Eine aussergewöhnliche Zunahme von wahrscheinlich fiktiven Ehen meldet das Nationale polnische Ausländeramt (UDSC) in der jetzt publizierten Mischehen-Statistik des Jahres 2008. "Polen wird zum europäischen Zentrum der Scheinehen" - lauten denn auch die Schlagzeilen zu diesem Thema am Samstag in den polnischen Medien. Eine Sprecherin des UDSC begründete die lawinenartige Zunahme von Ehen mit "dubiosen" Lebenspartnern aus ärmeren Regionen dieser Welt mit den Dumpingpreisen für Scheinehen in Polen. Gleichfalls sei natürlich die Schengen- Zugehörigkeit des Landes der attraktivste Anreiz für die meisten heiratswilligen Ausländer, welche meist schon kurz nach der Trauung auf Nimmerwiedersehen und unbekanntem Ziel verschwänden, klagte die UDSC Mitarbeiterin.
20 Tausend Zloty verlangen derzeit Polinnen oder Polen für eine Ehe nur auf dem Papier. In den alten EU Ländern, wie Deutschland, Holland oder Großbritannien kostet dies mindestes 2- bis dreimal so viel. Im Jahre 2008 gab es in Polen laut der UDSC Statistik 9000 Ehen mit Ausländern aus nicht- EU Ländern. Diese erhielten dann in der Regel sofort eine Aufenthaltsgenehmigung für Polen womit sie sich dann auch in der Schengen-Zone, ohne Notwendigkeit einer speziellen Visa, nicht nur frei bewegen können, sondern auch den vollen Rechtsstatus eines EU-Bürgers erhalten.
Im Jahre 2003, vor dem Beitritt Polens zur EU, wurden hier 2300 Mischehen geschlossen. Meist waren es Frauen aus der Ukraine (1031), Weissrussland (206) und Russland (90) und Vietnam, welche sich für einen Umzug nach Polen entschlossen und hierzu einen Ehe-Partner fanden. Damals kostete eine Scheinehe nur etwa 800.- Euro. Nach dem Beitritt Polens zur EU stieg dann sofort der Preis für die fiktiven Ehene auf über 3000.- Euro.
Scheinehen sind natürlich in den EU- Staaten kein Novum. Es gibt sie und es wird sie immer geben, wenn man hiergegen nicht ernsthaftere Gegenmaßnahmen ergreift. Auch in Großbritannien, Holland, Spanien und Deutschland heiraten nicht selten Polen "Partner" aus Drittländern, welche nicht in der polnischen Statistik erfasst werden. Aber natürlich überwiegen die "echten" Ehen bei weitem die fiktiven Trauungen. Meist sind es Polinnen, die sich einen deutschen, britischen oder spanischen Lebenspartner auswählen.
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