Berlin - Der polnische Ex- Präsident Aleksander Kwasniewski sieht den Prozess der deutsch-polnischen Versöhnung nicht bedroht und auf stabilen Füßen. "Die Grundlagen des Dialoges zwischen Polen und Deutschen ist so robust, dass keine Katastrophe passieren können - unabhängig von Aussagen einzelner Politikern, oder gar Fraktionen" - wertete der Ex-Präsident die Lage. Kwasniewski nahm am Montag an einer Debatte über die deutsch-polnische Beziehungen teil, die von der SPD nahen Friedrich Ebert Stiftung organisiert worden war. Er betonte in diesem Zusammenhang auch, dass die Stimme der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am 1. September auf der Danziger Westerplatte, dem Jahrestag des Kriegsausbruches, so klar und unmissverständlich klang, dass selbst die größten Skeptiker unter den Teilnehmern an der Zeremonie in Danzig keinen Zweifel daran hatten, dass die Kanzlerin Respekt und Wertschätzung für einen ehrlichen Umgang mit der Vergangenheit und ihrer Millionen Opfer fordete. Merkel hatte am 1. September in ihrer Rede auf der Westerplatte alleine die Deutschen für den Ausbruch und die Folgen des Krieges verantwortlich erklärt, bat aber auch um Verständnis für das Leid von Millionen unschuldiger Deutscher, die damals ihre Heimat verloren.

Auch für Diskussionen über Vertreibungen offen sein
Aleksander Kwasniewski bezeichnete die Bundeskanzlerin in ihrer Fähigkeit und Aufrichtigkeit solche Worte vorzutragen als eine würdige Empfängerin positiver Reaktionen aus Polen. Seiner Meinung nach ist es aber unmöglich, die Gespräche über NS-Verbrechen, der Verschiebungen der Grenzen sowie Themen der Vertreibungen und den hieraus entstandenen dramatischen Folgen für Zivilisten, in Deutschland und anderen Ländern zu verhindern. "Wir sollten versuchen für solche Diskussionen ebenfalls offen zu sein. Es ist manchmal noch etwas sensibel und schwierig, aber es wäre sehr gut darüber zu reden" - sagte der populäre Ex- Präsident und erklärte, dass was Deutschland und Polen in Fragen der Versöhnung auszeichne, sollte auch ein Beispiel für einige andere Länder Europas auf dem Weg einer Versöhnung sein.
Ukraine und Russland mehr in die EU einbinden
"Wenn der russische Ministerpräsident Wladimir Putin die russisch-deutschen Beziehungen würdigt und sagt, dass diese auch ein Beispiel für den Aufbau der Beziehung zwischen Russland und Polen werden könnten, dann denke ich sollten wir diesen Weg gehen, obwohl ein Kurs in eine solche Richtung durchaus von unzuverlässigen Vergleichen gekennzeichnet werden kann" - meinte Kwasniewski zum sehr anerkennenswertem Putin Vorstoss vom 1. September. Gleichwohl sagte er noch mehr Bedeutendes in der wichtigen Frage um die Zukünftige Heimat der Ukraine: "Es ist eine sehr wichtige Aufgabe für Polen und Deutsche der pro-westlichen Bestrebungen der Ukraine in der EU mehr Anerkennung zu verschaffen, ohne hierbei aber etwa Russland im Regen stehen zu lassen".
Verbrechen an Minderheiten keine selbstverschuldte Kriegsfolgen
Aleksander Kwasniewski führte Polen 1999 in die NATO und 2004 in die EU. Er ist unumstritten der populärste Politiker Polens und ein weitsichtiger Stratege. Seine Aussage zu Diskussionen, auch über das Leid deutscher Zivilisten während den grausamen Vertreibungen, spricht für seinen persönlichen Willen zu einer ehrlichen Versöhnung mit den Deutschen. Ähnlich hatten sich auch erst kürzlich deutsche und polnische Bischöfe gemeinsam ausgedrückt. Doch es gibt hierzu noch große Hindernisse, denn die aktuelle polnische Regierung sowie auch Polens Präsident Lech Kacznynski vertreten nur polnische Opfer und Helden und bezeichnen die Verbrechen an Minderheiten nach dem Ende des zweiten Weltkriegs meist als selbstverschuldte Kriegsfolgen. In diesem Streben bleibt für Grausamkeiten an Deutschen, Slowaken, Juden und Ukrainern erstmal kein Platz, aber die Wahrheit, als Grundlage jeglicher Freundschaft oder Versöhnung, wird sich nicht aufhalten lassen.
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