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Warschau: Niemand war schuld

Veröffentlicht in : Nachrichten, Politik




Donald Tusk StellungnahmeWarschau - In den mittlerweile zur grotesken Komödie gewordenen "Ermittlungen" zum Flugzeugabsturz am 10. April bei Smolensk zeichnet sich bereits ab, wer für die Katastrophe verantwortlich ist. Während die deutsche "Bild Zeitung" bereits am Dienstag ihren Abschlussbericht vorlegte: "Die Wahrheit über die Flugzeug-Katastrophe" wobei durch die Schuld des Piloten "die Passagiere des Todesjets im Feuerball des explodierenden Kerosins verbrannten", traten am Mittwoch der polnische Premier Donald Tusk, sowie sein Verteidigungsminister Bogdan Klich zu offiziellen Statements an, wobei sich überraschend herauskristallisierte, dass offenbar niemand an der Tragödie Schuld hatte und jetzt nur noch die Frage offen sei, mit welchen Entschädigungs- Summen für die Hinterbliebenen von Politikern, hohen Militärs, der Crew und einigen anderen die Sache letztendlich noch zu einem sozialen Abschluss bringen kann. "Die Zusammenarbeit unserer Ermittler und den Kollegen aus Russland war und ist ausgezeichnet" - verkündete Tusk mit ernster Mine. Bogdan Klich fügte dem noch hinzu, dass die russischen Behörden alles tun, um die Ursache des Unfalls rücksichtslos aufzuklären. Darüberhinaus gab er bekannt, dass Moskau "alle" die an der Unfallstelle geborgenen privaten Gegenstände der Opfer bereits an polnische Beamte übergeben habe und überhaupt an Bord der Tupolew, wie befürchtet würde, keinerlei Geheimdokumente oder ähnlichem gewesen seien. Woher er diese Erkenntnis hat, liess er allerdings offen.

Die mit Spannung erwartete Pressekonferenz mit Donald Tusk im Zusammenhang mit dem mysteriösen Flugzeugabsturz, welcher u.a. Lech Kaczynski das Leben kostete, entpuppte sich am Ende als Teil einer Schönwetterkampagne ohne inhaltlichem Wert. "Die Russen haben nicht zu verbergen, wir auch nicht, alles ist in Ordnung, niemand ist verantwortlich und alles wird gut" - kann man kurz und schmerzlos die Aussagen des Premiers in einer Quintessenz zusammenfassen. Warum er überhaupt vor die Presse getreten war wusste zuletzt keiner mehr. Selbst die berümte dritte Blackbox, welche sich in polnischen Händen befinden soll, erwähnte Tusk nur am Rande. "Ich habe etwa ein Drittel der Aufzeichnungen der Voicebox gehört, man sollte sich hieraus keine Sensationen erhoffen" - erklärte zum Thema auch der Verteidigungsminister.

Die einzig bisher verwertbaren Aussagen der polnischen Regierung resultieren aus den Diskussionen um Entschädigungsleistungen an die Hinterbliebenen aller 96 Opfer. 40 Millionen Zloty hat man bereits für Beerdigungen und erste Zahlungen an die Familien rausgegeben. Hinzu sollen jetzt weitere Summen kommen sowie "besondere" Rentenzahlungen, Finanzierungen für die Bildung von Opfer- Kindern usw. Ausgerechnet hat man schon, dass man in zivilrechtlichen Verfahren mit Entschädigungen von bis zu 100 Millionen Zloty rechnen müsse. Es ist in Verbindung mit solchen Ankündigungen nicht zu übersehen, dass man vor allen Dingen mit dem Klingeln der Kassen die peinlichen Kritiken aus den Reihen von Hinterbliebenen im Hintergrund verschwinden lassen will.

Fakt ist, dass Warschau, was die Ermittlungen angeht,  weitestgehends mit leeren Händen dasteht. Man weiss nicht einmal sicher, wie viele Menschen tatsächlich bei dem Absturz ums Leben kamen. Erst Stunden nach der Katastrophe hatte man eine Liste aus dem Amte des Präsidenten bekommen, aus welcher sich die Zahl von 89 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern ergab. In ersten Meldungen aus Russland hiess es, es seien 132 Menschen an Bord gewesen. Warschau berichtete in diesem Zusammenhang, mit Verweis auf diplomatische Quellen, von 3 Überlebenden. Aber natürlich weiss der polnische Verteidigungsminister Klich jetzt und woher auch immer, dass keine geheimen Dokumente an Bord waren und die Russen ansonsten alles zurückgegeben haben. Dass der polnische Generalstaatsanwaltschaft, der Vorsitzende des Katyn Opferverbandes und Politiker der Opposition den Rücktritt Klichs wegen Behinderung der Ermittler fordern, beweist was seine Aussagen wert sind.

Moskau scheint überhaupt nichts daran gelegen zu sein, auch nur irgendetwas im Zusammenhang mit dem mysteriösen Flugzeug- Absturz Warschau zu überlassen und erst recht sicherlich dann nicht, wenn es kein Unfall war. Die polnische Regierung lebt derweil mit ihren Erkenntnissen aus dem Internet, welche Journalisten und Blogger in teils mühsamer Kleinarbeit zusammengetragen haben. Tusk hat sich und seine Regierung mit der Aussage über die "hervorragende Zusammenarbeit" mit Russland, einmal mehr lächerlich gemacht. Was man am Mittwoch erwartet hatte kam nicht. Unklarheiten über die Rätsel der genauen Abflug- bzw Absturzzeit des Todesjets, der Vernehmung des widersprüchlichen Fluglotsen im Beisein eines polnischen Staatsanwaltes (Ohne Übersetzer), den bekannten Bildern vom mysteriösen Austausch von Landelichtern in Smolensk, dem seltsamen Nebel der nur am Flughafen in einem Umkreis von wenigen Kilometern auftrat, den Gerüchten über Aktivitäten einer Iljuschin Il-62, welche sich bei dem Absturz direkt über der Tupolew befunden haben soll oder der Frage nach den Erkenntnissen polnischer Diplomaten und Sicherheitsleuten die der Katastrophe in unmittelbarer Nähe beiwohnten, sprach man erst garnicht an.

Warum die polnische Regierung sich so seltsam verhält, möchte man nicht einmal vermuten. Ein vom polnischen Staatssender TVP1 am Montag ausgestrahlter Film mit dem Titel "Solidarität 2010", welcher am Rande der Trauerfeierlichkeiten für die Opfer der Katastrophe gedreht wurde, erwies sich aber schon als "kontrovers", denn es kamen auch Menschen zu Wort, die sich nicht so einfach damit begnügten, die schon zwei Stunden nach dem Tode Lech Kaczynskis gewonnene Erkenntnis über die Absturzursache: "Der Pilot war schuld",  so einfach hinzunehmen. Eine Befragte hatte in ihrer Stellungnahme sogar suggeriert, dass Donald Tusk Blut an den Händen habe. Ausgerechnet die Postkommunistische SLD und nicht die angegriffene Bürgerplattform, machte direkt nach der Ausstrahlung des Film einen Aufstand, wobei bis heute hierüber heftig diskutiert wird. Moskau hatte erst kürzlich mit Hilfe einheimischer Postkommunisten die Ukraine wieder kampflos zurückerobert, was auch den polnischen Gesinnungsgenossen sowie ihren deutschen Kollegen, inkognito in höchsten Ämtern, gefallen haben wird. Der russische Neo- Imperialismus befindet sich somit bereits an der polnischen Ostgrenze und der Zweck heiligt jegliches Mittel.


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Anschlag

Geschrieben von: Piotr () am 29-04-2010 18:16

Anschlag

Geschrieben von: Piotr am 29-04-2010 18:16

Polnische Staatsanwälte haben gesagt, man schliesse auch einen Anschlag nicht aus und betreibe hierzu Ermittlungen.

 

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