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US- Medien verspotten polnische Regierung

Veröffentlicht in : Nachrichten, Politik




Sikorski unterstützt PolanskiNew York - Die Verhaftung des weltbekannten Filmregisseurs Roman Polanski in der Schweiz hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt, die kein Ende zu nehmen scheinen, denn in der Kritik an den Umständen der Festnahme, wofür neben der Schweiz die USA verantwortlich sind, wird jetzt heftig und in ungewöhnlicher Schärfe zurückgewiesen. Die New Yorker Zeitung "Wall Street Journal" verspottete am Sonntag gar polnische Minister, unter ihnen Aussenminister Radoslaw Sikorski, die sich für eine Freilassung Polanskis eingesetzt hatten. Die Zeitung bewertete den Einsatz der polnischen Regierung für den Regisseur u.a. als einen Ausdruck von Heuchelei, angesichts des gleichzeitigen Beschlusses des Sejm zur obligatorischen Kastration von Pädophilen. Vor allen Dingen Kultusminister Bogdan Zdrojewski und Sikorski hatten sich schon unmittelbar nach der Festnahme des Filmregisseurs am 26. September direkt bei Mitgliedern der Regierungen in Bern und Washington für dessen sofortige Entlassung ausgesprochen.

Wie die Zeitung "Wall Street Journal" (WSJ) in ihrer scharfen Kritik an Ministern der polnischen Regierung ausführt, sei die Heuchelei der Regierungspolitiker in Warschau, welche an Bestimmungen für die Kastration von Pädophilen feile, kaum noch zu überbieten, wenn sie sich nach solch einer Tat wie dem Sex- Verbrechen Polanskis an einer 13-jährigen, gleichzeitig für seine Freilassung aus der Haft einsetze. "Polanski erhält viel Unterstützung von seinen Landsleuten. Im ironischen Lauf der Dinge, war den polnischen Beamten der Bürgerplattform offensichtlich aber entgangen, dass sie nur einen Tag nach der Verabschiedung von einem Gesetz über die obligatorische Kastration von Pädophilen, also wenn das Opfer unter 15 Jahre alt war, gegen die Verhaftung von Roman Polanski protestiert hatten" - schrieb der Kolumnist Anthony Paletta im "WSJ".

Radoslaw Sikorski hatte zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Bernard Kouchner tatsächlich US Aussenministerin Hillary Clinton wegen der Verhaftung Polanskis zur Intervention aufgefordert. Clinton hatte allerdings zu verstehen gegeben, dass sie nicht eingreifen wird. Die US- Presse hat bereits ganze eine Reihe von kritischen Artikeln zur Haltung der polnischen Regierung und Frankreich in deren Verteidigung des Regisseures publiziert und beschuldigt Warschau und Paris sein Verbrechen zu verharmlosen. Roman Polanski wurde in der Schweiz auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Los Angeles fesgenommen, die ihn seit Jahrzehnten für die Vergewaltigung einer 13-jährigen verfolgte.

Polanski war im Jahre 1977 aus den USA in sein Heimatland Frankreich geflüchtet. Hier war er am 8. August 1933 als "Rajmund Roman Liebling" in Paris als Sohn eines polnischen Juden und einer russischen Mutter geboren worden, was ihn dann schnell in den Besitz eines französischen Passes brachte, der ihn vor der Verfolgung durch die US- Justiz erst einmal über 30 Jahre lang schützen sollte. Seit seiner Geburt war er auch Kraft Gesetzes automatisch polnischer Staatsbürger, da sein Vater aus Polen stammte. 1936 zog er mit seiner Familie, wegen des wachsenden Antisemitismus "in Frankreich" in die polnische Kulturmetropole Krakau, wo er 1939 Hitlers Einmarsch erlebte. Nur mit unglaublichem Glück überlebte der junge Polanski die grausame Zeit danach und emigrierte später nach ersten Regie- Erfolgen in Polen die USA.

Der Inhalt der Akte Polanski ist in vielerlei Hinsicht umstritten, doch seine Kritiker suchen sich immer jeweils das heraus, was ihnen gerade mal so in eine jeweilige Agitation passt. Unumstritten ist allerdings, dass er tatsächlich Sex mit einer 13-jährigen damals hatte und somit nach den in den USA geltenden Gesetzen hierfür auch bestraft werden sollte. Trotzdem muss man allerdings auch zu seiner Verteidigung bedenken, was der Mann in seinem Leben und vor allen Dingen Kindheit so alles durchgemacht hatte. Er war im Zusammenhang mit seiner Tat bereits in Untersuchungshaft und in der Psychiatrie. Sein Opfer hatte er mit einer Summe von über 600 000 Dollar entschädigt. "Als Opfer dieses Verbrechens bin ich der Meinung, dass Roman Polanski schon genug bestraft wurde“ - hatte Samantha Geimer später gesagt. Ein Psychiater beschrieb Polanskis Verhalten als weder aggressiv noch gewalttätig. Die damals bestellten Gutachter widersprachen dem Bild einer typischen Vergewaltigungsszene im Zusammenseins von Täter und Opfer.

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Das Einsitzen des weltberühmten Regisseur in einem Schweizer Gefängnis scheint hintergründig wohl mehr ein Politikum denn ein normale Justizgeschichte, denn die Verhaftung Polanskis kam in diesem Lande viele Jahre zu spät. Politiker nutzten die Festnahme des berühmten Regisseurs zur Propaganda aus, wozu auch polnische Minister gehörten, die offensichtlich in diesem, wie auch in vielen anderen Beispielen, mit zweierlei Maß messen. Es ist traurigerweise nicht zu übersehen, dass es in Polen ein gewaltiger Unterschied ist, ob man als Pole eine Straftat in der Heimat oder im Ausland begangen hatte. Gleichwohl scheint dies auch für Straftaten im Inland an Nichtpolen zu gelten, was die unterschiedlichen Verfahrensweisen bei den Ermittlungen beweisen. Politische Einflussnahmen in die Bereiche unabhängiger Justizen darf es in einem demokratischen Rechtsstaat aber eigentlich nicht geben. Doch so etwas ficht in Polen, ausser sehr weniger ehrlicher Medien, kaum jemand an. Das "zweierlei Maß" könnte denn auch alsbald bei Phädophilen mit kleinem Geldbeutel durch Kastration Anwendung finden. Auch Kleriker dürften von solchen Maßnahmen befreit sein.

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Montag, 5. Oktober 2009
 

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