Die polnische Armee sucht fieberhaft in der afghanischen Provinz Ghazni nach einem ihrer Soldaten, welcher während einer regelrechten Schlacht mit mehreren Dutzend Taliban Kämpfern verschwunden sein soll. Nach inoffiziellen Angaben aus Armeekreisen soll es sich bei dem Mann um einen ihrer "Komandanten" handeln, der wahrscheinlich entführt wurde. Etwa 60 polnische und afghanische Soldaten waren am Montag Morgen in einen Hinterhalt der Widerstandskämpfer geraten, wobei 8 afghanische Soldaten getötet und mehre Polen verletzt worden sein sollen. Die gemischte Patrouille soll in einem Dorf in der Bergregion der Provinz Ghazni plötzlich von mehreren Seiten gleichzeitig unter Feuer genommen worden sein, wobei die Taliban ein Blutbad unter den Soldaten angerichtet habe. Seit vielen Stunden suchen starke Kräfte schon vom Lande und aus der Luft nach den Tätern und dem vermissten Offizier, bisher ohne Erfolg.
Nach Angaben des Fernsehsenders TVN24 dauerte der Kampf mit den Taliban am Morgen fast 6 Stunden. Von Opfern unter den Widerstandskämpfern war nicht die Rede. Die Verletzten Soldaten wurden mit Hubschraubern auf den polnischen Stützpunkt "Warrior" geflogen worden, einige Schwerverletzte auch ins Lazarett der US Armee in Bagram. Weitere Einzelheiten, wie z.B. Identität und Rang des womöglich entführten Offziers, will die polnische Militärführung "aus Gründen laufender Operationen" noch nicht bekanntgeben.
Die überfallene Patrouille war, nach gängiger Praxis in einigen bergigen Teilen der Provinz Ghazni, wahrscheinlich zu Fuß unterwegs. In dieser Region des Landes liegt die Verantwortung in polnischen Händen liegt. Der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak teilte unterdessen seinem polnischen Amtskollegen Bogdan Klich mit, dass man alles tun werde, um den fehlenden Soldaten zu finden und in seine Basis zurückzubringen. Es war das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass ein polnischer Soldat während einer bewaffneten Auseinandersetzung verlorengegangen ist. Im Rahmen der ISAF Afghanistan-Mission liessen neun polnische Soldaten ihr Leben. Gerade in der letzten Zeit häufen sich auch die Angriffe auf polnische Soldaten in Afghanistan.
Die NATO hat kein schlüssiges Konzept zur Bekämpfung des islamischen Extremismus in Afghanistan. Die multinationalen Truppen operieren nur innerhalb ihrer eigenen Zone, oder sitzen gelangweilt in ihren Basen rum, während Soldaten anderer Nationen tagtäglich in Lebensgefahr sind. Schon seit Wochen toben die schwersten Kämpfe der NATO-Truppen in Afghanistan seit Beginn des Krieges im Jahr 2001, wobei meist Briten, Amerikaner und Kanadier an vorderster Front kämpfen und fast täglich Opfer zu beklagen haben.
Update:
Bei dem vermissten Offizier könnte es sich nach laut Spekulationen um den Kommandanten der polnischen Anti- Terror Einheit "Grom" in Afghanistan handeln. Der ehemalige Befehlshaber der Grom, General Roman Polko, wies am Abend in einem Interview darauf hin, dass in einer solchen Situation der Kommandant vor allen Dingen zwischen seinen Soldaten sein sollte und keine Spaziergänge machen dürfe.
Update:
Am Dienstag gegen 2.00 Uhr morgens Ortzeit in Afghanistan wurde der vermisste 32-jährige Offizier in unmittelbarer Nähe seines letzten bekannten Aufenthaltes durch die Besatzung eines US Hubschraubers gefunden. Er war von zahlreichen Kugeln praktisch durchsiebt worden. Aus Ghazni kam eine weitere Meldung zu diesem Angriff der Taliban auf polnische Soldaten, wonach ihre Mission in den Bergen durch afghanische Polizisten verraten worden sein soll.
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