Posen - Wenn man denn den deutschen Medien Glauben schenken könnte, hatte die Krise den Nachbarn Polen nur am Rande erwischt und so gut wie keinen Schaden angerichtet. Derartige gezielte Fehlinformation hat und hatte aber mit der Wahrheit so gut wie garnichts zu tun. Eher noch war es umgekehrt, nämlich Deutschland ohne Krise und Polen mittendrin. Alles macht eben doch einen Sinn, wenn auch nur für das Wohlergehen von Politik, Wirtschaft und den Banken. Was uns die deutschen Medien aber jetzt noch erklären müssen ist der Umstand, warum trotz fehlender Krise immer mehr Arbeitgeber in Polen ihren Mitarbeitern weniger Geld oder gar keine Löhne mehr zahlen. Nach aktuellen Angaben der Nationalen Arbeitsinspektion beliefen sich nämlich alleine im ersten Halbjahr 2010 die Lohnzahlungs- Rückstände in Polen auf mindestens 110 Millionen Zloty. Das sind immerhin 19 Prozent oder knapp ein Fünftel mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, als der Begriff "Krise" gerade begann Furore zu machen.
Der Leiter der Nationalen Arbeitsinspektion Polens, Tadeusz Zajac, verkündete am Mittwoch: "Die Krise ist vorbei, aber die Arbeitgeber haben sich nicht verändert. Viele weitere große und kleinere Unternehmen haben seit Anfang des Jahres keine oder nur teilweise Löhne und Gehälter bezahlt. Sie schulden ihren Arbeitern inzwischen über 100 Millionen Zloty. Wir sind jetzt dafür, dass die Regierung die Strafen für unehrliche Chefs verschärft, denn nur spürbare Sanktionen scheinen manche von ihnen zu bewegen, ihre Mitarbeiter pünktlich zu bezahlen".
Laut Zajac beläuft sich die durschnittliche Höhe von Zalhlungsrückständen in bestimmten Industriezweigen auf 1514 Zloty. Diese Beträge seien aber zum Beispiel in den Branchen Information und Kommunikation, hierunter dem Verlagswesen sowie der Film- und Fernsehproduktion, mit über 6000 Zloty wesentlich höher. In der Produktion sind es demnach 4500 zl, im Bereich der Bildung um 3900 zl und im Bauwesen zweitausend Zloty.
Polnische Arbeitsinspektoren haben von Januar bis Ende Juni 50.500 Kontrollen durchgeführt und hiernach 11.500 Bußgelder wegen Verstössen gegen Rechte von Arbeitnehmern verhängt. 2400 Arbeitgeber legten hiergegen Einspruch ein, welcher in fast allen Fällen abgewiesen wurde. Die Höchststrafe für derartige Verstösse beträgt in Polen 30 000 Zloty. Die durchschnittliche Strafe im ersten Halbjahr 2010 war 1977 Zloty. Hier zeigt sich, dass die Richter doch eigentlich noch viel Raum hatten.
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