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Staatspräsident Kwasniewski zu Besuch in Freiburg E-Mail
Freitag, 17. September 2004


Der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski hat am Donnerstag in Begleitung von Bundespräsident Joseph Deiss die Stadt Freiburg besucht. Die Universität Freiburg spielt in der Beziehung zu Polen eine besondere Rolle.

Die Beziehung der Universität Freiburg zu Polen geht auf das Jahr 1889 zurück. Seit ihrer Gründung hat die Uni einen Lehrstuhl für Slawistik, der erste der Schweiz und einer der ältesten Europas. Bis in die 1960er-Jahre wurde er von polnischen Professoren eingenommen und besass somit den Schwerpunkt Polonistik, wie Urs Altermatt, Rektor der Universität, ausführte. Zwei polnische Akademiker waren es auch, die den Industriebetrieb «Condensateurs» gegründet haben.

Exiluniversität für Internierte
Die meisten polnischen Professoren sind nach der Wiederanerkenung des polnischen Staates 1918 in ihre Heimat zurückgekehrt. Darunter war auch Ignacy Moscicki, der dann von 1926 bis zur Deutschen Invasion 1939 Präsident der Republik Polen war.
Ein weiterer Meilenstein in der Beziehung zwischen Freiburg und Polen ist die Errichtung einer Exiluniversität (1940 bis 1946) für Internierte während des Zweiten Weltkriegs.

Ein lebendes Beispiel
Der 86-jährige Antoine Ciemniakowski, heute wohnhaft in Villars-sur-Glâne, war einer der Internierten. Er hat zwischen 1940 und 1945 in Freiburg Philosophie und Pädagogik studiert und war - mit einer Freiburgerin als Frau - nach Polen zurückgekehrt. 20 Jahre später ist die Familie mit ihren drei Kindern nach Freiburg zurückgekehrt. «Ein Mann hat seiner Frau zu gehorchen», schmunzelt Antoine Ciemniakowski. Die ersten Jahre unterrichtete er in Essert bei Le Mouret, später und bis zu seiner Pensionierung 1986 in Marly.

Der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski legte einen Blumenstrauss nieder bei der Gedenktafel, die an die Zeit der Exil-Universität erinnert. Noch heute studieren rund 70 Polinnen und Polen an der Uni Freiburg.
Kwasniewski würdigte die Bedeutung der Uni Freiburg. «Die Uni hat alles, um eine bessere Welt zu gestalten: Toleranz, Dialog, Begegnungen und eine gute Ausbildung», sagte der Präsident. In seiner Rede an der Uni bekräftigte Kwasniewski den Wunsch eines Beitritts der Schweiz zur EU. Niemand habe den Terror im 21. Jahrhundert voraussehen können, aber es sei in solchen Zeiten eine Pflicht, sich zusammenzuschliessen.
Besuch der Vibro-Meter
Am Donnerstagmorgen hatte die rund 60-köpfige Delegation das mehrfach ausgezeichnete Sensortechnik- Unternehmen Vibro-Meter in Villars-sur-Glâne besucht. Dieses ist vorwiegend in der Vibrationsmessung für die Luftfahrtindustrie tätig und unterhält gute wirtschafltliche Beziehungen zur polnischen Fluggesellschaft Lot.
Ein Besuch der Kathedrale mit einem Orgelkonzert und ein Stadtrundgang rundeten den Tag in Freiburg ab.

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