Warschau - Am heutigen ersten August jährt sich zum 65. Male ein tragisches Ereignis, das Polen während des zweiten Weltkrieges die verlustreichste Schlacht seiner Geschichte bescherte und eine der großen europäischen Hauptstädte weitestgehend zum Trümmelfeld machte. Der Warschauer Aufstand im August und September 1944, mit dem Ziele die deutschen Besatzer eigenhändig zu vertreiben, erwies sich als tödlicher Bumerang für bis zu 200 000 Zivilisten und Kämpfer der polnischen Heimatarmee AK, die durch eine gigantische Fehlentscheidung ihrer politischen- und militärischen Führung ihr Leben verloren. Bei der jahrzehntelangen Analyse der Ursachen und der Folgen des Warschauer Aufstandes durch Historiker und anderen Vertretern der linken- und liberalen Intelligenz, zeichnet sich am Horizont schon seit Jahren ab, dass dieser so heroische Akt, alles andere als eine Notwendigkeit war. Viele bezeichnen den damaligen Aufruf zum Aufstand gegen die Deutschen gar als Aufforderung zum kollektiven Selbstmord.
Mit der fortschreitenden Liberalisierung in Polen geraten schon seit Jahren polnische Mythen in die Kritik rationaler Vertreter der Gesellschaft. Kein Ereignis in diesem Zusammenhang ist aber so umstritten wie der Warschauer Aufstand. Mit der Übernahme der dritten Republik durch die Kaczyński Brüder war plötzlich der Nationalismus wieder entflammt und die fatale Niederlage von 1944 wurde anschliessend noch eindringlicher als absolutes Symbol polnischern Heroismuses verkauft. Spielfilme zu diesem Ereignis zeigten Helden in schmucken Uniformen und weissroten Armbändern die an der Seite von schönen Frauen mit rußverschmierten Gesichtern gegen unbeholfen wirkende Soldaten der deutschen Wehrmacht kämpften. Doch die Realität war ganz anders, aber diese wurde niemals so dargestellt wie sie wirklich war. Helden konnten nämliche keine zerlumpte Kleidung tragen, sich unrasiert und verdreckt auf der Strassen zeigen, oder nur mit einem Knüppel bewaffnet sein. Helden mischten sich auch nicht zu ihrem Schutze unter Zivilisten, um diese ebenfalls den einzukalkulierenden Gefahren auszusetzen. Das Mythos wackelt, doch der polnische Präsident Kaczyński, dessen Eltern ebenfalls beim damaligen Aufstand dabei waren, versucht zu retten was noch zu retten ist.
Leon Lech Beynar (1909 -1970), der unter dem Pseudonym Paweł Jasienica wertvolle historische Bücher schrieb, war einer der Aufständischen in Warschau. Er hatte schon gegen die Deutschen im September 1939 gekämpft. Er tat dies auch nach der Niederlage der Nazis gegen die neuen Besatzer unter dem Kommando Stalins. Er war ein Mann der sein Leben für die Freiheit Polens eingesetzt hatte. Er überlebte, wurde Journalist und dann Schriftsteller. Im Zusammenhang mit dem Warschau Aufstand 1944 wird er häufig zitiert und erwähnt, denn er war es der erstmals öffentlich den politischen und moralischen Erfolg dieser Aktion in Frage stellte. Er verachtete die Mythenbildung um dieses Verbrechen am polnischen Volk, welches die eigenen Politiker in Gang gesetzt hatten. Lech Beynar wurde berühmt durch seine historischen Werke, seine Courage und für seine Verdammung jeglicher Form von Nationalismus, wofür er letztendlich verfogt wurde. Von ihm stammt ein Zitat, was am heutigen ersten August wieder an vielen Stellen Polens zu hören oder zu lesen sein wird: "Der Warschauer Aufstand richtete sich militärisch gegen Deutschland, politisch gegen die Sowjetunion, demonstrativ gegen die Angelsachsen, tatsächlich aber gegen Polen".
Der Warschauer Aufstand wurde von Führern der Heitmatarmee AK in Gang gesetzt. Der Auftrag hierzu kam von Polens Exilregierung in London die durch die Briten hierzu "inspiriert" und mit falschen Hilfeversprechen motiviert worden sein sollen. Die Widerständler kämpften 63 Tage gegen die deutschen Besatzungstruppen, bevor sie kapitulieren mussten. Gleiches geschah der Heimatarmee im Kampfe gegen die Deutschen schon im Juli 1944 in Lemberg, Vilnius und anderen Regionen der besetzten Gebiete. Die Opfer dieser Aktionen waren meist Zivilisten in deren Häuser sich die Widerstandskämpfer verschanzt hatten. Die Allierten Briten, Amerikaner und auch die Russen liessen die AK in ihrem sinnlosen, sowie moralisch unverständlichen Handlungen gegen die technisch hoch überlegenen Deutschen, weitestgehends alleine. Die Sowjets verhafteten gar während ihres Vorrückens gegen Westen alle AK Führer, denen sie nur habhaft werden konnten. Nicht wenige Polen sehen heute in der damaligen Heimatarmee gar einen wilden, von Wahnsinigen angetriebenen, hilflosen Haufen, dessen Helden sich einzig damit auszeicheneten widerspruchlos alle sinnlosen Aktionen fürs Vaterland mitzumachen.
Zur Stunde bereit man sich in Warschau auf die Paraden der noch lebenden Vertreter der damaligen Heimatarmee vor. In der Nacht zum Samstag hatte das Nationale Institut der Erinnerung (IPN) in Warschau angefangen Millionen von Flugblätter im Auftrage ihres Chefs aus dem Präsidentpalast in Umlauf zu bringen. Auf den Handzetteln findet man den Aufdruck: "Erinnerung an die große polnische Schlacht vom 1. August 1944, bei der unsere Helden der Heimatarmee an zwei Fronten gegen Deutsche und Sowjets kämpften". Um 17 Uhr sollen im ganzen Land bei Behörden zeitgleich die Sirenen heulen, um an den Beginn des Warschauer Aufstandes lautstark zu erinnern. Zumindest eine Stadt wird dieser Anordnung aus Warschau schon nicht mehr Folge leisten, denn Bürgermeister Andrzej Szlęzak aus Stalowa Wola im Vorkarpartenland wehrt sich gegen diese Geschichtspolitik der Mystifizierung: " Der Warschauer Aufstand baut kein Bild Polens in der Welt auf wo man rationell denkt und wirksam handelt. Dieses Sirenengeheule am 1. August ist eine Maßnahme aus kommunistischen Zeiten. Man zwang die polnischen Verwaltungen hiermit eine weitere militärische, humane und politische Katastrophe in unserem Lande zu verehren" - sagte Szlęzak durchaus nachvollziehbar und fügte hinzu, dass man Vaterlandsliebe in Anlehnung an Traditionen aufbauen müsse, hierauf können wir durchaus Stolz sein".
Wir danken Bürgermeister Andrzej Szlęzak und den Soldaten und Schriftsteller Leon Lech Beynar für die uns durch ihre Aussagen gegebenen wertvollen Anregungen zu diesem Beitrag. Sie zeigen unseren Lesern in den deutschsprachigen Ländern mit Überzeugung auf, dass Polen wirklich noch nicht verloren ist und voller weitsichtiger, intelligenter und vernünftiger Menschen steckt, die auch irgendwann die Oberhand gegen diese schlimmen nationalistischen Finger bekommen werden, die derzeit immer noch mit Volldampf das Ansehen Polens in der Welt schädigen. Wir gedenken auch den Märtyrern und Helden des Warschauer Aufstandes, die nicht durch ihr Handeln das Leben von Zivilisten unmittelbar gefährdet hatten und wir trauern um eine bis heute unbekannte Zahl von unschuldigen Opfern dieser blinden Aktion, die ab 1. August 1944 ihren tragischen Verlauf nahm. Verachtung aber für diejenigen Herren in Moskau und London, welchen der Warschauer Aufstand ein erwartetes Nutzen brachte. Mit dem Tod unzähliger AK Kämpfer, die oft der polnischen Intelligenz angehörten, war man nach Katyn, ein weiteres "lästiges" Problem bei der Nachkriegsverteilung losgeworden.
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Warschauer Aufstand
Geschrieben von: Alex Ander () am 06-08-2009 23:12