw der Politik den Rücken kehren werde oder nicht. Mit dem Bruder hatte er durch den Flugzeugabsturz in Smolensk viele seiner Freunde verloren, seine Mutter wurde schwer krank und braucht Betreuung. Doch schon wenige Tage nach der Tragödie liess Jaroslaw Kaczynski bei öffentlichen Auftritten, hierunter auch Beerdigungen, durchblicken, dass man die Arbeit der Verstorbenen fortsetzen werde, denn die Zeit der IV Republik sei viel zu kurz gewesen. Dies bedeutete unübersichtlich, dass er seine Partei Recht und Gerechtigkeit (PIS) weiterhin führen werde. Heute verkündete er sogar darüberhinaus, dass er der Kandidat seiner Partei für die Wahl zum Präsidenten Polens sei und bereits die erforderlichen Schritte zu seiner Registrierung vorbereiten lasse. Diese Entscheidung Kaczynskis war für ein demokratisches Polen wichtig, denn bisher gab es für den übermächtigen Bronislaw Komorowski, der eigentlich als sicherer kommender Staatspräsident gilt, keinen ernsthaften Konkurrenten der ihm auf dem Wege in den Präsidentenpalast gefährlich werden konnte. Mit dem Beitritt Jaroslaw Kaczynski zu dem Rennen, wird nun zu den Wahlen zumindest etwas Spannung aufkommen. Diese Spannung könnte sich aber dramatisch erhöhen, wenn sich herauskristallisieren sollte, dass der Fugzeugabsturz in Smolensk Produkt einer Verschwörung war.
Acht Kandidaten stehen bisher für die polnischen Präsidentenwahlen am 20. Juni 2010 fest. Es sind neben Jaroslaw Kaczynski (PIS) und Bronislaw Komorowski (Bürgerplattform), der aus der PIS ausgetretene ehemalige Sejm Marschall Marek Jurek, der schillernde Andrzej Lepper (Sex Affäre) von der Bauernpartei Samoobrona, Vize- Premier Waldemar Pawlak von der mitregierenden PSL, Kornel Morawiecki - Gründer der "Kämpfenden Solidarnosc" (Solidarnosc Walczaca), Boguslaw Zietka (Polnische Arbeiterpartei), der radikalliberale Janusz Korwin-Mikke (Ich bewundere den Mut Lech Kaczynskis) und der Opoler Geschäftsmann Bogdan Szpryngiel.
Die Registrierung der Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen endet heute um 16.15 Uhr. Alle Bewerber mussten hierzu beim Nationalen Wahlausschuss (NEC) mit den für ihre Teilnahme notwendigen ersten 1.000 Unterstützungsunterschriften aufwarten. Die Recht und Gerechtigkeit (PiS) hatte die Nennung ihres Kandidaten für das Amt des Staatsoberhauptes für Montag Mittag avisiert, nachdem die letzte der Beerdigungen (Aleksandra Natalii - Swiat) der Opfer des Flugzeugabsturz vom 10. April in Warschau abgeschlossen worden sei. Die Parteien haben sich bereits, in Anbetracht der polnischen Tragödie in Smolensk, auf eine Low Budget Wahlkampagne ohne Aggressionen und Beleidigungen geinigt.
Mit der Registrierung beim Nationalen Wahlausschuss nimmt aber noch keiner der Bewerber automatisch an den Wahlen teil. Der Ausschuss muss nämlich hierzu vorab die Zustimmung zur Kandidatur und eine Erklärung der Lustration des Kandidaten abgegeben. Wenn alle alle notwendigen Dokumente für die Registrierung vorhanden sind, wird die NEC innerhalb von drei Tagen eine Entscheidung über ihre Eintragung treffen. Am 6. Mai um Mitternacht, bzw. 45 Tage vor der Wahl, sollten dann die Kandidaten endgültig registiert sein. Nun muss jeder der Bewerber weitere 100 Tausend Unterschriften vorlegen. Zu jeder Unterschrift der Unterstützer muss Namen, Adresse und die Sozialversicherungsnummer angegeben sein. Die Signaturen werden dann maschinell auf Formfehler überprüft.
Weitere Kandidaten zum Präsidentenamt haben sich in den letzten Stunden vor Anmeldeschluss registriert: Andrzej Olechowski, Zdzislaw Jankowski, Joseph Wojcik, Roman Sklepowicza, Louis Wasiak, Zdzislaw Podkański und Grzegorz Napieralski.
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Peinlich...
Geschrieben von: Wolf () am 26-04-2010 13:47