Danzig - Das wachsende Fischsterben in den Masurischen Seenplatte im Nordosten Polens hat die Umweltstiftung WWF alarmiert. Nach ersten Analysen vor Ort meldet die Organisation gar Erschreckendes: "Eine riesige Kloake mit tödlichem Mangel an Sauerstoff"- behauptet sie in ihrem Bericht. Schuld an dem schlimmen Zustand der Seen sollen Touristen haben, die in den Sommermonaten den Inhalt der Toiletten ihrer Segelschiffe einfach gewissenlos in die Gewässer abführen würden. Die Rechnung welche die Umweltschützer hierzu aufmachen ist denn auch mehr als verständlich, denn bei mehr als 5000 Segelbooten täglich auf den größten Seen, mit durchschnittlich 4-5 Passagieren, lassen somit 20 000 Menschen mindestens 30 Gramm Harnstoff pro Kopf auf Fische und Pflanzen rieseln. Etwa die Hälfte hiervon ist reiner Stickstoff, der zum Algenwachstum beiträgt und in höherer Konzentration relativ kurzfristig zu Fischsterben in Gewässern führen kann.
Piotr Nieznański, Leiter der Abteilung Naturschutz beim WWF Polen, warnt vor weiteren Verschmutzungen der masurischen Seen durch die Segler, die zur Folge haben können, dass diese Gewässer dauerhaft ihre einzigartige natürliche Fülle und den reichen Fischbestand verlieren werden. Mikołajki ist die bekannteste Anlaufstelle für Segler aus Polen und anderen EU Ländern. Joanna Wrobel, von der dortigen Gemeindeverwaltung lässt durchblicken, dass die Entsorgung von Fäkalien ein ernstes Problem darstelle: "Es ist richtig, dass die Stadt eine Abnahmestelle für Abwasser-Tanks und chemischen Toiletten eingerichtet hat, aber vor dieser bilden sich bekanntlich immer lange Schlangen, was die meisten Segler abschreckt. Die Kosten von etwa 1,5 Euro für einen solchen Behälter, dürften hierbei wohl kam eine Rolle spielen. Es ist jedoch nicht so, wie vom WWF behauptet, dass wir nicht versuchen dieses Problem zu lösen. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an der Entwicklung eines ökologischen Hafen-Bau-Programms, welches von der EU finanziert werden soll" - betonte Frau Wrobel.
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Die alarmierende Einschätzungen des WWF unterstützt sogar der Vorsitzende des polnischen Seglerverbandes Stefan Heinrich: "Den masurischen Seen droht eine ökologische Katastrophe. Wir haben hier im Sommer viele große und luxeriöse Jachten mit Badezimmer, WC, Waschbecken, Dusche usw. Doch was ihre Abwasser-Tanks betrifft sind sie in der Regel ökologisch sehr dürftig ausgestattet, denn ihre Inhalte landen direkt in den Seen. Kleinere Boote mit einer länge von bis zu 12 Metern, die am häufigsten in unseren Gewässern vorkommen, verfügen zwar über tragbare chemische Toiletten, die an einer Sammelstelle entleert werden können, doch viele Segler schütten die Fäkalien und andere Abfälle einfach in den See und hierin liegt das Problem. Die Hersteller der chemischen Toiletten tragen aber auch zu diesem Drama bei, denn mit Formaldehyd, Chlor-Derivaten und anderen Chemikalien, die sich nicht um eine Neutralisierung der Verunreinigungen bemühen, sondern nur für das Töten von bakteriellen Gerüchen zuständig sind, hilft man der Umwelt überhaupt nicht" - schimpfte Stefan Heinrich.
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Masurische Seen
Geschrieben von: Igor Wolf () am 06-08-2009 09:55