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WARSCHAU - Wir wissen schon dass Polen in vielen Bereichen der Entwicklung Europas Geschichte geschrieben hat. Dies allerdings nicht selten und einzig zum Nachteil des kleinen Mannes, der immerhin 90 % der Bevölkerung stellt. Für die dickste Schicht des Landes hat sich so auch Jahrzehnte nach dem Ende des Kommunismus nichts geändert. Das man heute als polnischer Arbeiter auch nach Mallorca oder Köln ohne Genehmigung reisen darf, kann man denn so mangels hierzu notwendigen Finanzmitteln wohl kaum als Verbesserung der Lebensumstände von Werktätigen und deren Angehörigen im Rentenalter bezeichnen. Diese haben derweil auch nicht laufend mehr sondern immer weniger Geld zum Überleben zur Verfügung. Die Verarmung dieser Bevölkerungsschicht seit der Wahl der Tusk Regierung steigt denn auch analog zu immer höheren Kosten und Preisen bei stagnierenden Löhnen. Die längst durch Waffenkäufe und anderen Formen der Entnahme geleerten Rentenkassen, lassen bereits seit langem vermuten, dass es schon bald für den kleinen Mann nicht einmal mehr Altersbezüge geben wird. Und genau daran arbeitet man in Warschau derzeit. Der Plan und die Erklärung hierzu sind simple: "Wenn Herr Dariusz Nowak mit 67 Jahren erstmals Rente zusteht, der aber schon im Alter von 65 jahren stirbt, bedeutet dies für uns eine Nullnummer im Kostenbereich". Genannt wird diese "Milchmädchen- Rechnung" die auch in anderen EU- Staaten derzeit aufgestellt wird "Entwurf einer Rentenreform". Die Lebenserwartung polnischer Männer liegt aktuell angeblich bei 70 Jahren. Die von hart arbeitenden Menschen im Lande natürlich deutlich darunter. Diese werden oft nicht einmal 60 Jahre alt und kommen somit niemals zu ihren beim Staate "ersparten" Rücklagen und den hieraus erwirtschafteten Zinsen. Damit diese Bevölkerungsgruppe der "Nullrentner" nun auch noch einige Millionen zusätzliche Mitglieder bekommt, soll über die sog. Rentenreform jetzt das Mindestalter zur Berechtigung von "staatlichen" Bezügen bei Männern und Frauen auf 67 Jahre angehoben werden.
Wir wissen schon aus den Ergebnissen etlicher eigener Umfragen unter älteren Leuten, dass die europäische Oberschicht mit dem angeblich zunehmendem Alter der Bevölkerung eine menschenverachtende Lüge in die Welt gesetzt hat. Uns ist aber auch klar, dass die Alterserwartung der Menschen nur bedingt mit Wohlstand und Armut zu tun haben. Der Hauptgrund des frühen Sterbens ist eindeutig harte Arbeit und die staatlich geförderte Bewegungslosigkeit älterer Menschen nach dem Eintritt ins Rentenalter. Es ist kein Geheimnis dass Fernbedienungen und Aufzüge von Mitgliedern der Oberschicht erfunden und produziert werden. Für junge Leute ist dies kein Problem, da sie meist eh viel Bewegung haben, doch alte Leute müssen sich viel bewegen, sonst leben sie eben nicht mehr lange.
Der Unterschied in der Lebenserwartung männlicher polnischer Arbeiter und solchen in Deutschland oder der Schweiz macht nach unterschiedlichen Tabellen bis zu 15 Jahre aus. Diese Tatsache hatte in der Bundesrepublik aber schon einen Helmut Kohl angeregt, hier doch fehlende "Nullrentner" durch die Einführung einer Besteuerung von Rentenzahlungen sowie privaten Vorsorgen zu kompensieren. Der schlimmste fortgesetzte Raub seit der Einführung von Einkommensteuern, der schon in wenigen Jahren dazu führen wird, dass deutsche Rentner dann 100 % ihrer Bezüge versteuern müssen. Aber egal ob Deutschland oder Polen. Die Einführung einer staatlichen Rente auch für Arbeiter erst mit dem 67. Lebenjahr ist nach unserem Ermessen ein Verbrechen gegen das Volk.
In Polen protestieren derzeit so auch nicht nur die Gegner des Internet-Zensur-Abkommens ACTA sondern auch die Renter gegen die Tusk Regierung, welche unter normalen Umständen eigentlich schon garnicht mehr regieren könnte. Eine Million Unterschriften gegen die unmenschliche Rentenreform und 3 Millionen gegen ACTA liegen bereits vor, doch können wir Ihnen schon jetzt versichern, dass beide dem polnischen Parlament vorliegenden Beschlüsse wenn nicht heute dann morgen ohne Probleme das hohe Haus passieren werden. Dass Donald Tusk überhaupt noch was zu sagen hat, ist natürlich vor allen Dingen der Opposition zu verdanken, deren wichtigste Köpfe allerdings mit der Familie des Premiers verwandt sind.
"Polskaweb" wird sich irgendwie dafür stark machen, dass das Rentenalter komplett von Berufen bzw. der physischen oder psychischen Schwere der Arbeit der Menschen abhängig gemacht wird. Es kann nicht sein, dass faule Beamte und Politiker nicht nur viel höhere Bezüge bekommen als einer der sein Leben lang auch für diese geschaufelt hat, sondern dann auch noch Jahre früher in die Altersruhe gehen dürfen. Wenn Beamte z.B. bis zum 60. Lebensjahr arbeiten um in den Genuss von Pensionen bekommen, sollte man doch einen Bauarbeiter, Gleisbauer oder Bergmann schon mit 52-55 Jahren damit zufrieden stellen. Alles andere sind himmelschreiende Ungerechtigkeiten.
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Geschrieben von: Dr. Rieger () am 10-02-2012 19:59