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Polnischer Aussenminister fordert Todesstrafe für Taliban

Veröffentlicht in : Nachrichten, Schlagzeilen




VergrössernPolen ist Mitglied der europäischen Union, des Europarates und sogar das EU- Parlament wird neuerdings von einem Polen angeführt, doch die Mentalität einiger wohlbekannter polnischer Politiker erinnert weiter und immer öfter daran, dass ihr ganzer Heiligenschein nur eine schlechte Fassade ist. Nein, wir meinen dieses Mal nicht die Kaczynski Brüder und es geht auch nicht gegen Schwule oder Lesben, sondern es handelt sich um den polnischen Chefdiplomaten und Aussenminister der Tusk Regierung, Radosław Sikorski, der im Zusammenhang mit der Entführung und Ermordung des Krakauer Ingenieures Piotr Stańczak durch die Taliban, nun im polnischen Fernsehen eine mögliche Todesstrafe für die Täter begrüsste. Erst vor wenigen Tagen hatte die pakistanische Polizei in Islamabad den 24-jährigen Atta Ullah festgenommen, der einer der Mörder des Ingenieures sein soll. "Ich bin glücklich darüber, dass die Verantwortlichen für diese Tat in Pakistan vor Gericht gestellt werden, wo es noch die Todesstrafe gibt" - hatte Sikorski noch am Wochenende wörtlich gegenüber Journalisten gesagt.

Sikorski wies in dem TV Interview auch darauf hin, dass die Festsetzung zumindest eines der vermutlichen Mörder von Piotr Stańczak, vor allen Dingen ein Produkt der guten polnisch-pakistanischen Zusammenarbeit sei. "Das Aussenministerium in Warschau und die polnischen Ermittlungsbehörden haben einen erheblichen Anteil am Erfolg dieser Sache getragen. Ich hoffe nun dass wir über Atta Ullah auch zu den anderen Mördern finden werden. Ich hoffe dass sie verurteilt werden. Gerecht und in diesem Falle mit höchstmöglicher Konsequenz, der Todesstrafe" - sagte der Minister. Der polnische Premier Donald Tusk hatte am Samstag zur Festnahme von Atta Ullah gesagt, dass er höchste Befriedigung hierüber empfinde und hoffe dass ihm bald der Prozess in Pakistan gemacht werde. Er betonte aber sehr deutlich, dass diese seine Befriedigung nichts mit der Todesstrafe in diesem Lande zu tun habe.

Sehr kritisch hat u.a. die Helsinki-Stiftung für Menschenrechte, die Äusserungen Sikorskis im Bezug auf die Anwendung der Todesstrafe ausserhalb Europas aufgenommen. "Mit Erstaunen und Verwunderung haben wir die Glorifizierung der Todesstrafe aus dem Munde des polnischen Aussenministers vernommen. Der Minister identifiziert sich mit der Philosophie dieser Strafe in Pakistan, nicht aber in Europa, deren Zivilisation die Abschaffung der Todesstrafe bereites erreicht hat. Radoslaw Sikorski verherrlicht derweil das Wort Todesstrafe. Er sollte eigentlich wissen wie die Stimmung hierzu in Europa ist, wo man um die Abschaffung dieser unmenschlichen Strafe in der ganzen Welt kämpft. Dies geschieht allgemein und nachvollziehbar ohne Hemmungen der Gefühle potentieller Wähler."

Piotr Stańczak, Mitarbeiter der Firma "Geophysik" in Krakau, wurde im September 2008 von den Taliban in Pakistan entführt, die im Gegenzug für seine Freilassung, eine ähnliche Maßnahme der pakistanischen Regierung bezüglich inhaftierter Taliban gefordert hatten. Die pakistanischen Behörden waren allerdings auf diese Erpressung nicht eingegangen. Am 7. Februar 2009 haben Taliban dann den Familienvater dann vor laufender Kamera enthauptet. Erst im April händigte man den Leichnahm des Polen aus. Anfang Mai wurde er in Krosno beerdigt. Die Opposition im polnischen Sejm, geführt von Jaroslaw Kaczynski, hatte die Regierung für den Tod von Piotr Stańczak verantwortlich gemacht. Angeblich sollte man zuletzt eine Lösegeldforderung erhalten haben und diese aber ignoriert. Die Kaczyński Brüder stehen ebenso zur Todesstrafe wie Sikorski. Der jetzige Aussenminister war früher Verteidigungsminister unter J. Kaczyński. Lech Kaczyński war Justizminister unter Premier Jerzy Buzek, der heute Vorsitzender des EU- Parlamentes ist. Politisch und moralisch tragen die meisten Politiker das gleiche Gedankengut. Unterschiedlich sind oft nur die Bezeichnungen für ihre Parteien.


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Sonntag, 19. Juli 2009
 

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