BRESLAU - Der frühere Leiter der Warschauer Untergrund- Bahn Bohdan Z. ist überraschend durch Beamte der polnischen Anti- Korruptionsbehörde (CBA) festgenommen und nach Breslau zur staatsanwaltlichen Vernehmung gebracht worden. Behörden bestätigten inzwischen, dass der 77-jährige Bohdan Z. unter Korruptionsverdacht steht. Es soll um 500 Mio. Zloty (123 Millionen Euro), im Zusammenhang mit dem Kauf von U-Bahn-Zügen im Jahre 1998 gehen. Die Untersuchungen über Unregelmäßigkeiten bei damaligen Ausschreibungen führten direkt zu ihrem Ex- Direktor. Auf die Spur von Korruption bei der Metro ist man durch das sensationelles Geständnis eines Kapitalverbrecher gekommen, den man in Polen als "Buchhalter der Linken" kennt. Ähnlich wie nach dem Fall der Mauer in der DDR, sollen auch polnische Postkommunisten, falsche Bürgerrechtler und Ex- Stasis das Volk um Milliarden geschädigt haben. Während in Deutschland derartige Täter kaum verfolgt werden, räumt man in Polen richtig auf.
Bohdan Z. arbeitete bei der Warschauer Metro seit ihrem Bestehen. Im Jahre 1991 wurde er ihr Präsident. Im Jahre 2003 endete seine Karriere bei dem Unternehmen, da der damalige Oberbürgermeister Lech Kaczynski in ablösen liess. Die jetzige erste Bürgermeisterin der polnischen Haupstadt, Hanna Gronkiewicz-Waltz, lieferte der Staatsanwaltschaft Breslau unterdessen neue Unterlagen zu den angeblichen Unregelmäßigkeiten.
In der Niederschlesischen Metrople befindet sich der Sitz der "Unbestechlichen", einer Gruppe von Staatsanwälten, die sich speziell nur mit Korruption im großen Stile und Betrug beschäftigen. Hier wurden auch bereits über 200 Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Funktionäre zu der alles überschattenden Korruption im polnischen Fußball vernommen. Für viele der Verdächtigen endeten derartige Anhörungen in einer Zelle des Breslauer Gefängnisses.
Die polnische Regierung unter Donald Tusk scheint unübersehbar und tatsächlich das Krebsgeschwür Korruption bekämpfen zu wollen. Hierzu gibt es bereits jede Menge Beispiele und Erfolge zum Beweis. Nach den Attacken der Pharma- Industrie, während der Schweinegrippe- Panik, gegen die polnische Gesundheits- Ministerin Ewa Kopacz, die den Kauf von unerforschten Impfstoffen ablehnte, hat die Regierung nun auch zum Kampf gegen die Korruption in der Gesundheits- Branche aufgerufen. Hier hat man es zuallererst auf die Hintermänner abgesehen, die u.a. in der Schweiz und Deutschland sitzen sollen.
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