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Polen - Polizei und Verbrecher unter einer Decke ?

Veröffentlicht in : Nachrichten, Polizeiberichte




Polnische Polizei und Justiz im Falle OlewnikPlock - Seit fast 10 Jahren beschäftigt die polnische Justiz und sogar das Parlament ein mysteriöser Kriminalfall der mehr als nur Rätsel aufgibt. Im Oktober 2001 wurde der 27-jährige Sohn eines reichen polnischen Unternehmers in Plock, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Warschau, entführt und später ermordet, obwohl seine Familie ein beträchtliches Lösegeld gezahlt hatte. Nach und nach werden eine ganze Reihe von vermeintlichen Tätern und Mittätern festgenommen. Fast alle werden schuldig gesprochen, die drei Haupttäter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, die aber im Ergebnis alle sehr kurz ausfallen, denn die Verurteilten sterben schon nach kurzer Zeit in Gefängniszellen. Selbstmord, hiess es offiziell, obwohl einer der Toten mit Rippenbrüchen gefunden wurde, ein Anderer unter Drogen und Alkohol stand und der Dritte rund um die Uhr überwacht wurde. Alsbald stirbt auch ein Beamter, der den Anführer der Bande tot in seiner Zelle fand. Diebstähle von Untersuchungsergebnissen und dubiose Ermittlungspannen der Polizei runden das ganze Mysterium ab.

In der Nacht vom 26. zum 27. Oktober 2001 wurde der Fabrikantensohn Krzysztof Olewnik aus der heimischen Villa entführt. Zwei Tage später forderten die Entführer von seiner Familie ein Lösegeld in Höhe von 300 000 Euro. Erst fast zwei Jahre später, am 24. Juli 2003, bezahlten die Angehörigen das verlangte Lösegeld. Am 5. September 2003 wurde Krzysztof Olewnik in einem Wald durch zwei der Entführer, Slawomir Kosciuk und Robert Pazik, ermordet und an Ort und Stelle verscharrt. Ihr Anführer, Wojciech Franiewski, soll nicht an der Hinrichtung teilgenommen haben. Nach den Ergebnissen der dann folgenden Untersuchungen hatten die Mörder ihn mit einer Plastiktüte erstickt. Vor seinem Tod soll Olewnik unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten, geschlagen und gezwungen worden sein, Psychopharmaka zu nehmen. Die Leiche des Entführten wurde am 28. Oktober 2006 gefunden und am 4. November 2006 auf dem Friedhof von Plock begraben.

Der Hinweis der zum Fundort der Leiche geführt hatte, soll von dem in der Sache im Dezember 2005 festgenommenen Slawomir Kosciuk gekommen sein. Durch ihn hatte die Polizei auch Robert Pazik und den mutmaßlichen Kopf der kriminellen Gruppe, Wojciech Franiewski, verhaften können. Die offizielle Untersuchung der Entführung und Ermordung von Krzysztof Olewnik wurde Anfang 2008 abgeschlossen. Insgesamt 12 Verdächtige landeten kurz darauf auf der Anklagebank. Slawomir Kosciuk und Robert Pazik wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Andere Beteiligte bekamen von einem bis zu 15 Jahren Gefängnis, einer wurde freigesprochen. Wojciech Franiewski konnte nicht mehr durch das Gericht zur Rechenschaft gezogen werden, er hatte sich in der Nacht vom 18. zum 19. Juni 2007 angeblich in seiner Zelle in Olsztyn (Allenstein) erhängt.

Bis zum angeblichen Freitod des Haupttäters, der den Befehl zur Ermordung Olewniks gegeben haben soll und ihn bis zu seinem Tode in seinem Ferienhaus eingesperrt hatte, war für die Öffentlichkeit alles noch nicht mysteriös und ungewöhnlich. Auch das Franiewski verletzt war bedeute nicht viel, da er ja von der Polizei gefoltert worden sein könnte. Doch durch Enthüllungen von Journalisten geriet der ganze Fall Olewnik in ein neues Licht. Es stellte sich in diesem Zusammenhang heraus, dass es zu seltsamen Fehlern und Vorfällen bei Polizei und Staatsanwaltschaft in den Jahren 2001-2005 gekommen war. Am 4. April 2008 gegen 22 Uhr, wurde dann auch noch Slawomir Kosciuk, dessen Aussagen dazu beigetragen hatten andere für Entführung und Mord zu verurteilen, tot in seiner Zelle gefunden. Im Blut Kosciuks wurden giftige Psychopharmaka entdeckt, auch hatte er mehrere Rippen gebrochen und seltsame Hautabschürfungen an den Unterarmen. Sein Tod ist noch heute ungeklärt, auf seinem Totenschein stand aber "Selbstmord".

Unmittelbar nach dem Tod Kosciuks brach in ganz Polen eine Diskussion über die Arbeit von Polizei und Justiz des Landes aus. Offen wurde darüber spekuliert ob der Gefangene ermordet worden sein könnte. Nach dem angeblichen Freitod von zwei der drei Haupttäter in der Olewnik- Sache wurde der Dritte, Robert Pazik, im Gefängnis von Plock rund um die Uhr überwacht. Man fürchtete dass auch er sich umbringe oder durch die Hände Dritter sterben könnte. Jeglicher Kontakt zu anderen Gefangenen unterband man. Sein Essen bekam er nur durch ausgewählte Beamte. Er war praktisch völlig isoliert. Am 19. Januar 2009 gegen 4.40 Uhr morgens, fand man dann auch Robert Pazik tot in seiner Zelle. "Selbstmord" hiess es in einer ersten Stellungnahme aus der Haftanstalt. Im Juli 2009 tötete sich auch derjenige Vollzugsbeamte, welcher Bandenchef Franiewski in seiner Zelle im Allensteiner Gefängnis tot aufgefunden hatte. "Sein Tod hatte keinen Zusammenhang mit dem Fall" - erfuhr man noch am gleichen Tage.

Am 13. Februar 2009 wurde eine Anfrage zur Untersuchung der Umstände der Entführung und Ermordung von Krzysztof Olewnik ins polnische Parlament eingebracht. Seit Juni 2009 ermittelt nun eine Ausschuss des Sejms in der Sache. Was hierbei im Ergebnis bereits herauskam, ist mehr als erschreckend und bringt schlimme Vermutungen mit sich. Man muss auch nochmals hierbei berücksichtigen, dass die ganzen Ungereimtheiten nicht etwa durch Behörden aufgedeckt wurden, sondern durch Medien, hierbei hauptsächlich Unregelmäßigkeiten bei Polizei und den polnischen Strafverfolgungsbehörden. Schon kurz nach der Entführung Olewniks unterliess es die Polizei in Plock die Nummern der Telefone zu überprüfen mit welchen die Entführer seine Familie kontaktierten. Die Seriennummern der Euros aus der Lösegeldzahlung nahmen sie ebensowenig auf, ehe sie den Verbrechern ausgehändigt wurden.

Zwei Monate nach der Entführung sollen einige der ermittelnden Beamten ihre Berichte zum Olewnik Fall geändert haben. Im Juni 2004 liessen sich zwei Polizisten in Warschau ihr Auto (Daewoo Nubira) vor dem Zentralstadion stehlen. Im Fahrzeug befanden sich 16 Aktenbände mit Ermittlungsergebnissen des Entführungsfalles. Den Beamten wurde keine Schuld zugewiesen, die Sache umgehend  eingestellt. Der Kreis der Staatsanwälte und Polizisten, in die Untersuchung einbezogen, war klein und niemand wusste sonst was die beiden Beamten da tranportierten. Im Übrigen werden Fahrzeuge der Marke Daewoo in Polen so gut wie nie gestohlen, vor allen Dingen nicht Mitten im Zentrum von Warschau unter den Augen vieler Kameras. So handelte es sich vermutlich um einen Auftragsdiebstahl. Die Familie des Entführten schöpfte erstmals Verdacht, dass die Polizei mit den Verbrechern zusammenarbeitet. Die Briefe der Entführer an die Familie waren zudem voller polizeilicher Terminologie und bekannten Methodik der polizeilichen Arbeit in dem Fall. Die Verbrecher profitierten offenbar an gewonnenen Ermittlungsergebnissen.

Mehrere Zeugen, die nur der Polizei mit Adresse bekannt waren, wurden anonym oder auch direkt durch die Entführer bedroht bzw. verfolgt. Die zweitwichtigste Tageszeitung Polens "Rzeczpospolita" berichtete, dass Verdächtigen die später verurteilt wurden, nicht einmal Fingerabdrücke abgenommen wurden, ebensowenig habe man Täterprofile erstellt. Ein Beweisvideo das schon frühzeitig zu  Bandenchef Wojciech Franiewski hätte führen können, lag vier Jahre lang in einer Schublade bei der Polizei herum. Im Januar 2003, neun Monate vor der Ermordung von Krzysztof Olewnik, erhielt sein Vater einen anonymen Brief mit der Post. Der Verfasser scheint es gut mit der Familie zu meinen und gibt konkrete Hinweise auf einen der Bewacher des Entführten, der Krzysztof in der Nähe von Nowy Dwor Mazowiecki gefangenhalte. Er schrieb auch, dass die Entführer ihn töten wollen. Die Polizei soll diesen Informationen nicht nachgegangen sein.

Nach den ersten Medienaufständen zu den Ungereimtheiten in der Olewnik- Sache wurde Staatsanwaltschaft und Polizei von Plock  der Fall entzogen und nach Allenstein (Olsztyn) verlegt. Im Juni 2008 platzte im Hauptquartier der Allensteiner Polizei ein Abwasserrohr. Es stellte sich heraus, dass die Fäkalien in einen Raum einer speziellen Einheit der polnischen Polizei für Schwerstkriminalität (CBS) gelaufen war, den man hier angemietet hatte. Die stinkende Flüssigkeit hatte ausgerechnet die hier gesammelten Kisten mit Beweismitteln zum Entführungsfall Olewnik zerstört. Schon in der Nacht vom 24. auf den 25. Juli 2009 wurde bei der Rechtsanwältin der Familie Olewnik, Jolanta Turczynowicz, eingebrochen. Gestohlen wurden 3 Laptops und 2 Kameras mit wichtigen Dokumenten und Materialien zu dem Fall.

Am 17. August verschwanden aus der Wohnung eines Parlamentariers, der im Olewnik Untersuchungsausschuss sitzt, ebenso Laptops und ein Voice- Recorder. Geld und andere Wertsachen liessen die Diebe zurück. Es ging ihnen offenbar nur um vertrauliche Dokumente. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Indizien die vermuten lassen, dass in das hier thematisierte Verbrechen Beamte involviert sein könnten, die wir aber nicht alle aufführen wollen. Bei der Obduktion von Krzysztof Olewnik soll es ebenso zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Sein Vater hat die Leiche nun wieder ausgraben lassen, um objektivere Obduktionsergebnisse zu bekommen. Auch soll ein DNA Test beweisen, dass es sich tatsächlich um seinen Sohn handelt. So hofft er, ansonsten hat man viele Jahre am Grabe eines Anderen gebetet.

Der Fall Olewnik ist in der Tat voller Geheimnisse und Anschuldigungen gegen die Polizei, Justiz, Staatsanwälte und Politiker. Die Sache ist somit längst auch ein Politikum, wie andere und ähnliche Fälle mit politischer Brisanz, Morden und Selbstmorden, die derzeit durch parlamentarische Untersuchungsausschüsse in Warschau geklärt werden sollen. Dass in polnischen Gefängnissen viel häufiger Gefangene "Selbstmord" begehen als anderswo fällt gerade in der letzten Zeit immer häufiger auf. Dies gilt auch für die Zunahme von Tötungen angeblicher Verbrecher, die "auf der Flucht erschossen" wurden. Polnische Polizisten werden nicht erst seit der Olewnik- Entführung in Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen gebracht. Medien berichten öfters über Fälle polizeilichen Mißbrauchs.  "Polskaweb" vermutet sogar, dass beim Diebstahl der Auschwitz- Inschrift "Arbeit macht frei", worüber in der ganzen Welt berichtet wurde, Polizisten die Führung inne gehabt haben könnten, hierauf weist zumindest nach unserer Ansicht vieles hin.

Das ganze System von Polizei, Justiz und Politik in Polen wird nicht erst seit gestern durch die Bürger kritisert. "Recht bekommt man nur wenn man Geld hat" oder "alle korrupt" hört man. Wie wenig dieses System auch im Sinne einer gemeinsamen EU- Politik funktioniert beweist z.B. das Sicherheitsgefühl von Autodieben, nachdem sie erst einmal mit ihre heissen Ware die polnische Grenze überschritten haben. In anderen Fällen sind es schwerkriminelle Straftäter die im Auslande abgeurteilt wurden und dann wunderlicherweise zur Verbüßung ihrer Strafen nach Polen verlegt werden wollen. Wie viele sich von diesen Kriminellen bereits nach kurzer Haftzeit wieder auf freiem Fuß befinden, wissen wir nicht. Einige spektakuläre Begnadigungen durch den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski sind allerdings durchgesickert, hierunter auch die Begnadigung eines im letzten Jahr in Großbritannien verurteilten Polen mit zweimal Lebenslänglich am Hals. Auch drei Brüder die vor zwei Jahren einen Mann gelyncht hatten, sind Dank Kaczynski schon wieder frei. Kürzlich hat sich auch der MP3 Mörder von Brüssel nach Polen verlegen lassen. Man darf gespannt sein wie lange er noch büßen muss.

Wie leichtfertig polnische Polizisten mit dem Leben auch Unschuldiger umgehen, musste im Dezember 2007 auch ein Thüringer spüren, der im obengenannten Allenstein sein Leben verlor, nur weil er falsch geparkt hatte und ganz in Schwarz gekleideten Polizisten, nicht die Tür seines Fahrzeuges öffnen wollte. Um den Zustand schnell zu beenden, hatten die Beamten Gas durch das halboffene Fenster des Autos gesprüht. Der Deutsche starb nur Minuten später. Die Polizisten bekamen Bewährungsstrafen.
Ein Berufungsgericht in Bialystok hat am Dienstag, die gegen die zwei Polizeibeamte verhängten Bewährungsstrafen in Höhe von 14 und 24 Monaten, rechtskräftig bestätigt. Eine kleine Genugtuung für die Hinterbliebenen ihres Opfers, denn durch die Strafe dürfen die Täter nun keine Polizisten mehr sein. Täter und Staatsanwalt waren gegen das Urteil in Berufung gegangen.

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Dienstag, 9. März 2010
 

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