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Polen verkauft Werften in die Karibik

Veröffentlicht in : Nachrichten, Wirtschaft




Polnische Werften an Fond verkauftDie Werften von Stettin und Gdynia sind nicht mehr zu haben. Nach einer weltweiten Auschreibung erhielt jetzt ein Unternehmen des Namens "United International Trust" den Zuschlag für die beiden Standorte. Die Werft in Gdynia ging bereits am vergangenen Donnerstag für 288 Millionen Zloty (ca. 64 Mio Euro) an den Investor aus dem Steuer-Paradies "Niederländische Antillen". Am Wochenende schlug dieser Fonds dann auch in Stettin zu und erwarb die Nowa Werft (SSN) für angebliche 100 Mio Zloty (ca. 22 Mio Euro). Alle Vermögenswerte dieser Schiffsbaustandorte werden nun in den Besitz der United Trust übergehen" - sagte am Sonntag zu den erfolgreichen Verkäufen der polnische Finanzminister Aleksander Grad, der sich in diesem Zusammenhang auch bei Premier Donald Tusk und den Gewerkschaften für ihre erfolgreiche Mitarbeit bei der Abwicklung der Werften bedankte. Ein Sprecher der Gewerkschaft Solidarität Werft:" Jetzt warten wir auf Informationen hierüber, dass wir wieder Schiffe bauen können und wie viele Menschen dabei Arbeit finden werden.

Der Kampf der polnischen Regierung um die Rettung der heimischen Werften wird in Warschau, Stettin und Gdynia wie ein grandioser Sieg gefeiert, doch die Historie dieser Bemühungen um Investoren für die Schiffsbauindustrie weist Probleme auf, welche den Arbeitern und Gewerkschaften am Ende sehr bitter aufstossen könnten. Der Investor, hinter dem wahrscheinlich das Emirat Katar am persischen Golf steckt, bemüht mich zu versichern, dass der Bau- und die Reparatur von Schiffen an den Standorten traditionell weitergeführt werden sollen. Ähnlich drückte sich auch Finanzminister Grad vor der Presse aus. Die Werften werden ohne Bedingungen und durch die Abwicklung schuldenfrei an "United International Trust" übertragen. Den Zuschlag bekam der Fond weil er den höchsten Preis bot. Ein Erhalt von Arbeitsplätzen ist hiermit ebensowenig gekoppelt, wie der Zweck der späteren Nutzung der Werft und der dazugehörigen Immobilien und anderer Werte.

Polen hatte für seine Werften EU-Hilfen in Milliardenhöhe in Anspruch genommen. Hierbei sollen auch einige hundert Millionen Euro spurlos verschwunden sein. Brüssel war zuletzt nicht mehr bereit weitere Mittel in die polnische Schiffsbauindustrie zu stecken und zwang Warschau diesen Wirtschaftszweig zu versteigern. Die Käuferin der Werften in Stettin und Danzig, die "United International Trust" ist immerhin auch an der NASDAQ in New York geführt. Sie erwarb alleine in Gdynia für gerade einmal 64 Millionen Euro 130 Hektar Land mit hunderten von Gebäuden (hiervon 22 auf der Werft selbst, in guten- bis sehr guten Lagen der Stadt, jede Menge Schiffe die noch fertigestellt werden müssen, Trockendocks, Kräne und unzählige Maschinen und Fahrzeuge. Die United Trust hat nicht den Ruf sich mit Industriekomplexen selbst zu beschäftigen oder gar Arbeitsplätze zu schaffen. So kann man wohl erst einmal die Lage der Werftarbeiter als nicht sehr rosig bewerten. Sie müssen bis zum Ende des Monats alle entlassen werden, sollen aber ein Überbrückungsgeld von der Regierung bekommen.

Im Zusammenhang mit den Investor fiel auf, dass der polnische Finanzminister Aleksander Grad erst kürzlich in Katar war. Hier soll es um Gas-Lieferungen gegangen sein. Das Emirat wurde aber auch schon in Zusammenhang mit den schlingernden Staatsbetrieben PKP Cargo und der LOT Airline als möglicher Investor genannt. Die genauen Höhen der Transaktionen und anderer Details der Werften-Verkäufe an die Steuerparadiesler sollten nach Aussage des Finanzministeriums auf der Webseite der "Agentur für Industrielle Entwicklung" (ARP) zu sehen sein (www.arp.com.pl), doch die Links zu den jeweiligen Deals funktionieren alle nicht. Dies hatte "Polskaweb" bereits in der vergangenen Woche, in Zusammenhang mit einem Flugzeuggeschäft, an anderer Stelle auf dieser Seite feststellen müssen.

Die Stettiner war einst ein Pionier des neuzeitlichen Schiffsbaus und lange Jahre eine der führenden Werften in Deutschland.

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Samstag, 16. Mai 2009
 

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