Lemberg - Der Streit Polens mit seinen östlichen Nachbarn befindet sich wieder einmal in der Eskalationsphase. Nachdem sich der Geschichtsstreit mit Russland um Katyn und den Hungertod von sowjetischen Kriegsgefangenen in polnischen Lagern etwas gelegt hatte, ging die polnische Minderheit in Litauen auf die Barrikaden, weil Behörden "Zeichen vergangener Polonisierungen" im Lande beseitigen wollten. Die polnische Minderheit in Weissrussland löste dann mit Forderungen nach mehr Rechten die Polen in Litauen ab. Parallel hierzu geriet dann Polen mit der Ukraine wegen der Ehrung des ukrainischen Unabhängigkeitskämpfer Stepan Bandera in Clinch. Jetzt wollen Politiker der rechten Allukrainischen Freiheitsunion in die Gegenoffensive gehen und ein Buch aus dem Jahre 1931 neu verlegen, welches unzählige Beweise über einen "totalitären polnischen Terror gegen Ukrainer" vor dem zweiten Weltkrieg offenbaren soll.
"Polen folterten und mordeten"
Die Neuauflage des Buches mit einem Titel wie: "Polens ewige Schande - die Hochburg der Barbarei in Europa" soll im April erscheinen. Nach Angaben von Mitgliedern der Freiheitsunion in Lemberg will man nun der Welt die ganze "historische Wahrheit" über die polnische Besatzungszeit in der Ukraine offenbaren. Das Buch sei eine wertvolle Quelle mit Zeugenaussagen, medizinischen Diagnosen, Urkunden und einer großen Zahl von Original- Fotos. Es bestätige umfangreich die gewaltsame Unterdrückung der ukrainischen Nationalbewegung sowie Folter und Mord an Priestern und Aktivisten durch die Hände polnischer Besatzer. Gleichwohl enthalte es die Lage der Örtlichkeiten der Verbrechen, sowie viele Namen von Opfern - sagten auf einer Pressekonferenz führende Köpfe des Präsidiums der Partei in Lemberg.
"Pilsudskis staatlicher Terror"
"Die "Befriedung" der Westukraine durch die polnischen Besatzer hatte eine Welle der Gewalt und über das hier lebende ukrainische Volk gebracht, einen blutigen Terror, zu dem es in jener Zeit kaum Analogien gab. Es war ein direkter Terror, Massen- Prügel und Mord, systematische und geordnete Massaker erlitt auch die Mehrheit ukrainischer Institutionen, genehmigt durch die polnische Führung in Warschau. Eines der Symbole dieser Zeit war das durch die polnische Regierung errichtete Konzentrationslager "Bereza Kartuska", ein Weiteres die blutigen Verbrechen der polnischen Heimatarmee (AK) und auch der regulären Armee. Ihre Zusammenarbeit mit dem NKWD und der Roten Armee in der "Vernichtung der ukrainischen Zivilbevölkerung" werden wir nie vergessen" - klagte der Stellvertretende Vorsitzende des Lemberger Regierungspräsidium Oleg Pankewytsch.
Gulag Bereza Kartuska
Es gibt unzählige Berichte von Zeitzeugen und Historikern über das polnische Lager Bereza Kartuska, welches bis zum Beginn des Polenfeldzuges im September 1939 ein Begriff für Grauen, Folter und Mord war. Es war kein Vernichtungslager in dem Sinne, da die meisten der hier gefangenen Menschen eher psychisch- und/oder physisch gefoltert denn systematisch getötet wurden. Viele sollen aber dennoch ermordet worden sein. Die Opfer waren demnach nicht nur Juden, Ukrainer, polnische Kommunisten und Sozialisten, sondern auch Deutsche, die in Polen oder der Westukraine Zuhause waren und alleine wegen ihrer Herkunft in Bereza Kartuska oder anderen Lagern eingesperrt worden waren. In Russland weiss kaum jemand etwas über Katyn, die meisten Polen über Bereza Kartuska u.a. ebensowenig. Hier wurde auch der ukrainische Freiheitskämpfer Stepan Bandera "behandelt". Deutsche Truppen hatten das Lager nach ihrem Einmarsch in Polen befreit. Hier wurde auch der ukrainische Freiheitskämpfer Stepan Bandera "behandelt".
Verschwiegene Lager in Polen
Über "Bereza Kartuska" finden Sie eine ganze Menge Berichte und Aussagen von Zeitzeugen in vielen Sprachen auch im Internet. Gleichwohl gilt dies aber auch für historische Unterlagen über Massaker ukrainischer Nationalisten an polnischen Zivilisten. Im deutschen Internet finden Sie derartige Literatur am effektivsten mit den Stichwörtern "Verbrechen der Wehrmacht". Der sowjetische Geheimdienst NKWD hatte nach dem Ende des zweiten Weltkrieges über tausend derartige Lager in Polen eingerichtet, die bis auf wenige Ausnahmen von Polen betrieben wurden. Hier wurden fast nur deutsche Zivilisten "behandelt". Wie viele bei diesen Behandlungen starben weiss niemand. Bezeichnend sind aber historische Nachweise über Verbrechen einiger solcher Täter wie z.B. des polnischen Juden Salomon Morel, der mehr als tausend Deutsche erwürgt, erschlagen oder erschossen haben soll.
Polens Ostpolitik ein Krampf
Die polnische Ostpolitik droht derweil an eigenen Interessen zu scheitern. Längst wird Polen nicht mehr als "Anwalt der Ukraine" betrachtet, sondern eher misstrauisch. Vor allen Dingen die Durchsetzung nationaler Interessen in der Geschichtsschreibung und politisch gesteuerte Szenarien um Minderheiten stossen bei den Nachbarn auf. Ähnliche Probleme werden auch bald schon Deutschland wieder aufschrecken. Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko sagte am Mittwoch zum polnischen Aussenminister Radek Sikorski, dass er den Eindruck habe, dass Vertreter der polnischen Minderheit in seinem Lande offenbar freiwillig ins Gefängnis gehen. Sikorski soll daraufhin das Thema um die "Repressalien" gegen seine Landsleute garnicht mehr angesprochen haben, die waren aber eigentlich Hauptgrund seines Besuches in Minsk.
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Alles Lügen?
Geschrieben von: Claus Pichlo () am 27-02-2010 09:44