Die katholische Kirche Polens wird in die Vorbereitungen zur Fußball Europameisterschaft 2012 eingreifen. Doch wird man sich nicht etwa am Bau von Stadien, Hotels oder Autobahnen beteiligen, sondern in der Einflußnahme auf die polnische Mentalität zur Aufnahme von hundertausenden Fans aus ganz Europa zu den Wettkämpfen in den Stadien von Breslau, Posen, Warschau und Danzig. Sportminister Miroslaw Drzewiecki ist begeistert von diesem geistlichen Engagement. Erst kürzlich sagte er in einem Interview zum Stand der Vorbereitungen der Euro: " Wir rechnen sehr mit der Hilfe der Priester in der Gestaltung "angemessener Haltungen" zu dem bevorstehenden Mega- Ereignis in unserem Land. Die Kirche plant in diesem Zusammenhang auch an jedem der polnischen Euro Stadien einen Saal für Gläubige der verschiedenen Konfessionen zu errichten, in welchen auch Gottesdienste stattfinden sollen.
Vom Engagement der katholischen Kirche und ihrer fortgeschrittenen Organisationsplanung zeugen auch bereits stattgefundene diverse Treffen der Würdenträger mit Poltikern, dem Vorstand des polnischen Fußballverbandes PZPN und der Organisationsgesellschaft Euro 2012 in der vergangenen Woche. Die Kirche schlug den Verantwortlichen vor, dass man ihr Heer von Freiwilligen Helfern bei dem Event einsetzen könne, welches schon reichlich Erfahrung bei päpstlichen Pilgerfahrten gesammelt hätte. Diese sollen auch den polnischen Stadienbesuchern lehren was es bedeute ein "guter und aktiver" Fan zu sein. "Schon bald werden wir in den polnischen Schulen spezielle "fußballerische Katechesen" einführen, welche den Schülern die Möglichkeit eröffnen, zu lernen wie man ein guter "Fan" wird und dabei auch Akzeptanz für andere Völker und Religionen aufbringt, denn zu den Meisterschaften werden wir viele ausländische Gäste bewirten" - argumentierte Sportler-Seelsorger Marian Florczyk den kirchlich-sportlichen Eingriff, den man gemessen an der Gewalt und dem Rassismus in polnischen Stadien nur begrüßen kann.
Während die katholische Kirche sich schon Gedanken darüber macht wie man z.B. in Anwesenheit von spanischen oder deutschen Gottesdienst- Besuchern für den Gewinn eines Matches der polnischen Nationalmannschaft gemeinsam beten könne, ist das eigentliche Ereignis, die Euro 2012, für Polen und die Ukraine nach Aussagen von UEFA Funktionären noch lange nicht in Sack und Tüten. Erst vor wenigen Tagen war eine Komission der UEFA in Breslau zu Gast um den Fortschritt beim Bau des Stadions, von Hotels und Infrastruktur zu begutachten. Wie schon vorab bei Besichtigungen anderer geplanter Austragungsorte des Turniers war man teilweise arg über diverse Zustände geschockt. Als schrecklich bezeichneten die Funktionäre z.B. den Zustand des Breslauer Bahnhofs, der sich ja von Aussen ganz hübsch anschaue aber von Innen eine Katastrophe sei, zu der man weder Erneuerungs- noch Renovierungsplanungen vorlegen konnte. Die Uefa ist sauer und behauptet nun, dass sowie die Ukraine als auch Polen ihre Kraft in den Bau- und Umbau von Stadien investiere und alles andere dabei vergesse. Schon heute ist klar, dass die Ausrichter der Euro 2012, wenn sie diesen dann letztendlich überhaupt ausrichten werden, zahlreiche Vorgaben der UEFA garnicht oder nur teilweise erfüllen können.
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