WARSCHAU - Erschreckende Zahlen, aber auch Erfolgsberichte lieferte am Donnerstag das zentrale Ermittlungsbüro der polnischen Polizei (CBS), das für den Kampf gegen das organisierte Verbrechen im Lande zuständig ist. Demnach hat die Zahl organisierter- , krimineller Banden im vergangenen Jahr in Polen um 14 % zugenommen und belaufe sich nun auf über 500 Einheiten mit unterschiedlichen Mitgliedszahlen und Spezialitäten, die verstärkt im In- und Ausland für Unruhe sorgen. Insgesamt war das CBS im Jahre 2009 schon sehr erfolgreich und zerschlug nicht weniger als 150 Banden, nahm 3460 Verdächtige fest und leistete darüberhinaus umfangreiche Amtshilfe und wertvolle Zuarbeit für Kollegen in Deutschland, Grobritannien, Holland, Österreich, Schweden, Spanien und der Schweiz. Doch man arbeitete am Limit und konnte die Zunahme organisierter Kriminalität nicht stoppen.
Die Entwicklung der kriminellen Organisationen in Polen wird vom CBS laufend analysiert um den Tätern möglichst keinen großen Vorsprung in Verfahrensweisen und Know How zu überlassen. So ordnete man 107 dieser Banden den organisierten Diebstahl von KFZ und Angriffen auf LKW zu. 167 Gruppen beschäftigen sich mit dem Drogenhandel und 164 widmen sich den verschiedensten Formen der Wirtschaftskriminalität. Weitere kriminelle Vereinigungen haben es mit einer ganzen Palette anderer Formen der organisierten Kriminalität zu tun.
Zugenommen hatte im vergangenen Jahr vor allen Dingen die Autoschieberei, Wirtschaftskriminalität, illegales Glücksspiel und Schutzgelderpressung, aber auch die illegale Produktion von Zigaretten, Alkohol und synthetischen Drogen sowie der Handel mit diesen Erzeugnissen gehören inzwischen zu den wichtigsten Einnahmequellen krimineller polnischer Gruppen. Im Zusammenhang mit der Herstellung von Amphetamin ist Polen bereits Weltmacht. Auch beim Mehrwertsteuerbetrug, mittels fiktiver Warenbewegungen und erfundener Firmen zwischen Polen und Deutschland, sind die polnischen Gangs weit vor der ausländischen Konkurrenz.
Nach Angaben des CBS sind die Verbrecher heute noch viel gefährlicher als in den 90er Jahren. Sie waren zwar damals auch schon zahlreich, aber lange nicht so gut organisiert. Im vergangenen Jahr hat die Behörde über eine Tonne Drogen beschlagnahmt; Kokain, Heroin, Marihuana, Cannabis und Amphetamin. Die Gewinne aus den schmutzigen Geschäften legen die organisierten Banden im In- und Ausland an. Sie Investieren in Immobilien und Wertpapieren, kaufen aber auch Luxus-Autos, Yachten, Kunst und sogar Flugzeuge. Sie verfügen über eine große Anzahl von Helfern im Ausland, die sich oft aus lokalen Banden polnischen Ursprungs zusammensetzen.
Die organisierten Kriminellen sind überwiegend grenzüberschreitend tätig. Sie haben aber nichts mit den zahlreichen Einzeltätern zu tun, die mal für ein KFZ oder ein paar Flacons Parfume nach Cottbus, Zittau oder Berlin fahren. Nein, die agieren europaweit im großen Stile. Aber das kann Ihnen auch jeder Beamte der nächsten Polizeidienststelle erzählen, wenn er denn darf.
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