Minsk - Erst kürzlich hatte der russische Minsterpräsident Vladimir Putin in Danzig seinem polnischen Amtskollegem Donald Tusk einen versöhnlichen Dialog in Fragen der Geschichte und Zukunft angeboten. Kaum sind seitdem drei Wochen vergangen, zeigt dieses "russische Angebot" bereits in der Nähe der polnischen Ostgrenze Wirkung, wo Russland gemeinsam mit Weißrussland ein riesiges Manöver startete, dessen Auswirkungen bis nach Polen zu hören sind. Der polnische Verteidigungsminister Bogdan Klich sagte am Donnerstag Morgen, dass das Großmanöver in der Nähe der polnischen Grenze ein mehrdeutiges politisches Signal aus den Kreml sei, was man erst einmal verstehen müsse, denn auf der einen Seite bieten russische Politiker Polen den Dialog an, um gleichzeitig auf der anderen Seite mit ihren Muskeln zu spielen. "Wir werden dieses Manöver genau beobachten und überwachen" - sagte der Minister.

Das heute, nach umfänglicher Vorbereitung und einigen kleineren Übungen, offiziell begonnene Manöver in Weissrussland ist die größte militärische Zusammenkunft beider Staaten seit der Gründung der Militär-Union vom 19. Dezember 1997 zwischen der Republik Belarus und der Russischen Föderation. Mehr als 12,5 Tausend Soldaten, 228 Panzer, 470 gepanzerte Fahrzeuge, über 100 Flugzeuge, 234 Artilleriekanonen, Hubschrauber wurden hierzu in der Region Brest zusammengezogen. Das Manöver soll noch bis zum 29. September andauern. An diesem Tage werden auch Russlands Präsident Dmitri Medwedew und Alexander Lukaschenko dem auslaufenden Spektakel beiwohnen.
Nach Angaben des polnischen Verteidigungsministerium seien die Manöver nahe der heimischen Grenze gegen einen Angriff der NATO konzipiert, was natürlich auch im Verteidigungsfalle in Polen szenarisch ähnlich aussehen könnte. Auf jeden Falle sehe man aber in dieser Übung auch einen Test für einen lokalen Konflikt, wahrscheinlich in diesem Teil von Europa, wozu die Integration der bestehenden Streitkräfte der Republik Belarus und Russland benötigt werden wird. Zu Stunde üben russische und weißrussische Kampfjets Bombenangriffe auf einem Übungsgelände nahe der Stadt Baranowitschi. Der weißrussische Verteidigungsminister Malzew hatte Anfang der Woche in Minsk versichert, dass das Manöver ausschließlich defensiven Charakter habe.
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