Bern - Was hat der alte Mann nur der Schweiz getan, dass man ihn so mies behandelt. Wenn der weltberühmte Regisseur Roman Polanski nur ein mit Haftbefehl gesuchter Mensch war, der wie jeder andere in diesem Land behandelt wird, was die schweizer Justizbehörden immer wieder zu versichern versuchen, warum hat man ihn den nicht schon Jahre früher verhaftet, sondern erst gewartet bis er hochbetagt ist und besonders unter einer Inhaftierung leiden muss ? Die Antwort hierauf kann nur eine sein, und die ist wenig menschlich, nämlich dass die Schweiz sich durch den Druck der USA in anderer Sache, wo es um die Aufdeckung von Konten terroristischen Netzwerke, Nazis und anderen Verbrechern geht, alles andere bereit ist zu opfern, aber nur nicht die Bankgeheimnisse.
Roman Polanski besitzt seit vielen Jahre in der Schweiz ein Haus, zahlt hierfür Steuern und jedermann wusste, dass er sich hier nicht selten aufhielt. Doch schon viel länger als er diese Immobilie besitzt, wusste auch die Schweiz, dass der Regisseur per internationalem Haftbefehl von den USA gesucht wird. Warum also die Schweizer Behörden erst am 22. September 2009 die Verhaftung Polanskis den Amerikanern überraschend anboten, liegt auf der Hand. Die Interessen der Banken und Politiker sind es, die hier vordergründig eine Rolle spielen dürften.
Wie die Nachrichten- Agentur AP am Mittwoch meldete, liegen ihre Kopien mehrere E-Mails der Schweizer Justizbehörden an die Kollegen in den USA vor, in welchen man selbst die Verhaftung des Regisseurs anlässlich seines Besuches in Zürich vorgeschlagen hatte. Bisher war man allerdings davon ausgegangen, dass es US- Staatsanwälte gewesen seien, die der Schweiz nahegelegt hatten, Polanski ausgerechnet während seines Besuches zur Auszeichnung für sein Lebenswerk mit Verhaftung zu strafen. Es darf also bezweifelt werden, dass Roman Polanski für die schweizer Behörden "nur ein Fall wie jeder andere ist".
Der 76-jährige Polanski wurde am 26. September auf dem Flughafen in Zürich verhaftet. Ein US-Auslieferungsersuchen aus dem Jahre 1978 übergab man ihm als Kopie. Ein Gerichtshof der Vereinigten Staaten wirft ihm vor im Jahre 1977 im Hause des Schauspielers Jack Nicholson in Hollywood die 13-jährige Samantha Gailey verführt zu haben, was in den USA aufgrund der Minderjährigkeit des Opfers einer Vergewaltigung gleichkommt. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Los Angeles hatte sich in den letzten 30 Jahren nachweislich nicht sonderlich für die Festnahme des Regisseurs im Ausland interessiert. Das unerwartete Angebot aus der Schweiz konnte man aber aus verständlichen Gründen nicht ablehnen.
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