POSEN - Die neuesten Zahlen des Statistischen Amt der EU (Eurostat) beweisen es, Polen gehört nun offiziell und zum ersten Mal zu den sechs Staaten mit den größten Volkswirtschaften der Europäischen Union. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien sind noch vor dem EU- Neuling, aber nicht mehr die Niederlande, welche man im Jahre 2009 im Schnelldurchgang überholte. Nach Angaben von Eurostat lag die polnische Brutto-Inlands-Produktion (BIP) Ende des Jahres bei 535 Milliarden Euro. Auch für das neue Jahr hat sich Polen ehrgeizige Ziele gesetzt und ist bei der Einschätzung der heimischen Konjunktur viel optimistischer als die EU-Kommission. Ein Plus von bis zu 3 Prozent Wirtschaftswachstum steht auf dem Programm. Bei solcher Prognose schaut man dann auch dezent am aktuell kritischen Haushaltsdefizit vorbei.
Was Polen im Jahre 2009 wesentlich von allen anderen EU- Staaten unterschied, war wie auch schon im Falle der faulen Schweinegrippe, die Nichtexistenz einer medialpolitisch erzeugten Krisen- Hysterie. Die polnische Wirtschaft legte so vor allen Dingen wieder kräftig zu, da es die Polen selbst waren, die sich in ihrem verständlichen Kaufrausch, wenn leider meist auch auf Kredit, teilweise überschlugen. Hier setzt man natürlich erst einmal auf heimische Produkte, die in der Regel viel billiger sind als Vergleichbares aus dem Westen. Die polnische Währung gab dann den Holländern im BIP- Ländervergleich den Rest. Der unterbewertete Zloty, sich immer in einem Umtauschbereich von etwa 25 Eurocents bewegend, kurbelte Export und Einkaufstourismus im gewohnten Rhytmus an, während in den Niederlanden sich gleichzeitig dramatische Exporteinbrüche abzeichneten.
Polen gilt, neben der Slowakei, in der EU als Musterbeispiel von Wirtschaftsaufschwung. Doch diese Auszeichnung wird, zumindest in den nächsten Jahren, zwangsläufig erst einmal verblassen müssen. Immer weniger ausländisches Kapital kommt ins Land, Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit steigen. Für viele Verantwortliche sind die öffentlichen Kassen immer noch riesige Selbstbedienungsläden. Eine gigantischen Schattenwirtschaft, die nun auch noch staatlich, mittels enorm steigender Energiepreise, gefördert wird. Gleichzeitig gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Löhne kurzfristig steigen könnten um höhere Lebenskosten abzufangen, womit weitere Bankrotte von unzähligen Normalverbrauchern bereits vorprogrammiert sind. Auch Aufwertungen des Zloty könnte in diesem Fall kaum helfen, da die meisten Darlehen in eigener Währung aufgenommen wurden.
Für eine baldige Aufwertung des Zloty spricht übrigens, dass Deutsche Bank und Töchter derzeit eine riesige und nie dagewesene Werbeaktion für Kredite in polnischer Währung betreiben. In Frankfurt wird schliesslich bestimmt wem es gut oder schlecht gehen darf. Hier weiss man wie der Hase läuft. Sicherlich wird sich diesbezüglich Mitte des Jahre in Polen etwas tun.
© Polskaweb News Artikel vom 16.1.2010
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