
POSEN - Als vor zwei Wochen erstmals gemeldet wurde, dass ein langersehntes Teilstück der polnischen Autobahn A2 das direkt an die deutsche Grenze führe noch in diesem Jahr fertig werde, war nicht nur die Konkurrenz des Generalunternehmers STRABAG überrascht, sondern eigentlich fast jeder den dieses Thema dringend interessierte, denn noch vor wenigen Monaten gab es auch auf dieser Strecke unzählige Probleme aus Eigentums- und vertraglichen Gründen mit den ausführenden Firmen. "Polskaweb News" hat jetzt herausbekommen warum es dann mit dem Bau plötzlich sogar noch viel schneller ging als erwartet, welches finanzielle System dahinter steckt und was die neue Strecke im Detail so alles noch verrät. Heute wird der 105 Kilometer lange Abschnitt von Nowy Tomysl bis nach Swiecko bei Frankfurt (Oder) durch den polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski (gemeinsam mit einigen deutschen grauen Köpfen wie z.B. Herrn Matthias Platzeck) eröffnet, ab morgen dürfen dann auch Sie gemütlich über diese Piste von der deutschpolnischen Grenze aus bis in die westpolnische Metropole Posen fahren. Ohne anzuhalten sogar erst einmal, da die auf der Strecke gebauten 3 Mautstellen noch nicht in Betrieb sind. Sicher, schnell, und bequem reisen Sie so vor allen Dingen entlang langweiliger Waldstreifen, die allerdings durch 3 Raststätten auch gewisse "Highlights" werden. Umgerechnet mehr als 1,5 Milliarden Euro hat Polens neue Verbindung mit dem Westen Europas gekostet, wovon aber ein erheblicher Teil als Ausgleich in den Schutz der Natur geflossen sein soll.
Autobahn aus Beton gebaut
Über 15 Millionen Euro, etwa 62 Millionen Zloty flossen zuletzt in jeden einzelnen Kilometer der polnischen A2 bis Swiecko an der deutschen Grenze. Eine riesige Summe in Polen, wofür man sich auch einen 10-stöckigen Büropalast in Breslau oder Posen kaufen könnte. Der Preis für die Autobahn war wie wir jetzt erfuhren auch noch die billigste Variante, denn man hat nicht wie üblich asphaltiert, sondern eine Betondecke gezogen, bzw. Betonplatten verlegt. Ganz deutlich ist dies an den beiden Anschlusstellen in Nowy Tomysl und Swiecko zu sehen, wo aus dunklem Strassenbelag plötzlich blendend heller Beton wird. Dies ist denn auch die Erklärung warum denn so plötzlich die Fertigstellung dieses Teilstückes der A2 erreicht werden konnte. Es geschah also kein Wunder nachdem man im vergangenen Frühjahr kaum noch Hoffnung hatte genau diese Strecke bis zur Euro 2012 fertigstellen zu können. Die Verlegung einer Betondecke nimmt nämlich nur etwa ein Viertel der Zeit in Anspruch die man zum asphaltieren braucht, da hier spezielle Untergründe nicht notwendig sind. Gleichzeitig kostet eine solche Fahrbahn denn natürlich auch viel weniger. Aber die Fahrt über eine Betondecke ist natürlich durch die heutigen Techniken nicht mehr so abenteuerlich wie z.B. noch zu DDR- Zeiten zwischen Leipzig und Berlin. Aus dem Sprung über die Platten ist längst eine angenehme Fahrt geworden. Aber Beton zu befahren kann bei schlechtem Wetter ein erhebliches Risiko bedeuten. Die Strecke muss permanent gepflegt werden, denn hier bleibt Reif, Eis und Schnee sonst bis zum nächsten Frühling liegen.
Nur eine Auf- und Abfahrt
Die Autobahn A2 führt in Wirklichkeit auch nicht ganz bis an die deutsche Grenze. Einige Kilometer vor Swiecko ist sie zuende. Aber das sieht man dann schon wenn aus hellem Untergrund dann wieder dunkler wird. Hier heisst es dann auch "Fuß vom Gas" da man sich nun auf einer Landstrasse befindet. Mit Sicherheit wird die Polizei an dieser Stelle ganzjährig mit ganzen Kartons voller Mandats- Blöcken warten. Wichtig ist auch zu wissen, dass es auf dem neuen Teilstück bisher nur eine einzige Ausfahrt gibt und diese aber nicht direkt nach Gorzow oder Stettin führt. Das hierzu vorgesehene Autobahnkreuz an der Schnellstrasse S3 bei Swiebodzin ist vor 2013 nicht fertig. Zwischen Torzym und Nowy Tomysl sind es so 60 Kilometer Autobahn ohne eine einzige Abfahrt. Auch die Raststätten auf der gesamten Verbindung werden erst im Frühjahr eröffnet, so heisst es "Tanken noch vor dem Befahren der Autobahn". Die Toiletten auf den Raststätten können Sie allerdings schon jetzt nutzen, teilte die STRABAG auf Anfrage mit. Auch heisst es, daß die Fahrt über die neue Trasse für die nächsten 6 Monate kostenlos sein soll. Die Generaldirektion für den Strassenbau spricht dagegen aber von einer Mautstelle die bald eröffnet werden soll wo der PKW-Fahrer 20 Zloty (9 Euro) abliefern muss. Insgesamt gesehen ist zwar das neueste Teilstück der A2 mangels Auf- u. Abfahrten, dem Landstrassen- Anschluss an die deutsche Autobahn und einigen Tempolimits wegen anhaltenden Arbeiten noch nicht wirklich fertig, aber dennoch bekommen zu Mitternacht eine riesige Erleichterung im West-Ost-Ost-West Verkehr präsentiert.
Finanzierung der A2 Selbstläufer
Berlin, Potsdam, Frankfurt (Oder), Poznan und Lodz sind erstmals vierspurig miteinander verbunden. Die alten, hässlichen Gebäude am deutschpolnischen Grenzübergang Swiecko, als letzte Relikte des kommunistischen Regimes, stehen allerdings immer noch im Wege. Wann die denn abgeräumt werden wird zur Zeit nicht diskutiert. Dafür aber spricht man jetzt über die Besitzer der neuen Autobahn, Investoren und EU-Mittel zur Realisierung solcher Projekte. Der Bau gerade der polnischen Autobahn A2 gehört zu den größten Infrastrukturprojekten Europas. Finanziert wurden derartige Megainvestitionen zuletzt immer häufiger durch die Implementierung von sog. PPP- Systemen die eng miteinander kooperieren. Eine Gruppe die den Bau realisiert und verwaltet, eine andere welche sich um die Finanzierung kümmert und natürliche die unersetzliche öffentliche Hand. Für den Bau der A2 fanden sich aber auch viele private namhafte Investoren, denn anders als bei Windkrafträdern lohnt sich hier tatsächlich der Einsatz auf lange Sicht. Das Projekt A2 ist so beliebt, dass die Europäische Investitionsbank sich sogar von selbst als Partnerin anbot. Eine Milliarde Euro gewährte man so problemlos alleine für den Bau des og. Teilstückes. Weitere 400 Millionen kommen aus Darlehen von 11 deutschen- und polnischen Banken, sodass der Konzessionär selbst nur noch 186 Mio. aufbringen musste, was allerdings andere private Investoren (Milliardär Jan Kulczyk: "eine deutliche Steigerung in der Effizienz") für ihn erledigten.
Jetzt brauchen Sie nur noch rauszufinden wem die Zementfabrik gehört. Dann ist alles wieder rund und macht Sinn.
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