Die Stadt Breslau galt als eines der großen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zentren, und so rühmte Historiker Nikolaus von Hennefeld die polnische Metropole 1613 als ?Blume Europas?. So heißt nun auch die aktuelle Ausstellung des Wallraf-Richartz-Museums / Fondation Corboud, die Meisterwerke aus dem Nationalmuseum Breslau bündelt. 80 Gemälde wurden aus der über 200 000 Werke umfassenden Sammlung ausgewählt, die einen Bogen vom mittelalterlichen Andachtsbild bis zur beginnenden Moderne spannen. Die Kölner Ausstellung ist der letzte Höhepunkt des vielfältigen Veranstaltungsreigens zum ?Deutsch-Polnischen Jahr 2005 / 2006?. Der überwiegende Teil der Leihgaben war bislang nicht in einem westeuropäischen Museum zu sehen. Besucher erwartet aber nicht nur die Begegnung mit weitgehend unbekannten Meisterwerken von Bellotto, Spranger, Feuerbach und Kandinsky, sondern auch die Entdeckung polnischer und schlesischer Künstler, die einen Sammlungsschwerpunkt darstellen. Und nicht zuletzt will die von Ekkehard Mai kuratierte Schau dazu anregen, über das Verhältnis beider Länder nachzudenken, wie Mariusz Hermansdorfer, der Direktor des Breslauer Nationalmuseums, betonte. In chronologischer Abfolge durchschreitet man die Ausstellung, die auf grünem Hintergrund präsentiert wird. Aus dem Ende des 14. Jahrhunderts stammt das Bildnis der Hl. Anna Selbdritt, das ein unbekannter Meister aus dem Prager Kunstkreis angefertigt hat. Die kostbare Tafel weist böhmisch-schlesische und franko-flämische Einflüsse auf. Überhaupt lassen sich quer durch die Jahrhunderte viele Wechselbeziehungen beobachten. Der Meister des Breslauer Barbara-Altares ist mit einem Porträt des gekreuzigten Christus vertreten, in dem sich Leid und Erschöpfung ergreifend spiegeln. Auch die ?Madonna in der Kemenate? besticht durch eine realistische Darstellung. Die Kollektion deutscher Malerei vom Klassizismus bis zum Jugendstil nimmt im Breslauer Nationalmuseum breiten Raum ein und ist mit signifikanten Beispielen auch in Köln präsent. Dazu gehören Anselm Feuerbachs Selbstbildnis von 1854, eine Stadtansicht von Adalbert Woelfl, der sich 1838 dauerhaft in Breslau niederließ, oder Lovis Corinths ?Überschwemmung am Starnberger See?. Eigene Räume sind der polnischen Kunst vom 17. bis zum 19. Jahrhundert gewidmet. Von Jozef Szermontowski stammt das Plakatmotiv, eine idyllisch-heitere Parklandschaft, in der zwei lesende junge Spaziergängerinnen in helles Licht getaucht werden. An Genrebilder wie das ?Kartoffelfeuer? schließen sich Olga Boznanskas ?Selbstbildnis mit japanischem Schirm? und Aleksander Gierymskis ?Junge mit Garbe? an - Gemälde, die durch ausgefeilte Komposition und Farbgebung bestechen. Den intimen Formaten steht Raumgreifendes gegenüber. In Bernardo Bellottos ?Einzug des polnischen Gesandten Graf Jerzy Ossolinksi 1633 in Rom?, einem figuren-und detailreichen Panorama, kann sich das Auge verlaufen. Zu den Prachtwerken gehört auch das drei Meter breite Historienbild ?Bogurodzica? (Kampflied der Polen) von Jozef Brandt, das den fulminanten Abschluss bildet.
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