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Vertriebene - Triumph Polens nur von kurzer Dauer? |
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Samstag, 11. Oktober 2008 |
Nachdem in Polen die Niederlage deutscher Vertriebener, vertreten durch die sog. Preussische Treuhand, vor dem Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte überwiegend wie ein historischer Sieg gegen Gesamtdeutschland gefeiert wurde, zieht jetzt
teilweise die Ernüchterung wieder in die erhitzten Köpfe ein und man fragt sich ob denn mit dieser Straßburger Entscheidung
tatsächlich nun alle Forderungen an Polen durch deutsche Vertriebenopfer vom Tisch seien. So warnte schon z.B. der bekannte
rechte Politiker Artur Zawisza dringendst vor übertriebener Euphorie und schrieb in seinem Blog, dass dieser polnische
Triumph am Menschenrechtsgerichtshof nur von kurzer Dauer sein könnte. "Jemand muß für eventuelles Unrecht der Vergangenheit
die Verantwortung tragen, dazu zählen auch Vermögensangelegenheiten. Straßburg hat generell in seiner Begründung zur
Nichtzulassung der Klage ein Unrecht bei Vertreibungen und Enteignungen nicht verneint, sondern lediglich darauf hingewiesen dass der heutige polnische Staat für einen gewissen Zeitraum nach dem Kriege keine Verantwortung für die Geschehnisse in den ehemaligen deutschen Ostgebieten hatte" unterstrich Zawisza.
Der Straßburger Menschenrechtsgerichtshof hatte am Donnerstag eine Beschwerde der "preussischen Treuhand" als unzulässig
abgewiesen. In der Begründung hieß es, dass der heutige polnische Staat damals keine rechtliche oder faktische Kontrolle über
die zu Deutschland gehörenden Gebiete gehabt habe und von daher könne man das heutige Polen nicht für die Vertreibungen und
anderes Unrecht in dieser Zeit verantwortlich machen. Diese Begründung birgt allerdings Ansätze zu umfangreichen
Spekulationen und auch Möglichkeiten der Geschichtsumschreibung für Gegner und Befürworter einer bedingungslosen 100%tigen
deutsch - polnischen Versöhnung. Straßburg hat sich weit aus dem Fenster gelehnt, denn nach dieser Entscheidung fallen auch
Ansprüche vieler jüdischer Opfer, die während diesen Zeitraumes in Schlesien, Danzig und anderen Regionen von polnischen
Bürgern und Beamten aus ihren Häusern vertrieben wurden oder aus Angst gingen, unter den Tisch. Um so mehr wird man nach
dieser etwas politisch gefärbten Klageabweisung nun dazu übergehen, wie teilweise schon erfolgreich praktiziert, die heutigen
Besitzer von deutschem- und jüdischem Eigentum vor örtlichen Gerichten zu verklagen. Diese widerum werden in ihrer
Verteidigung auf einen redlichen Erwerb von Staat, Gemeinde oder dem Nachbarn hinweisen, womit das ganze Drama von Vorne
beginnt.
An der Unabhängigkeit des Straßburger Gerichtshofes für Menschenrechte kommen nach der Entscheidung in Sachen der
Vertriebenen europaweit nun schon einige Zweifel auf, wobei der Gründer und Betreiber der sog. "Preussischen Treuhand" Rudi
Pawelka plötzlich in ganz anderem Licht erscheint. Wenn man ihm noch vor Wochen vorgeworfen hatte dass sein Tun in dieser
Sache lediglich dem Gelde diene, so ist seit Donnerstag hiervon kaum noch die Rede. Die zweifelhafte Entscheidung aus
Straßburg hat ihm nun neue Sympathisanten aus ungeahnten Richtungen gebracht, denn jetzt geht es nicht mehr ums Geld sondern
um den Kampf gegen vermeintliches Unrecht. Zu offensichtlich waren für viele Beobachter auch die freudigen Kommentare der
deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu der Straßburger Entscheidung. Hatte sie doch als ehemalige DDR Bürgerin schon
hautnah mitbekommen wie die "Wessis" im Osten wegen ihren verlorenen Immobilien klagten um den DDR Bürgern ihre
"Errungenschaften" zu stehlen. Merkel begründete ihre Haltung allerdings mit der Notwendigkeit der Forcierung einer deutsch-
polnischen Versöhnung, ohne dabei die tatsächlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen, denn seit der Kaczynski Abwahl in Polen
war kaum noch die Rede von dem Thema der Ansprüche Vertriebener.
Viele Polen sind heute aufgeklärter als früher und sehen auch die polnische "Rolle" während und nach dem zweiten Weltkrieg
inzwischen differenzierter. Den meisten ist klar dass begangenes Unrecht in jener Zeit geheilt werden muss, wofür in erster
Linie der Staat zu Sorgen hat, um einen Tsunami von Vertriebenen und Juden von den polnischen Gerichten fernzuhalten. Doch
viele Politiker und Medien haben die Strassburger Entscheidung wie nach der Schlacht bei Grunwald, als eine weiteren
historischen Sieg gegen Deutschland gefeiert. Schlimme Headlines entstanden in diesem Zusammenhang die wir hier nicht auch
noch publizieren wollen. Als Beispiel möchten wir Sie allerdings mit einem Satz des Abgeordneten Jacek Kurski der Kaczynski
Partei (PIS) im polnischen Radio auf die Qualität dieser Kommentare aufmerksam machen: "Die Deutschen sollen alle ihre
Ansprüche an Hitler und Stalin stellen". Einen Lustschrei hörte man darauf von der Präsidentin der sog. "Polnischen Treuhand"
(Gegenstück zur "Preussischen Treuhand") Dorota Arciszewska-Mielewczyk, die vor Freude nicht einmal merkte dass sie durch
die Straßburger Entscheidung wahrscheinlich ihre Arbeit verliert. Sie können diesen Artikel in unserem Forum diskutieren. Top Artikel
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