Polen tut sich schwer die eigene Beteiligung an Verbrechen zuzugeben, die während und noch nach dem II Weltkrieg unzähligen Menschen nicht nur Hab und Gut, sondern auch das Leben und die Heimat gekostet hatten. Auch fast 63 Jahre nach dem Krieg scheint die Alleinschuld der Deutschen an allen Taten und Nebeneffekten des Krieges, mit inzwischen einigen Relativierungen wie Katyn und Jedwabne, festzustehen und Polen bleibt in seiner der "nur" Opferrolle stur und starr. Antisemitismus war und ist Teil des moralischen Gedankengutes Einzelner und keine Einstellung irgendwelcher polnischer Mehrheiten heisst es in offiziellen Stellungnahmen. "Raubmorde an Juden und Vertreibungsopfern waren Einzelfälle und waren Machwerk von einigen Kriminellen. Hitlerdeutschland war unser Todfeind und es gab in keinem Punkt Gemeinsamkeiten oder moralische Unterstützungen für deren Tun in unserem Lande, hierzu zählen wir in erster Linie deren Absicht zur Ausrottung der Juden"- sagte erst vor wenigen Tagen polnische Politiker. Ganz anders sehen oder sahen dies viele Überlebende des Holocaustes, die Polen nicht nur breite moralische Unterstützung der Nazis in der "Judenfrage" vorwerfen, sondern ihnen auch Beteiligung an den verschiedensten Verbrechen gegen das jüdische Volk unterstellen.
US Historiker Jan Tomasz Gross, den polnische Staatsanwälte neuerdings sogar wegen Volksverhetzung ins Gefängnis werfen wollen, verlangt von Polen eine nationale Wandlung und die Eingestehung der Mittäterschaft am Holocaust. Der 1947 selbst in Polen geborene New Yorker Historiker Tomasz Gross ließ in all seinen gegebenen Interviews, Broschüren und Büchern kein gutes Haar an der Einstellung der überwiegenden Mehrheit der männlichen Bevölkerung Polens und unterstellt ihnen genetischen Antisemitismus und Räubermentalität, wobei er sogar der katholische Kirche im Lande der schweigenden Mittäterschaft an Judenverfolgungen und Ermordungen bezichtigt. Gross studierte in Warschau, hatte sich aber 1969 in die USA abgesetzt nachdem er während der März Unruhen 1968 inhaftiert worden war. In seinem neuesten Buch „Angst" beschreibt der Historiker den Antisemitismus den es in Polen auch nach dem Ende des II Weltkrieges gab und beklagt in Beispielen Judenverfolgungen, Vertreibungen und Ermordungen der Jahre 1945/46 wie beim Progrom von Kielce, Krakau und anderen Orten. In Polen gilt Gross als "Nestbeschmutzer" und neben der deutschen Vertriebenenchefin Erika Steinbach als Staatsfeind Nummer 1, weil er es gewagt hatte, schon in seinem Buch "Nachbarn", wo es überwiegend um einen Massenmord an Juden 1941 im nordpolnischen Jedwabne durch Dorfbewohner ging, der polnischen Martyrer- bzw Opferrolle tiefe Kratzer zu versetzen.
Jan Tomasz Gross erreichte überraschend mit seinem "Jedwabne" Buch schier Unmögliches, denn in Jedwabne wurden Schilder demontiert, die bis dahin die Deutschen für das örtliche Pogrom anklagten und polnische Journalisten und Wissenschaftler machten sich auf, während der kurzzeitigen Schockphase der polnischen Bevölkerungaufgrund seiner Enthüllungen, der Wahrheit näher zu kommen. So visierte z.B. der Krakauer Literaturwissenschaftler Jan Blonski Landsleute an, die aufgrund ihrer Tatenlosigkeit eine anteilige Verantwortung" an der Ermordung der Juden im brennenden Warschauer Ghetto getragen haben. Der Warschauer Journalist Michal Cichy untersuchte die Rolle des polnischen Untergrunds am Holocaust, nachdem ihre Beteiligung an der Liquidierung jüdischer Mitbürger bekannt geworden war. Sie hatten sie erschossen, als sie während des Warschauer Aufstands aus ihrem Versteck aufgetaucht waren. Inzwischen sind weitere 10 Jahre vergangen und mit Vehemenz wird erneut jegliche Beteiligung oder moralische Unterstützung zu Kriegsverbrechen wie z.B. dem Holocaust und deren Folgen bestritten, alle Ermittlungen von behördlicher Seite in Polen wurden mit dem Hinweis auf die deutsche "Pauschalschuld" rasch eingestellt. Historiker Gross will mit seinem neuesten Werk "Angst" nun verhindern, dass Polen sich weiterhin in der "Nur Opfer" Rolle wähnt und erreichen, dass neue Diskussionen endgültig dazu führen werden, Menschen an Oder und Weichsel die Augen vollends zu öffnen und die eigene Täter- oder Mittäterschaft am Holocaust zu schlucken.
In vielen Punkten der Klagen jüdischer Geschädigter bzw. deren Nachkommen und den fast ebenso bitteren Vorwürfen von deutschen- und slowakischen Vetriebenen ähneln sich deren Vorwürfe gegen Polen. "Raub von Hab und Gut der Opfer stand an erster Stelle, damit verbunden waren Morde und Schändungen jeglicher Form". Historiker Gross sagte dazu in einem Satz: "Allgemeiner noch als Töten war Raub - Jedes Mal wenn Juden getötet wurden - Auch in den Gettos - erschienen sofort Polen und trugen deren Habe davon". Bauern waren rund um die Uhr damit beschäftigt Raubmorde zu perfektionieren, indem sie mit ihren Pferdefuhrwagen auch noch das letzte Möbelstück aus den Häusern ihrer Nachbarn holten. Natürlich kann man den "Nur" Opfer Status der Juden nicht mit dem der Vertriebenen vergleichen, da letztere auch sicherlich durch Täter untersetzt waren, doch beide Opfergruppen beklagen große Verluste unter den Kindern und Säuglingen, die ja wohl kaum als Täter in Frage kommen durften. Beide Gruppen sprechen von unglaublicher Brutalität der Polen während der Besitznahme fremden Eigentums, beide Gruppen fordern bisher vergeblich ihr Eigentum, meist nur noch bestehend aus Grundbesitz, von Polen zurück. Was aber alle zumindest wollen, ist eine umfangreiches polnisches Geständnis zu den Formen der Beteiligungen an Holocaust und Vetreibungen.
Historiker Thomasz Gross will allerdings noch viel mehr von Polen, nämlich die Einsicht, dass der eingeborene Antisemitus im Lande, verbunden mit der Gier nach fremdem Eigentum, sowie der Gleichgültigkeit fast aller Polen zu den Millionenfachen Morden an Juden, den Holocaust überhaupt erst möglich gemacht hat. Gewöhnliche Polen wussten sehr gut dass Juden im Lande ermordet wurden, aber sie haben nicht einmal die Finger erhoben um irgendetwas zu stoppen" - unterstrich Gross. Hierbei bezichtigt er sogar die katholische Kirche Polens, wegen Schweigens und antisemitistischer Hetze, der Mittäterschaft. Auch aus dem heutigen Polen scheint der Antisemitismus nicht gewichen zu sein, sondern eher immer noch weit verbreitet, was man ja durch Sprüche von Politikern aus der letztlich abgewählten Kaczynski Regierung und Hetzschriften von Kirchenvertretern unschwer erkennen kann. Im letzten Jahr wurde sogar ein Anschlag auf den New Yorker Rabbi Michael Schudrich in Warschau verübt, die polnische Regierung sprach von einer "Provokation" um den Polen Antisemitismus zu unterstellen. Doch unzweifelhaft ist auch dass Tausende von Polen während des Holocaustes jüdische Nachbarn versteckt hielten und damit vor dem sicheren Tod retteten, womit sich zumindest beweisen liesse, dass nicht alle Polen Antisemiten waren bzw. sind.
Polen muss alsbald die eigene Geschichte unbedingt selbst aufarbeiten, zu den Geschehnissen um Holocaust und Vertreibungen stehen und den Antisemitismus aus dem Lande werfen, sonst kehrt für sie in dieser Frage niemals Ruhe ein und für viele wird der "Pole" immer nur Partner "unter Vorbehalt" sein. Das auch die eigene Vergangenheit nicht immer rühmlich war, dürfte den meisten Polen bekannt sein, obwohl sich selten eine offizielle Stelle für Verbrechen an Minderheiten bekannt hat und eher die Opfer zum Sündenbock machte. Einzig Polens Ex- Präsident Aleksander Kwasniewski hat sich offiziell für das Pogrom von Jedwabne beim jüdischen Volk entschuldigt, wofür er allerdings noch heute wegen seiner "Großzügigkeit" beschimpft wird. Auch was die Leiden von deutschen Opfern, die kaum am Krieg teilgenommen haben dürften besteht weiterhin Klärungsbedarf und Anerkennung. Schon im Jahre 1939, als man noch nicht einmal einen deutschen Soldaten in Bromberg und anderen Orten der Umgebung gesehen hatte, töteten polnische Nachbarn Mitglieder der deutschen Minderheit, teilweise auf bestialische Art und Weise und machten sich über deren Hab und Gut her, welches sich teilweise noch heute in polnischem Besitz befindet. Doch es wird gelogen, verschleiert und abgestritten das die Wände wackeln. Die Wahrheit muss jetzt auf den Tisch, nicht um die Schuld der Nazis um auch nur einen Grad zu schmälern, sondern für den Beweis der Existenz des eigenen Gewissens.
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