Seite 1 von 2 Warschau - In Deutschland kennt ihn kaum jemand, in Polen ist er ein Star. Vor zehn Jahren ging Steffen Möller von Wuppertal nach Warschau, um Deutsch zu unterrichten. Heute kennt ihn jeder in Polen, als den lustigen Deutschen aus dem Fernsehen..
Zunächst verdiente er sein Geld als Deutschlehrer an einem polnischen Gymnasium, später gab er Konversationskurse an der Uni in Warschau. Doch nach sechs Jahren hatte er genug von lärmenden Schülern und sprachfaulen Studenten. ?Ich hatte damals eine Art Umbruchkrise und bin nach Krakau gezogen.? Mit glänzenden Augen erinnert er sich an seine ersten Gehversuche als Kabarettist in Krakau und seinen ersten Radioauftritt in der Sendung von Artur Andrus, dem Harald Schmidt von Polen. Ein zweiter Platz bei einem Kabarettwettbewerb verhalf ihm schließlich zu einer Rolle in Polens beliebtester TV-Serie ?M jak Milosc? (?L wie Liebe?) und damit zum Durchbruch.
?Die Serie ist das gesellschaftliche Ereignis in Polen, der absolute Straßenfeger.? Die Worte sprudeln selbstsicher aus ihm heraus. ?Die wird von 10 Millionen Menschen gekuckt und läuft zur Primetime.? Steffen Möller ist in Polen der Vorzeige-Deutsche. Der "nette Nachbar?, der als Bauer Frittierkartoffeln anbaute, mittlerweile ein Pub betreibt und das Pech in der Liebe gepachtet hat. ?Für viele Polen auf dem Land bin ich der einzige Deutsche, den sie je kennen gelernt haben,? kommentiert Möller seine Rolle. ?Es gibt zwar immer mehr Polen in Deutschland, aber das ist eher die Ausnahme.? Damit wird er zur Leitfigur, die das Bild der Deutschen in Polen maßgeblich beeinflusst. Alles was Steffen Möller in der Fernsehserie sagt oder tut ist gleich ?typisch deutsch?.
Ausnutzen würde der bekennende Politikmuffel seine Position jedoch niemals, sagt er. ?Für mich ist es angenehm, dass ich mich aus solchen politischen Sachen raushalten kann,? meint der Wahlpole. ?Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit ich verloren hätte, im Vorfeld der Bundestagswahlen in Deutschland, wenn ich immer mit Freunden hätte diskutieren müssen.?
Die eingesparte Zeit hat Steffen Möller aber längst mit anderen Dingen vertan. Vor drei Jahren startete er seine eigene Fernsehshow ?Europa da sie lubic? ("Europa kann man mögen"), eine Art Talkshow in der er mit europäischen ?polnophilen? Gästen seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht ? der Ergründung der europäischen Mentalitätsunterschiede. Dabei gilt: Vaterländische Subjektivität erwünscht. Außerdem moderierte er die erste Staffel des polnischen ?Wetten dass...?? und hat begonnen, ein Buch über das polnische Gemüt zu verfassen. ?Mein Buch ist ganz unwichtig, wichtig ist nur die polnische Mentalität,? betont er. Steffen Möller wurde 1971als Sohn von Christian, einem Professor für Theologie, und Sigrun, einer Religionslehrerin, in Wuppertal geboren. Er hat zwei jüngere Brüder, Tilman und Julian. Ein deutscher Schauspieler und Kabarettist Er ist vor allem in Polen sehr populär und dort unter anderem aus der Europa da się lubić (deutsch: Europa lässt sich mögen), Seifenoper M jak miłość (deutsch: L wie Liebe) und Załóż się Fernsehprogram (deutsch: Wetten, dass...) bekannt. Steffen Möller machte sein Abitur in Wuppertal und war bereits dort im Schulkabarett. Nach seinem Abitur leistete er dort seinen Zivildienst ab. Anschließend ging er an die Freie Universität Berlin zum Studium der Theologie und Philosophie und belegte auch Italienisch, was allerdings nicht sonderlich erfolgreich war. Für einen Polnisch-Sprachkurs ging er nach Krakau.
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