Insgesamt 157 Straftaten wirft die Staatsanwaltschaft dreizehn Polizisten aus der Zentralpolnischen Großstadt Lodz vor. Die Liste der Straftaten umfasst die ganze Litanei von Eigentumsdelikten. Zu den hauptsächlichen Vorwürfen zählen neben dem Plündern von Leichen, auch Unterstützung von kriminellen Vereinigungen, Korruption, Einbruchsdiebstahl, Raub, sowie Menschen- und Zigarrettenschmuggel. Die Kriminellen in Uniform waren erstmals im Herbst des vergangenen Jahres aufgefallen, als Kollegen bei einem Einbruch in ein Geschäftshaus plötzlich den Dienstältesten ihrer Wache als Einbrecher die Handschellen anlegen mussten. Nach diesem Vorfall wurde in großem Stile im Polizeibereich Lodz durch einen Untersuchungsausschuss gegen Polizisten ermittelt, da sich der Verdacht erhärtet hatte, dass Polizisten mit Verbrecherbanden aus ihren Bezirken zusammenarbeiteten. Den Angeklagten drohen nun bis zu 10 Jahren Gefängnis.
In dieser schlimmen Sache sitzen sogar 33 Personen auf der Anklagebank des Kriminalgerichtes von Lodz. Hierunter Polizisten, Sicherheitsleute und zivile Banditen. "Es ist kein Platz für Kriminelle in Uniform bei der Polizei. Diese Personen müssen sofort aus unseren Reihen. Die "Wiederherstellung" der Sicherheit in dieser Stadt ist eine meiner Prioritäten" - sagte zu dieser polizeilichen Schande der neue Polizeichef der Stadt Ryszard Wisniewski. Die Vorwürfe gegen die kriminellen Beamten lesen sich in den Anklageschriften des Staatsanwaltes Krzysztof Kopania denn auch als wenn Lodz kein Ort in der Europäischen Union wäre, sondern in Somalia läge: Sie plünderten Tote, stahlen die Wertsachen von stark Betrunkenen, sowie Unfall- und Kriminalitätsopfern. Sie kassierten Bestechungsgelder von Menschenhändlern und anderen Kriminellen. Betrunkenen Autofahrern belegte man mit Bußgeldern in beliebiger Höhe und steckte sich diese in die eigenen Taschen.
Die Lodzer Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass auf alle Angeklagten hohe Gefängnisstrafen wartet. Sie hat Beweise dass man zumindest von 117 betrunkenen Autofahrern mehr als 30 000 Zloy Bestechungsgelder genommen hatte. Weitere min. 44,5 Tausend zL sollen die "Polizisten" von Menschen- und Zigarettenschmugglern als "Schutzgeld" bezogen haben. Bei einer Intervention in einer Wohnung soll man 150 Zloty gestohlen haben, eine alte Frau beklagt den Verlust von 800 Zloty nach einem ungeladenen Besuch zweier Polizisten in ihrem Haus. Mindestens in zwei Fällen soll man Diebe mit im Ausland gestohlenen Fahrzeugen nach Zahlung von Wegezoll ungeschoren weiterfahren haben lassen. Regelmäßig soll man sich auch über die Wertsachen von Todesopfern durch Unfall oder Verbrechen hergemacht haben.
Diese dramatische Beispiele polizeilicher Unzuverlässigkeit und Kriminalität in Lodz sind leider keine Einzelfälle. Aus ganz Polen kommen regelmäßig derartige oder ähnliche Klagen. Diese beziehen sich aber nicht nur auf die Polizei, sondern auch dem Grenzschutz, Gerichte und Staatsanwaltschaften. Dennoch sieht man dass auch hin und wieder mal irgendwo etwas getan wird, auch wenn dies wie im Lodzer Fall nur nach dem Prinzip "Neue Besen fegen gut" durch einen ersetzten Polizeichef angeschoben wurde. Das Vertrauen der polnischen Bürger in ihre Beamtenschaft liegt nach wie vor im untersten Bereich der Skala und dies wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern.
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