Posen - Die Anzahl der Straftaten in Verbindung mit dem Fußball in Polen nimmt Ausmaße an, welcher bisher auch in ihrer Dreistheit weltweit unbekannt waren. Neben den schon über 200 Inhaftierten Spielern, Trainern, Funktionären und Schiedsrichtern welche in polnischen Haftanstalten auf ihren Prozess wegen Korruption warten, sitzen jetzt auch immer mehr gewaltätige "Pseudo"- Fans auf den Anklagebänken. Die Palette der ihnen vorgeworfenen Delikte fängt bei Landesfriedensbruch und Körperverletzung an und hört bei Mord und Totschlag auf. Neben den brutalen Übergriffen polnischer Hooligans in den eigenen oder ausländischen Stadien auf friedliche Fans der gegnerischen Mannschaften, werden jetzt auch immer mehr Fanbusse auf Autobahnen und Landstrassen gekapert, die Insassen verprügelt und auch schon mal ausgeraubt. Am vergangenen Sonntag wurde durch solche Irren sogar der IC- Zug von Stettin nach Lublin gestoppt, wobei es anschliessend zu einer Massenschläger unter Fans gegnerischer Mannschaften kam. (s. Video)
Polizei wollte "einen" Streifenwagen schicken .....
Nach Angaben von Bahn- Reisenden nach Lublin soll am Sonntag vor Tagesanbruch ihr Zug in der Nähe von Posen (Poznan) über die Notbremse gestoppt worden sein. Etwa 30 bis 50 Männer dann aus den hinteren Waggons seien dann aus dem Zug gesprungen. Dann soll eine etwa gleichgroße Gruppe von Personen, bekleidet mit Trikots oder Schals von "Lech Poznan", ihnen entgegengekommen sein und es habe eine regelrechte Schlacht begonnen. Wie sich später herausstellte saßen in dem Zug Fans des Fußball- Clubs "Motor Lublin", welche sich zum Kampf mit den Posenern verabredet hatten und hierzu sogar mehrmals den Zug über die Notbremse zum Halten brachten. Verängstigte Reisende und auch der Zugführer hatten versucht über ihre Handys die Polizei an den Ort der Gewalt zu bekommen, doch um 4.40 morgens hatte man keinen Erfolg damit. Nach Auskunft von Zeugen soll es bei dieser "Schlacht" sehr brutal zugegangen sein. Als diese dann nach knapp 15 Minuten vorbei war und die Beteiligten entweder den Zug erneut bestiegen oder sich davon machten, fuhr der Intercity weiter, denn es war immer noch weit und breit keine Polizei in Sicht.
Behörden verschleiern den Vorfall
Beata Czemerajda - Sprecherin von PKP- Intercity:" Kurz hinter Posen wurde die Notbremse des Zuges ausgelöst. Der Zugführer rief die Polizei an. Man sagte ihm dass man wohl einen Streifenwagen vorbei schicken wolle, sein Einwand dass ein Wagen wohl zuwenig sein könnte, hatte zur Folge dass die Polizei auflegte". Die Darstellung der Polizei hörte sich dann so an: "Der Zug stand etwa eine halbe Stunde auf freier Strecke. Um 4.40 läutete uns der Zugführer an. Er sagte dass einige Reisenden den Zug verlassen hätten und würden sich jetzt prügeln. Als unsere Patrouille an der besagten Stelle angekommen ist, war dort schon niemand mehr, weder der Zug noch irgendwelche Fans. Wir glauben nicht so recht, dass dort wirklich sich eine Massenschlägerei abgespielt hatte, denn es wurden uns keine Verletzten gemeldet" - behauptet Zdzisław Kmita, Pressesprecher des Kommandos der Kreispolizeibehörde. Der Intercity kam am Sonntag Vormittag mit 2 Stunden Verspätung in Lublin an.
20 verletzte Sicherheitskräfte bei Pokal- Finale
Die vergangene Woche war von Gewalt in Zusammenhang mit dem polnischen Fußball geprägt. Sogar beim Endspiel um den Landes-Pokal am vergangenen Dienstag zwischen Ruch Chorzow – Lech Poznan war von extremen Ausschreitungen begleitet. Bilanz: ein verwüstetes Stadion, 20 verletzte Sicherheitskräfte, hunderte beteiligte Gewalttäter, aber nur 8 Festnahmen. Gusseiserne Abflussdeckel, Steine und herausgerissener Asphalt dienten neben Feuerwerksraketen als Angriffswaffen gegen alle und jeden. Die Polizei hielt sich erst einmal heraus. Erst als auch die ersten Ordnungskräfte verletzt worden waren, griff die Polizei mit Gummiknüppeln ein. Ein Sprecher des polnischen Fußballverbandes PZPN: " Das Endspiel war ein Kampf mit Fassung und Prestige. Wir haben alles gemacht, um den Fans jegliche Sicherheit zu bieten. Wir trauern um keinen Zloty der von uns investierten Gelder in den Schutz. Über tausend Personen waren hierfür vor Ort. Kann man das etwas besser machen ?". Lech Posen gewann im Übrigen das Pokalfinale mit 1:0.
Video zeigt die Schlägerei zwischen den Fan Gruppen bei Posen
FIFA droht Polen mit Auschluss von der Weltmeisterschaft
Die internationale Fußballorganisation FIFA hatte erst vor wenigen Tagen erneut Polen verwarnt und mit dem Auschluss von der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gedroht. Anlass hierzu war das skandalöse Verhalten polnischer Fans bei einem Länderspiel ihrer Mannschaft in Belfast gegen Irland. In diesem Zusammenhang wurde der PZPN bereits zu einer Zahlung von 22 000 Dollar Strafe verurteilt.
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