In der britischen Presse tobt zur Zeit eine Schlacht über die polnisch jüdischen Verhältnisse vor, während und nach dem II Weltkrieg. Mit ähnlicher Vehemenz wird schon seit Monaten in US Medien über die Beteiligung Polens am Holocaust diskutiert. Der Grund für die antipolnischen Tendenzen liegt darin dass es Polen, auch nach allen Versprechen dreier seiner Präsidenten, bis heute nicht geschafft hat den Juden ihr in Polen beschlagnahmtes oder zurückgelassenes Eigentum zu restituieren, entschädigen oder zumindest hierfür eine Grundlage in einem bereits vor 14 Jahren zugesagten Gesetz zu schaffen. Die angesehene britische Tageszeitung "The Times" griff am Wochenende sogar mit unglaublich harten Worten Polen an und behauptet, dass Polen Juden zum Zeitvertreib ermordet hätten. Der Publizist Giles Coren schreibt dass Polen das vollkommene Land für Konzentrationslager war, da Polen Judenfeinde waren und die bekannte britische Human- Wissenschaftlerin Baronin Ruth Deetch fordert Warschau ultimativ auf endlich die Juden für den Verlust ihrer Habe in Polen zu entschädigen.
Der bekannte britische Journalist und Buchautor Giles Coren beschreibt in Zusammenhang mit der großen polnischen Einwanderwelle nach Großbritannien seine hierbei entstandenen gemischten Gefühle. Er schreibt in der Times, dass seine Angehörigen eben vor diesen Polen fliehen mussten, die heute die britischen Inseln überrennen. Man habe fliehen müssen, da Polen zum Zeitvertreib Juden töteten. "Zur allgemeinen Belustigung hat man sogar Juden an Ostern in der Synagoge eingeschlossen und diese dann in Brand gesteckt" - schreibt Coren und fügt hinzu, dass Polen nie über seinen Antisemitismus Abrechnung gehalten hat, weder vor sich, noch vor den Juden. Die polnische Botschafterin in Großbritannien Barbara Tuge-Erecińska, hat am Samstag in einer Protestnote an die Londoner Times Einspruch gegen die nach ihrer Meinung ungerechten, unwahren und unredlichen Behauptungen über den polnischen Antisemitismus in der Tageszeitung eingelegt. In Antwort auf den Einspruch gegen seinen Artikel schlug Giles Coren Polens Botschafterin vor ihr vom Pogrom von Kielce zu erzählen bei dem auch noch nach Kriegsende Juden durch Polen ermordert worden seien.
Anschuldigen aus den USA und Großbritannien zum polnischen Atisemitismus und Beteiligungen am Holocaust sind übrigens keine Noven. Schon in der Zeit des kalten Krieges wurden solche Aspekte in den Medien und politischen Parteien heftig diskutiert. Kaum oder garnicht wurde darüber in deutschen oder gar polnischen Medien berichtet. In Deutschland konnte man in diesen Zeiten Gefahr laufen als Relativist der alleinigen Schuld der Deutschen am Holocaust vor den Kadi gezerrt zu werden. In Polen gab es in kommunistischen Zeiten wie auch heute keine heimischen Täter, sondern nur Opfer. Schon früher war der Vorwurf, "Die Nazis haben bewusst ihre Konzentrationslager in Polen und anderen Länder Osteuropas untergebracht und nicht im Westen, weil ihnen die Abneigung der Ortsbevölkerung zu jüdischen Mitbewohnern bewusst war", Argument vieler jüdischer Organsiationen und Pressemeldungen für einen sehr starken polnischen Antisemitismus. Vertreter des katholischen Glaubens in Polen haben unlängst "die neueren jüdischen Attacken" gegen das polnische Volk in Zusammenhang mit "einer angeborenen jüdischen Raffgier" verglichen und auf diese unglaublich unverschämte Art und Weise versucht darzustellen, dass Juden mit aktuellen Anschuldigungen zu angeblichem polnischem Antisemitismus ihre "angeblichen" finanziellen Forderungen gegen Polen durchsetzen wollen.
In den USA brachte eine Fernsehserie des NBC schon im Jahre 2001 viele Menschen gegen Polen auf. Star- Regisseur Jon Avnet hatte das TV Drama "Uprising" (Aufstand) geschaffen und den Heldenhaften Aufstand jüdischer Bewohner des Warschauer Gettos filmisch umgesetzt. Deutlich zeigte Avnet in seinem Film mit dem Finger auf Polen und inszenierte eine schmerzvolle Anklage gegen seine Bewohner angesichts ihrer Gleichgültigkeit zum Holocaust. Was Polen als besonders beleidigend in diesem Film empfanden, war der deutliche Verweis darauf, dass der Warschauer Getto Aufstand länger dauerte als der Aufstand der polnischen Heimat Armee in dieser Stadt und dass die Getto Kämpfer auch länger der deutschen Armee standhielten als ganz Polen. Polnischstämmige Prominente in den USA und Kanada bezeichneten "Uprising" damals umgehend als ein Produkt des "Holocaust Business" womit man Polen diffamieren und in die Knie zwingen wolle. Doch seit diesem Zeitpunkt gibt es eigentlich keine Ruhe mehr, sondern immer mehr Anschuldigen und Klagen gegen Polen, die nun auch auf politischer Ebene grassieren, denn die so hochgelobte polnisch-amerikanische Freundschaft bröckelt derzeit ernorm.
Doch waren mit Sicherheit nicht alle Polen Antisemiten und es gab unzählige Menschen die jüdischen Verfolgten halfen und damit ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten. Ein bekanntes Beispiel war Irena Sendlerowa, die mit 98 Jahren im Mai in Warschau verstarb. Sie hatte über 2500 jüdischen Kindern das Leben gerettet. In der vergangen Woche hat der amerikanische Kongress diesen Engel aus Polen geehrt. Trotzdem haben jüdische Opferfamilien- und Verbände ein Recht darauf auch die polnischen Sünden während und nach dem II Weltkrieg anzuprangern, ebenso wie sie ein Recht darauf haben den polnischen Präsidenten immer wieder mit scharfen Worten daran zu erinnern, dass Polen noch alte Rechnungen zu begleichen hat, die man schon vor Jahren begleichen wollte bzw. eine Grundlage in Form eines Gesetzes hierzu versprach. Doch in Warschau rührt sich nichts. Es wird viel geredet und wenig getan, worunter nicht nur immer älter werdende Juden sondern auch Polen und Deutsche leiden müssen, an deren Hab und Gut man sich in Nachkriegszeiten bereichert hatte, weil diese das Land verlassen hatten oder auch vertrieben wurden. Für die moralische Unbeweglichkeit gegenüber diesen Menschen ist aktuell der polnische Präsident Lech Kaczynski verantwortlich.
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