Polen scheint kein Problem mit der gegenwärtigen weltweiten Wirtschaftskrise zu haben, auch wenn aus allen Regionen des Landes immer neue Massenentlassungen gemeldet werden. Beweis hierfür ist u. a. dass, das polnische Verteidigungsministerium (MON) jetzt in einer Nacht- und Nebel Entscheidung beschlossen hat für Präsident Lech Kaczynski und für den Premier Donald Tusk je ein neues Flugzeug zu kaufen. Es soll sogar auf eine Ausschreibung verzichtet werden, denn man möchte über die neuen Prachtstücke der Flotte schon in wenigen Wochen verfügen. "Die gebrauchten russischen Tupolews -154 waren schon zu alt und zuletzt immer anfälliger, sodass wir immer nur eine Maschine zur Verfügung hatten um die sich dann der Präsident mit dem Premier streiten musste" - begründete man den Entschluss zum Erwerb neuer Flugzeuge für die polnischen "VIPs". Wie schon bei vorangegangenen polnischen Flugzeug- Einkäufen wird man auch dieses Mal keine EU Produkte kaufen.
Den Zuschlag beim Erwerb der neuen Flugzeuge für die Führung in Warschau bekam dieses Mal der brasilianische Produzent Embraer, bei welchem bereits die staatliche LOT 14 Maschinen gekauft hatte. Bestellt wurden zwei "EMB-175" mit Vollausstattung und Platz für bis zu 86 Passagieren. Bei einer Reichweite dieser Jets von etwa 3700 Kilometern und einer Geschindigkeit von bis zu 870 Kilometern in der Stunde werden die Politiker aber nicht sehr weit über Europas Grenzen hinaus fliegen können ohne zu Zwischenlandungen gezwungen zu sein, sodass man durchaus vermuten kann, dass für die anfallenden Fernflüge entweder immer noch die alten Tupolews hinhalten müssen, oder aber man wird noch ein neues, größeres Flugzeug kaufen müssen. Bestellen muss man sowas dann nicht mehr, da die LOT alsbald mindestens 8 "Boeing-787 Dreamliner" abnehmen muss, welche man aber garnicht alle mehr gebrauchen kann, da die traditionsreiche polnische Fluggesellschaft große wirtschaftliche Probleme hat.
Verteidigungsminister Bogdan Klich erklärte im Rundfunk darauf hin, dass die beiden "EMB-175" eigentlich für die LOT bestellt wurden. Die staatliche Fluggesellschaft habe sich aber bereit erklärt diese Flugzeuge an das Verteidigungsministerium zu abzutreten, welches diese für den Präsidenten und die Regierung bereitstelle. Es gibt bereits laute Kritiken zu diesem polnisch-brasilianischen Flugzeug-Deal, denn im Jahre 2006 war die Firma Embraer, die zweifelsohne gute Flugzeuge herstellt, bereits in Verbindung mit Unregelmäßigkeiten beim Einkauf von 14 Flugzeugen für die LOT genannt worden. Speziell ging es um den Vorwurf der Begünstigung in Zusammenhang mit der Ausschreibung zu diesem Einkauf. Die Finanzierung der beiden Jets, welche schon Anfang Juli in Warschau sein sollen, übernimmt die AGENCJA ROZWOJU PRZEMYSŁU S.A. (Aktiengesellschaft für Industrielle Entwicklung), die im Auftrage der Regierung Privatisierungen von staatlichem Eigentum betreibt (www.arp.com.pl), wie zur Zeit mit Vehemenz auch die der polnischen Werften.
Es gibt kaum ein großes Geschäft der letzten 20 Jahre an welchem die polnische Regierung beteiligt gewesen war, was nicht irgendwo durch die Medien als anrüchig kritisiert wurde. Mal sehen ob die EU denn herausbekommt wo bei dem jetzigen Deal Subventionen für die angeschlagene LOT versteckt sein könnten. Wir wünschen viel Erfolg und achten Sie mal auf einen Mietvertrag in diesem Zusammenhang.
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Geschrieben von: Joachim Goerner - Osnabrück () am 17-05-2009 00:27