WARSCHAU - Was wir Ihnen bereits jetzt verraten können, ist die traurige Erkenntnis, dass keine der wichtigsten Hauptadern Polens, also der A 2 und auch der A 4, die ja bekanntlich von Frankfurt Oder bis nach Warschau und auf der anderen Seite von Cottbus bis in die ukrainischen Spielstätten der Euro 2012 führen sollen, rechtzeitig bis zum Anpfiff fertiggestellt werden können. Auf der Suche nach den Schuldigen an dem Desaster ist man nun angeblich im chinesischen Lager fündig geworden. Die niedrigen Preise der asiatischen Mitbewerber, die hiermit natürlich Ausschreibungen gewannen, waren den polnischen Baufirmen zu viel, ein Generalboykott der Branche war die Folge. Das Chinesische Konsortium COVEC, ein Neuling auf dem Europäischen Markt, das zwei Teilbabschnitte der A 2 bauen will und soll, fand kein einziges Subunternehmen in Polen. Was polnische Medien als "überraschende Solidarität polnischer Baufirmen" bezeichnen, scheint auch im Süden der Republik voll gegriffen zu haben. Hier hat nun auch ein weiteres ausländisches Unternehmen, die mazedonische Gruppe "Granit Skopje", kurzfristig das Handtuch geworfen. Bis dahin war man für die Erstellung von Autobahn- Teilstücken zwischen Krakau und der Ukraine verantwortlich, die nun neu ausgeschrieben und über langwierige Verfahren vergeben werden müssen.
Aber auch an vielen anderen Stellen der Autobahnen und beim Bau und der Vergabe von Schnellstrassen-Projekten gibt es unzählige Probleme. Mal verschwinden Tausende Tonnen von schon verlegtem Mineraluntergrund bei Nacht und Nebel, dann stellt man plötzlich fest, wie erst kürzlich auf den letzten 30 Kilometern der A 2 vor der deutschen Grenze, dass die benötigte Grundstücke garnicht dem Staate gehören. Viel schlimmer als das ist aber die erschütternde Erkenntnis, dass erst vor Monaten fertiggestellte Autobahn- Teilstücke, schon jetzt an vielen Stellen repariert werden müssen und hier wohl irgendetwas mit ihrer Qualität bzw. Verarbeitung nicht stimmen kann.
Die Chinesische Gruppe "COVEC" hatte auch den Zuschlag für ein 50 Kilometer Teilstück der Autobahn A 2 von Lodz nach Warschau erhalten. Gerade mal die Hälfte von dem was polnische und deutsche Firmen hierfür veranschlagten sollte der ganze Spaß kosten. Aber dies ist nun ja schon Geschichte, die damit begann, dass man Gerüchte verbreitete, dass während der letztjährigen Hitzewelle in China neu hergestellte, rustikale Autobahnen wörtlich anfingen zu schmelzen. Die polnische Strassenbau- Behörde GDDKiA und die Regierung in Warschau scheinen in der ganzen traurigen Angelegenheit mehr als nur überfordert zu sein.
An einem übersichtlichen Beispiel wie dem folgenden erkennt selbst der Laie, dass es nicht die Chinesen sind die Schuld an den sich jetzt schon abzeichnenden strukturellen Misserfolgen der Euro 2012 haben, sondern ganz alleine die Tusk- Regierung sowie gierige polnische Unternehmer, die ihren Arbeitern selbst aber nur einen Hungerlohn mit umgerechnete durchschnittlich 400 Euro montalich zahlen. So verlangte die polnische Budimex für einen Autobahnkilometer im Schnitt 61 Millionen Zloty. Die Warschauer Mostostal nimmt 49 Millionen. Das österreichische Vorzeige- Unternehmen STRABAG, mit 36 Mio. Zloty nur etwas über die Hälfte vom Budmimex Preis und die chinesische COVEC 26 Millionen.
Wenn die Österreicher mit 36 Mio. klarkommen, wieso sollten dann die Billig- Anbieter aus China, die mit 500 chinesischen "Sklaven" vor Ort ist, unrealistische Preise ansetzen, wie nicht nur die Konkurrenz behauptet ? "Polskaweb" glaubt, dass die polnische Regierung derzeit überhaupt kein Interesse daran hat, großartig in die Infrastruktur des Landes zu investieren. Dass wird sich dann zu den Wahlen im kommenden Herbst wieder ändern. Aber mit Sprüchen, falschen Versprechen und Lügen ist Polen eben auch in Zukunft nicht geholfen.
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