
WARSCHAU - Heute sind es nur noch 140 Tage bis zur Eröffnung der Fußball- Europameisterschaft "Euro 2012" in Polen und der Ukraine. Jetzt lässt sich denn auch bereits klar bestimmen welche der vor fünf Jahren hierzu aufgenommen Infrastruktur- Projekte in Modernisierung und Neubau überhaupt rechtzeitig fertig werden. Das Hauptaugenmerk richtet sich international natürlich auf den Stand des Autobahnbaus in Polen. Hier haben Politiker und Behörden damals schon unübersehbar den Mund zu voll genommen, denn die noch reichlich fehlenden Verbindungsstücke der A1, A2 und der A4 können bis zum Juni nicht mehr fertiggestellt werden, wobei viele hiervon nicht einmal im Bau sind. Dies bedeutet, dass es nicht eine einzige zusammenhängende Autobahn bis zum Anpfiff des Megaspektakels geben, dafür aber unzählige Umleitungen, Strassen ohne Belag und Staus ohne Ende. Überhaupt sind auch nur insgesamt zwei Stadien in welchen Spiele der Euro stattfinden sollen über ein zusammenhängendes Netz von Schnellstrassen und Autobahn miteinander verbunden: Breslau und Krakau. Zu allen weiteren Austragungsstätten gelangen Sie sicher und zeitig höchstwahrscheinlich nur per Flugzeug. Die polnische Bahn hinkt dem ganzen Versagen ebenfalls hinterher. Man kann schon jetzt davon ausgehen, dass es nicht nur Chaos auf den Strecken wegen fehlenden Zügen und den üblichen Verspätungen geben wird, sondern auch auf sich in Modernisierung befindlichen Bahnhöfen wie in Posen, wo die Reisenden wie vor 70 Jahren in Zweierreihen von und zu den Zügen über dunkle, enge Umleitungen geleitet werden. Noch schlimmer sind dann nur noch die vielen versprochenen aber nie gebauten zusätzlichen Hotels im Umfelde der einzelnen Veranstaltungsstätten, was auch die teilnehmenden Nationalmannschaften bereits zu spüren bekamen, denn ihre Quartiersuchern blieb teils nicht anderes übrig als weit weg von den Städten, Stadien und Flughäfen auf irgendwelche Dörfer auszuweichen.
Das hölzerne Gebilde im Vordergrund ist alles was aktuell vom neuen Bahnhof in Posen zu sehen ist ..
Im Jahre 2007 kündigte der Verkehrsminister der Tusk- Regierung Cezary Grabarczyk den Bau von mehr als 3000 Kilometern Autobahnen und Schnellstrassen bis zur Euro 2012 an. Schon kurz nach diesem Versprechen entstanden denn auch eine ganze Reihe von wunderschön bunten Modellen von Projekten aus den vorgesehenen Austragungsorten, die bis heute auch hauptsächlich noch zur Vorzeige genutzt werden müssen, da abgesehen von einigen Stadien, so gut wie nichts in Natura fertiggestellt wurde. Mit der Umsetzung einiger dieser Projekte hatte man erst garnicht begonnen. Vor wenigen Monaten hatte Märchenonkel Grabarczyk noch Optimismus verbreitet, wohlwissend dass er am Ende wie ein Geisteskranker dastehen sollte. Alleine Posen erwartet zu dem Großereignis 200 000 Fans, die mangels Flügen und Plätzen in Zügen wohl hauptsächlich mit dem Auto anreisen müssen. Für diejenigen Gäste die aus dem Ausland kommen geht dies ohne größere Probleme aber nur über die Autobahn A2, die allerdings nur zwei Spuren auf jeder Seite hat. Hier muss vor allen Dingen auch mit Staus an den Mautstellen sowie Ausfahrten im Raume Posen gerechnet werden. Von Deutschland aus erreicht man auch die Stadien von Breslau und Krakau über die Autobahn (A 4), die Veranstaltungsorte Danzig und vor allen Dingen Warschau mit dem Nationalstadion sind hingegen mit dem Auto in dieser Zeit kaum zu erreichen. Dies gilt auch für das gesamte Netz von Querverbindungen. Wer also z.B. von Breslau aus zu einem Spiel nach Posen mit dem Auto fahren will, muss dann damit rechnen die Nacht irgendwo auf dieser Strecke verbringen zu müssen. Z. B. Breslau-Danzig oder Posen-Danzig sollte dann sogar zur Qual werden, weil es überall Baustellen und teils nur schlecht befahrbare Streckenabschnitte gibt.
Hier ist das Breitbild - TV im Hotel Remes wo die Portugiesen sich auch die Spiele der deutschen Nationalmannschaftt ansehen werden
Jetzt ist den Großmäulern aus Ämtern und Politik zur Entschuldigung nur noch eine weitere Lüge eingefallen: "Wir können Ihnen versichern, dass sowieso die Hälfte aller Fans in Flugzeugen und Zügen anreisen" und dies bringt man so rüber, als wäre am Ende der Bau von Autobahnen und Schnellstrassen in Polen zumindest für die Euro 2012 überhaupt nicht notwendig gewesen. Und wie die Lage auf dem Hotelmarkt für die Fans aussieht beweist schon alleine die Unterbringung einiger Nationalmannschaften. So wird Christian Ronaldo mit der portugiesischen Elf nicht etwa in einem 5-Sterne Hotel in Krakau wohnen, sondern auf einem "Dorf" (Opalenica) eine halbe Autostunde von Posen entfernt ,obwohl man erst einmal in der Ukraine spielen muss (Lemberg + Kharkov). Und wer denkt, dass die berühmte polnische Gastfreundschaft auch übers Geschäft hinaus geht, liegt da sicherlich nicht immer richtig, denn der portugiesischen Fußballverband muss ab dem 4. Juni in Opalenica für sein Team pro Tag 30 000 Euro (!) hinblättern. Die Dänen zahlen da im 5-Sterne Luxushotel Marina in Kolberg nur die Hälfte, müssen dafür aber auch zu allen Spielen längere Anreisezeiten über Landstrassen in kauf nehmen, worin auch der Weg zum nächsten Flughafen (Stettin Goleniow) eingeschlossen ist. Übers Wasser kann die Nationalelf Dänemarks dafür aber sehr schnell die Heimat erreichen, falls dies im Falle von schnellen K.O. Niederlagen notwendig sein sollte. Fatal für dänische Fans die auch noch auf gut Glück ohne Tickets für die Spiele ihrer Mannschaft anreisen und dann zwischen 1450.- bis 23 900.- Euro für die Begegnungen hinlegen müssen. Soviel kosten nämlich sog. "Goldpakete", womit bei Sport- Veranstaltungen immer das ganz große Geld mit völlig Verrückten gemacht wird.
PS. Das sehr gut ausgestatte "Remes Sport und Spa Hotel" in Opalenica ist in normalen Zeiten durchaus erschwinglich und vor allen Dingen nach einigen durch die Gemeinde finanzierten sportlichen Anlagen auf seinem Grundstück für Gruppen sehr interessant
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