Krakau - Alarmierende Nachrichten in Polen der letzten Wochen zu schnell steigende Lebensmittelpreise hat angeblich viele Verbraucher im Lande zu wahren Hamsterkäufen verleitet. Dieses Gerücht haben möglicherweise Discounter nun zum Anlaß genommen, verschiedene Produkte, an welchen man nur wenig verdient, ab sofort zu limitieren. Hierunter befindet sich auch Grundnahrungsmittel wie Mehl und Zucker. Bei Auchan in Krakau, einem der größten Supermärkte in Polen, kann man zum Beispiel Zucker nur noch als lose Schüttung bis zu einer Menge von maximal 5 Kilogramm erwerben. Etwas besser bei Carrefour (20 kg) und Tesco (30 kg). Medien hatten kürzlich nicht nur vor einer Verdopplung der Zuckerpreise, sondern auch der von Brot gewarnt. Gerade ältere Leute, die sich noch zu gut an kommunistische Zeiten erinnerten, werden so sicherlich schon aus Angst ihre Einkaufsläden gestürmt haben. Eine Begrenzung von Grundnahrungsmitteln in Polen gab es zuletzt in Volksrepublikanischen Zeiten unter Jaruzelski.
Der wahre Grund der Rationierung von Grundnahrungsmitteln dürfte allerdings ein anderer sein, als sog. Hamsterkäufe von Verbrauchern. Die bürgerfeindliche Politik in Warschau ist auch hierfür wohl verantwortlich. Das "Wirtschaftswunder" in Polen kann man ja nicht auf ewig mit leeren Kassen und steigenden Staatsschulden verkaufen. Irgendwann will doch mal jemand das Geld sehen. So ist Tusk und Co. wohl eingefallen alles das was nur möglich ist im Ausland zu verkaufen, wo zu den meisten Produkten höhere Preise erzielt werden können. Offizielle Zahlen besagen zwar, was den Export von Zucker betrifft, genau das Gegenteil, doch wer glaubt schon polnischen Statistiken. Im Jahre 2008 hatte Polen demnach noch 403,7 Tausend Tonnen (164.200.000 €) exportiert. In 2009 waren es angeblich nur noch 184,2 Tausend Tonnen im Werte von knapp 100 Millionen Euro. Ein sinkender Export bei gleichbleibender Produktionsmenge dürfte also eigentlich nicht zu Rationierungen im Lande führen.
Umso unverschämter klingt es, wenn jetzt aus Warschau zu hören ist, dass die Zucker- Produktion in Polen nicht mehr die heimischen Bedürfnisse decke und man deshalb bereits Zucker aus Deutschland importieren müsse, was im Umkehrschluss höhere Preise nach sich ziehe. Gemäß EU-Vorschriften darf Polen nicht mehr als eine Million 450 Tausend Tonnen Zucker produzieren. Der sogenannte "Nicht-Quotenzucker" kann auf die nächste Saison übertragen, bzw. außerhalb der Europäischen Union verkauft werden. Die EU-Zuckermarktordnung ist streng geregelt - Hersteller können auf dem Inlandsmarkt nur das verkaufen was Brüssel vorgibt. Auch in 2010 hatte Polen hier Grenzen der Produktion überschritten und fast 200 000 Tonnen Zucker ins Ausland verkauft. Wieviel man tatsächlich absetzte wissen wir nicht, ahnen wir aber, denn nun wird rationiert.
Welche Rolle deutsche Unternehmen in Polen, wie Pfeiffer & Langen, Nord- und Südzucker bei den ganzen Ungereimtheiten der Versorgung und Preispolitik spielen, wissen wir ebenso nicht. Sie dominieren allerdings gemeinsam durch Mehrheit den polnischen Zucker-Markt. Im Vergleich mit allen anderen EU-Staaten liegt Polen im Verbrauch von Zucker angeblich hinter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien auf dem fünften Platz. Der in Polen produzierte Zucker ist in erster Linie für den Verbrauch in Haushalten und der Lebensmittelindustrie gedacht. Hierzu gehören u.a. die Herstellung von Süßwaren, Gebäck, Süßigkeiten, Softdrinks, Milchprodukten und Wein. In kleinerem Umfange brauchen aber auch die chemische Industrie sowie die Wirtschaft Zucker.
Herr Barroso und Herr Tusk sollten uns doch einmal näher über Lebensmittelrationierungen in Polen aufklären. Was läuft hier falsch und wer ist verantwortlich für stark steigende Preise und dummfreche Regelungen.
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Lausitzer Rundschau bestätigt
Geschrieben von: U. Fein () am 17-03-2011 07:55