Moskau - Der mysteriöse Flugzeugabsturz vom 10. April bei Smolensk, längst in die polnische Geschichte als nationale Tragödie eingegangen, ist nach wie vor nicht nur voller Rätsel, sondern vor allen Dingen in Anbetracht der Ermittlungslage als Terrorangriff auf den gesunden Menschenverstand zu werten. Nichts, aber auch garnichts passt hier und Staatsanwälte und Politiker krönen das ganze Mysterium tagtäglich auf´s neue. Wir erinnern uns, dass es der russische Fluglotse Pavel Plusnin war, der damals erstmals durch widersprüchlich Aussagen weltweit den Verdacht aufkommen liess, dass es kein normaler Unfall gewesen sein könnte, welcher den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski, seine Ehefrau Maria und 94 weitere Menschen das Leben kostete. Und gerade jene dubiosen Aussagen von Plusnin, der verantwortlich für die Einweisung bei der Landung der Präsidentenmaschine, will jetzt die russische Militärstaatsanwaltschaft widerrufen.
Wenn früher nur von einem einzigen Fluglotsen die Rede war, der im Tower des Smolensker Flughafens saß als die polnische Tupolew runterkam, sind es inzwischen schon zwei Controller und wie "Polskaweb" bereits in einem frühen Beitrag zu der Geschichte suggerierte, war auch noch ein Offizier vom russischen Geheimdienst FSB als Souffleur anwesend. Der "Tower", nichts anderes als eine steinerne 10qm- Bude zu eberner Erde, war also fast überfüllt als die Tragödie ihren Lauf nahm. Und dann überschlugen sich die Ereignisse im wahrsten Sinne des Wortes und die drei Herren aus dem Tower verschwanden von der Bildfläche.
Ein erstes Lebenszeichen nach dem Absturz der Tu-154 kam am 11. April von Pavel Plusnin, speziell aus der Redaktion des russischen Nachrichtenportals "Live News". Hier machte er gleich klar, wer für die Katastrophe veranwortlich war: "Die Piloten hielten sich nicht an meine Anweisungen, sprachen kaum russisch und hatten Probleme mit Zahlen und Höhenangaben. Auch bestätigten die Polen wie vorgeschrieben meine durchgegebenen Koordinaten nicht. Ich riet von Anfang an von der Landung ab, denn die Wetterlage war fatal. Weniger als 400 Meter Sicht wegen des dichten Nebels, war keine normale Voraussetzung mehr"- erläuterte Plusnin.
Die Familie, Freunde und Kollegen des 36-jährigen Kaptäns der Tupolew Arkadiusz Protasiuk gingen nach dem Bekanntwerden dieser Plusnin- Aussage umgehend auf die Barrikaden und erklärten, dass dieser ausgezeichnet russisch sprach und ein verantwortungsbewusster Pilot war. Der erste große Fragezeichen dieser Katastrophe war geboren, was sich in den folgenden Tagen noch vergrößerte, als die Öffentlichkeit erfuhr, dass der polnische Aussenminister Radoslaw Sikorski schon kurz nach dem Flugzeugabsturz in einem Telefongespräch mit Präsidentenbruder Jaroslaw Kaczynski erklärt habe, dass die Piloten das Unglück verursacht hatten. Zum Zeitpunkt dieses Gespräches war aber noch nicht einmal ein einziger Ermittler in Smolensk angekommen.
Dann verschwand Pavel Plusnin erst einmal. Seine Kollegen wussten angeblich nichts über seinen Verbleib, russische und polnische Medien behaupteten derweil, dass die Frührente den Mann aufgenommen habe. In der Folgezeit soll er aber zweimal von Staatsanwälten vorgeladen und verhört worden sein. Bei einer dieser Vernehmungen wollen auch polnische Beamte teilgenommen haben. Im Ergebnis wurde dann u.a. die Sichtweite vom 10. April von 400 auf 800 Meter erhöht. Es ergab sich dann nach Auswertung der Flugschreiber sogar, dass die Auslesungen relevanter Passagen ebenso im Widerspruch zu Plusnin´s Aussagen standen. Auch in der Folgezeit hat man nichts Weiteres von diesem Fluglotsen ohne Gesicht persönlich gehört, stattdessen sprachen die russischen Behörden für ihn.
Die auffallenste weitere Unseriösität in diesem Zusammenhang zeigte sich nachdem Moskau Kopien von Vernehmungsprotokollen der Zeugen aus Smolensk an polnische Behörden übergeben hatte. Hierunter befanden sich auch die Unterlagen der Fluglotsen- Verhöre, zwei von Plusnin und zwei weitere Protokolle zu den Aussagen eines am 10. April im Tower anwesenden Kollegen. Es zeigte sich, dass beide Fluglotsen zweimal von unterschiedlichen Ermittlern am selben Tage und zur gleichen Stunde verhört worden sein müssen. Plusnin war angeblich von 15.30 bis 18.00 Uhr durch einen gewissen Leutnant Mazakow, aber auch von 16.10 bis 18.00 Uhr durch einen Militärstaatsanwalt der Smolensker Garnison verhört worden. Im Falle des zweiten Fluglotsen ähnliche zeitliche Übereinstimmungen. Da es unterschiedliche Protokolle sind die auch die anwesenden Ermittler benennen, kann man auschliessen, dass hier vielleicht gemeinsam verhört wurde. Durch wen und wann wurde also Plusnin tatsächlich verhört ?
Wir wissen schon dass die russische Seite, aber auch die Polnische hunderte Probleme mit der Darstellung der Ereignisse zum 10. April haben und nicht nur Widersprüche die seltsamen Untersuchungen begleiten. Wir wissen aber auch wie Moskau nun die dubiosen Plusnin Aussagen aus der Welt schaffen will. Erst einmal hatten kürzlich russische Militärstaatsanwälte selbst damit begonnen die frühen Aussagen der Smolensker Fluglotsen in Zweifel zu ziehen und argumentieren jetzt, dass diese Vernehmungen unter Verletzung von Verfahrensrecht durchgeführt wurden. Man beruft sich hierbei auf Artikel. Code 166 der Strafprozessordnung der Russischen Föderation, wonach Vernehmungen durch mehrere Personen gleichzeitig oder die Erstellung separater Protokolle unzulässig seien. Generell aber hat Moskau bereits durchblicken lassen, dass man in Russland jegliche Aussage bei Behörden widerrufen kann, die später dann nicht gewertet werden darf und macht damit klar, wie man gedenkt die Plusnin- Aussagen rundzuerneuern.
In Polen läuft der Hase in solchen Fällen gesetzlich allerdings anders. Polizeiliche Aussagen werden grundsätzlich vor Gericht berücksichtigt. The Show must go on .... und die Medien werden heraus mal wieder einen kleinen polnisch-russischen "Streit" inszenieren. "Polskaweb" ist weiterhin davon überzeugt, dass es am 10. April keinen Flugzeugabsturz in oder bei Smolensk gab. Wir wissen unterdessen noch nicht wo Lech Kaczynski mit Fredy Mercury und Michael Jackson Geburtstag feiert, hoffen aber auch dies so schnell wie möglich herauszufinden. Leider gibt es zu viele Menschen die man an der Nase rumführen kann, sonst wären wir sicherlich bereits etliche Schritte in der Aufklärung zu diesem und anderen "Mysterien" der letzten 71 Jahre weiter. Leider können wir in diesem Zusammenhang auch nicht an dieser Stelle alles schreiben was wir wissen, da die Zensur uns bereits deutlich die Luft abhält.
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