Tschechische Medien berichten am Dienstag in Schlagzeilen über einen Abschuss eines polnischen Zivilflugzeuges über der West- Slowakei im Jahre 1975. Es habe sich ein Pilot gemeldet, der damals einen dieser Kampfjets flog und heute im hohen Alter sein Gewissen erleichterte, schreibt u.a. die populäre Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" in ihrer Dienstags Ausgabe. Die Behörden in Prag sollen demnach angeordnet haben die Sache als Unfall, ohne Beteiligung des Militärs darzustellen, was auch der Historiker des Slowakischen Nationalen Gedenkens Institut (UPN) Lubomir Morbacher, bestätigte. Der Pilot der polnischen Maschine soll versucht haben mit dieser nach Österreich zu fliehen, sei dann aber 8 Kilometer vor der Grenze seines Zieles von 4 tschechoslowakischen L-29 und MIG-21 Kampfflugzeugen eingeholt worden. Warschau und Prag haben damals in der Sache um den Abschuss Absprachen gehalten, heisst es in den Meldungen. Im Jahr 1975 war General Wojciech Jaruzelski polnischer Verteidigungsminister.
"Dass wir ein ziviles Flugzeug abschossen war mir klar, aber ich war Soldat und gehorchte nur Befehlen" - soll der reumütige Militär- Pilot Vlastimil N. zu seiner Rechtfertigung zu dem Abschuss und dem Mord an dem Piloten gesagt haben. Nach seiner Aussage kam der Befehl zu diesem Verbrechen direkt aus Prag, wo man sich mit dem polnischen Verteidigungsministerium in Warschau auf die Zerstörung des Zivil-Flugzeuges geeinigt hatte. Abgeschossen habe man den Polen um 15.56 Uhr im Bereich des slowakischen Dorfes Kúty (Kutti). Er sei dann danach auf dem Flughafen Brno gelandet, wo ihn ein General erwartete und ihn zu der gelungenen Aktion beglückwünschte und alle seine Sorgen mit dem Hinweis vom Tisch fegte, dass die Zustimmung zu der "notwendigen" Aktion ja direkt aus Warschau gekommen sei.
Es ist bekannt, dass auch das IPN in Polen den Fall um den mysteriösen Absturz einer polnischen AN-2 (Legendäre "Antek" - 12-sitziges Flugzeug sowjetischer Bauart) im Jahre 1975 in der Slowakei schon seit geraumer Zeit untersucht und hierzu auch mehrere Anfragen nach Bratislava und Prag geschickt hatte. Hieraus ist zu erfahren, dass der 36-jährige Dionysius B. aus Opole (Oppeln) geplant habe, über die Tschechoslowakei und Österreich nach West-Deutschland zu fliehen. B. hatte keine Frau oder Kinder. Er war ziviler Fluglehrer und arbeitete in einem agrotechnischem Betrieb seiner Stadt.
Das IPN informierte, dass B. am Morgen des 16. Juli 1975 vom Flugplatz Gawłówek in Kleinpolen alleine gestartet und bereits nach 30 Minuten vom tschechischen Radar erfasst worden sei. Dann seien tschechoslowakische Kampfflugzeuge aufgestiegen und hätten das polnische Flugzeug kurz vor der Grenze zu Österreich gestellt und abgeschossen. Teile der "Antek" seien hierbei über mehrere Kilometer verstreut worden. Das IPN in Warschau beschuldigt den damaligen Leiter der tschechoslowakischen Luftabwehr General Joseph Remek (Vater des Kosmonauten Wladimir Remek) und den ehemaligen polnischen Verteidigungsminister Wojciech Jaruzelski, der bereits wegen der Ausrufung des Kriegsrechtes in Polen angeklagt wurde, für den Abschuss der Maschine strafrechtlich verantwortlich zu sein.
Die aktuelle Aussage eines der damaligen ausführenden Piloten Vlastimil N. und weiterer Zeugen (Dorfbewohner) die sich zu dem Drama gemeldet haben, bestätigen erst einmal die Behauptungen des IPN, einer Behörde, welche es mit der Wahrheit nach Angaben von Lech Walesa u.a. nicht immer sehr genau nimmt. Die Staatsanwaltschaft in Prag hat die Polizei angewiesen zu versuchen mehr Licht in diese Sache zu bringen. Die slowakische Polizei hat in der Tschechischen Republik und in Polen Unterlagen aus Archiven der Behörden und Rechtshilfe angefordert.
Dionysius B. war nicht der einzige Pole der auf dem Gebiet der Tschechoslowakei beim Versuch in den Westen zu kommen getötet wurde. Bekannt wurde bisher, dass in den Jahren 1948-1989, beim Versuch die Grenze zu Österreich und Deutschland zu überwinden, 29 Polen ihr Leben verloren. Die meisten von ihnen starben an 5000 Volt Elektrozäunen, die ohne Hinweis auf "Lebensgefahr" irgendwo in der Gegend rumstanden. Im Jahr 2001 hatte das IPN Fälle von Tötungen an der tschechoslowakischen Grenze prüfen wollen, bekam aber keinen Zugang zu wichtigen Dokumenten aus Tschechischen Archiven.
Das Töten von sog. nicht "aufhaltbaren Republikflüchtlingen" war aber nicht nur eine polnische- oder tschechoslowakische "Spezialität" des kalten Krieges, sondern vor allen Dingen auch, neben den unglaublichen Bespitzelungen der Bürger, ein fast zum Alltag gehörender Vorgang in der ehemaligen DDR. Während man in Polen und anderen ehemaligen Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes heute mit Hochdruck versucht die Verbrechen an den eigenen Bürgern während des Kommunismuses im vollen Umfang aufzuklären, kommen dagegen in Deutschland nun prominente Politiker, erst 20 Jahre nach der Wende, dazu zu behaupten, dass die DDR ja garnicht so schlecht gewesen sei. Dass solche unglaublichen Äusserungen nur von aus der DDR stammenden Politkern kommen können, versteht sich von selbst. Deren Gesinnung, würde man nach solchen Vertuschungsversuchen z.B. in Polen nicht nur ernshaft in Frage stellen.
Vergessen wollen diese Politiker schon die Todesschüsse an den Grenzen machen, vergessen soll man auch nun schon unter welchen Umständen man leben musste und praktisch niemandem trauen konnte. Vergessen oder geleugnet werden soll auch die Allmacht schmieriger Stasi- Typen , die heute zum Teil sogar im deutschen Parlament sitzen sollen. Die dem Kommunisten in Polen seit den 70er Jahren sehr nahestehenden deutschen Sozialdemokraten sind es denn auch, aus deren Reihen solche Töne des Verschleierns und Verschönerns eines Unrechtssystems, traditionell weitergeführt werden. Anders aber als im heutigen Polen im Verhältnis zu ihren Bürgern, stehen Vertreter dieser sog. großen deutschen Volkspartei, für die Verharmlosung und Verschleierung kommunistischer Verbrechen an ihren Landleuten. Auch wenn in Polen nicht alles gerade läuft und man hier mehr versucht die Verbrechen an nicht-Polen im letzten Jahrhundert zu verschleiern, scheint man doch mit mehr Charakterstärke im Bezug auf das eigene Volk ausgerüstet zu sein. "Armes Deutschland" - kann man da nur sagen....
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