Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk kündigte an, dass im Juni in der alten Hansestadt Danzig ein großer Festakt zum 20-jährigen Jubiläum der ersten freien Wahlen im Ostblock stattfinden wird. Hierzu seien zahlreiche Staatsoberhäupter und Regierungsschefs aus der ganzen Welt bereits eingeladen worden. Neben Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, die bereits ihr Kommen zugesagt haben, sei auch der frisch- gewählte neue US Präsident Barack Obama eingeladen worden. Polnische Diplomaten bestätigen dass es hierzu inoffizielle Gespräche mit dem Büro Obamas gebe, verweisen jedoch darauf, dass der neue US Präsident noch nicht vereidigt sei und deshalb zu seinen künftigen Reiseplänen noch keine Stellung nehme. Der Staatsakt in Danzig wird voraussichtlich am 4. Juni stattfinden, denn an diesem Tage im Jahre 1989 fanden die ersten teilweise freien Wahlen in Polen statt; die Bevölkerung durfte 1/3 ihres Senates demokratisch wählen. Hieraus resultierte schon im September der Untergang der volkspolnischen Regierung, die durch die erste nicht-kommunistische Regierung in Osteuropa unter Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki abgelöst wurde.
Donald Tusk äußerte in diesem Zusammenhang die Hoffnung, dass diese Feierlichkeiten in Danzig zum Jahrestag der ersten freien Ostblock-Wahlen auch der Startschuss für ähnliche Veranstaltungen in ganz Europa sein werde. "Wir werden gemeinsam mit anderen Staatsoberhäuptern und Politikern anderer demokratischer Länder dieser Welt in Danzig den Beginn gewaltiger Veränderungen eines bis dahin unfreien Ost-Europas feiern welche letztendlich zum Fall der Berliner Mauer im November 1989 führten" - sagte der Premier. "Der Juni Termin scheint für die Teilnahme des neuen US Präsidenten Barack Obama optimal" - sagte der Sprecher des Warschauer Aussenministeriums Piotr Paszkowski und fügte hinzu, dass am 1. September auf der Danziger Westerplatte ein weiterer großer Staatsakt zum 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs stattfinden wird. Allerdings sei die Teilnahme von Obama hierbei weniger wahrscheinlich, weil bereits kurz danach, im November, auch die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Falles der Mauer in Berlin geplant seien, zu denen der kommende US Präsident mit Sicherheit reisen werde.
Barack Obama hatte erst kürzlich eine Einladung nach Polen angenommen, den Termin dazu aber völlig offen gelassen. Zwei polnische Episoden könnten aber unterdessen Obamas Besuchslaune und sogar die Beziehungen zwischen Warschau und Washington nachhaltig gestört haben, denn Aussenminister Radoslaw Sikorski der in Oxford studiert hatte und in den USA lebte soll einen üblen Scherz über den ersten schwarzen US Präsidenten gemacht haben, so behauptet dies zumindest der SLD Politiker Ryszard Czarnecki auf seinem Blog: "Hast Du gehört dass Obama Verbindungen zu Polen haben könnte ? Sein Großvater soll nämlich einen polnischen Missionar verspeist haben" - habe Sikorski gewitzelt. Ein Sprecher des polnischen Aussenministeriums gab zu dass Sikorski einen kontroversen Kommentar abgegeben habe, bestritt allerdings dass der Aussenminister die Absicht hatte Herrn Obama zu beleidigen, dessen Großvater in Kenia geboren worden war. "Herr Sikorski hat keinen rassistischen Witz erzählt. Er hatte lediglich ein Beispiel der kursierenden rassistischen Sprüche über Obama zitiert" - hiess die Rechtfertigung wortgetreu. Der Parteichef der linken SLD im Sejm Wojciech Olejniczak bezeichnete den Kannibalen Witz als "alten Hut", den er schon vom Bruder des polnischen Präsidenten, Jaroslaw Kaczynski, zweimal gehört hatte. Auch Präsident Lech Kaczynski hatte erst kürzlich in den Reihen Obamas erhebliche Unruhe verursacht, als er nämlich über seine Kanzlei wider der Wahrheit verbreiten liess, dass er in einem Telefon- Gespräch mit Obama dessen Zusage zur Weiterführung des US Abwehrschild- Programmes erhalten habe.
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