Der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski hat am
Donnerstag in Begleitung von Bundespräsident Joseph Deiss die Stadt
Freiburg besucht. Die Universität Freiburg spielt in der Beziehung zu
Polen eine besondere Rolle.
Die Beziehung der Universität Freiburg zu Polen geht auf das Jahr
1889 zurück. Seit ihrer Gründung hat die Uni einen Lehrstuhl für
Slawistik, der erste der Schweiz und einer der ältesten Europas. Bis in
die 1960er-Jahre wurde er von polnischen Professoren eingenommen und
besass somit den Schwerpunkt Polonistik, wie Urs Altermatt, Rektor
der Universität, ausführte. Zwei polnische Akademiker waren es auch,
die den Industriebetrieb «Condensateurs» gegründet haben.
Exiluniversität für Internierte Die meisten polnischen
Professoren sind nach der Wiederanerkenung des polnischen Staates 1918
in ihre Heimat zurückgekehrt. Darunter war auch Ignacy Moscicki, der
dann von 1926 bis zur Deutschen Invasion 1939 Präsident der Republik
Polen war. Ein weiterer Meilenstein in der Beziehung zwischen
Freiburg und Polen ist die Errichtung einer Exiluniversität (1940 bis
1946) für Internierte während des Zweiten Weltkriegs.
Ein lebendes Beispiel Der 86-jährige Antoine Ciemniakowski, heute
wohnhaft in Villars-sur-Glâne, war einer der Internierten. Er hat
zwischen 1940 und 1945 in Freiburg Philosophie und Pädagogik studiert
und war - mit einer Freiburgerin als Frau - nach Polen zurückgekehrt.
20 Jahre später ist die Familie mit ihren drei Kindern nach Freiburg
zurückgekehrt. «Ein Mann hat seiner Frau zu gehorchen», schmunzelt
Antoine Ciemniakowski. Die ersten Jahre unterrichtete er in Essert bei
Le Mouret, später und bis zu seiner Pensionierung 1986 in Marly.
Der polnische Staatspräsident Aleksander
Kwasniewski legte einen Blumenstrauss nieder bei der Gedenktafel, die
an die Zeit der Exil-Universität erinnert. Noch heute studieren rund 70
Polinnen und Polen an der Uni Freiburg.
Kwasniewski würdigte die Bedeutung der Uni
Freiburg. «Die Uni hat alles, um eine bessere Welt zu gestalten:
Toleranz, Dialog, Begegnungen und eine gute Ausbildung», sagte der
Präsident. In seiner Rede an der Uni bekräftigte Kwasniewski den Wunsch
eines Beitritts der Schweiz zur EU. Niemand habe den Terror im 21.
Jahrhundert voraussehen können, aber es sei in solchen Zeiten eine
Pflicht, sich zusammenzuschliessen.
Besuch der Vibro-Meter
Am Donnerstagmorgen hatte die rund 60-köpfige
Delegation das mehrfach ausgezeichnete Sensortechnik- Unternehmen
Vibro-Meter in Villars-sur-Glâne besucht. Dieses ist vorwiegend in der
Vibrationsmessung für die Luftfahrtindustrie tätig und unterhält gute
wirtschafltliche Beziehungen zur polnischen Fluggesellschaft Lot.
Ein Besuch der Kathedrale mit einem Orgelkonzert und ein Stadtrundgang rundeten den Tag in Freiburg ab.
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