Warschau - Der letzte jüdische Kämpfer aus dem Warschauer Ghetto, der Herzchirurg Dr. Marek Edelman, lebt nicht mehr. Er starb am Freitag Abend in der polnischen Hauptstadt im Alter von 87 Jahren. Bemerkenswert zum Todestag 2. Oktober ist, dass genau an diesem Tage vor 65 Jahren auch der Warschauer Aufstand mit der Kapitulation der polnischen Heimatarmee (AK) zuende gegangen war, an dem Edelman ebenfalls als Kämpfer teilgenommen hatte. Schon im Frühjahr 1943 kämpften Juden im Warschauer Ghetto heldenhaft aber verzweifelt gegen ihr von den Nationalsozialisten vorgesehene Schicksal, Edelman war einer ihrer Anführer. Er konnte dem Holocaust entgehen und kämpfte bis an sein Lebensende weiter; dann allerdings für die Liebe unter den Menschen, die von ihrer Natur her eigentlich bösartig seien.

Nach der Eroberung Polens hatten die Nazis Ghettos an vielen Orten des Landes zur Unterbringung von Juden eingerichtet, die hier auf engstem Raume zusammenleben und auf ihr Schicksal warten mussten. Das größte Ghetto befand sich in der Hauptstadt, wo bis zu einer halben Million jüdische Bürger zeitweise untergebracht waren. Am 19. April 1943, als der Aufstand begann, lebten dort nur noch etwa 60.000 Menschen. Am darauffolgenden 10. Mai konnte Edelmann mit einer kleinen Gruppe von Kampfgenossen durch die Kanalisation aus dem Ghetto entkommen, nachdem etwa 7000 seiner Kameraden bereits den Tod gefunden hatten. Er war der letzte Anführer der gegen die Nazis chancenlosen und schlecht bewaffneten Widerständler.
Nachdem Marek Edelmann dem Inferno im Ghetto entkommen war, schloss er sich der polnischen Heimatarmee (AK) an und kämpfte u.a. auch im August 1944 in ihren Reihen beim Warschauer Aufstand. Nach dem Krieg studierte er Medizin und brachte es in der Folgezeit bis zum Direktor des Klinikums von Lodz, wo er als Herzspezialist tätig war. In den siebziger Jahren trieb es ihn erneut in den Widerstand, dieses Mal gegen die kommunistischen Unterdrücker. Er trat in die unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc ein. Nach der Wende war er zeitweise Parlamentarier im polnischen Sejm. Als das Schlimmste was einem Menschen je widerfahren könne bezeichnete er den Hunger, worunter er selbst einmal 8 Tage lang gelitten habe. Nach seiner Meinung sei Gott nicht allgegenwärtig und habe keine großartige Bedeutung, weil er u.a. tatenlos habe zusehen können, wie im Ghetto die Menschen ermordet wurden.
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