KRAKAU - "Es gibt eine Reihe von Zweifeln, ob die im Jahre 2005 in der Kathedrale von Frauenburg (Frombork) entdeckten sterblichen Überreste eines Mannes, tatsächlich dem weltberühmten Astronomen Nikolaus Kopernikus gehört haben" - heisst es im Ergebnis einer internationalen Kopernikus-Konferenz im polnischen Krakau, an welcher Archäologen, Anthropologen, Genetiker, Historiker und Genealogen teilnahmen. Zweifel gibt es offenbar vor allen Dingen am Ergebnis einer DNA-Analyse und der Rekonstruktion vom Gesicht des Astronomen anhand des ihm zugeordneten Schädels. Einige der Teilnehmer der Konferenz kritisierten gar das Untersuchungs- Teams und sprachen in diesem Zusammenhang von mangelhafter Recherche und kritischen Fehlern. Die Mitglieder dieses Teams waren erst garnicht nach Krakau gekommen, dafür aber der Bischof von Frombork.
Aus historischen Unterlagen geht hervor, dass Kopernikus in der Kathedrale von Frauenburg begraben wurde. Wo genau, konnte man zuletzt nur noch raten. Der Bischof von Fromburg beauftragte im Jahre 2004 den polnischen Archäologen Jerzy Gassowski und sein Team herauszufinden wo sich das Grab des Astronomen befinden könnte. Einige Monate später wurde man fündig. In der Nähe des Alters grub das Team insgesamt dreizehn Gräber aus. Die Überreste eines alten Mannes mit noch erhaltenem Schädel, schien von der Form her dem Aussehen Kopernikus am nächsten zu kommen. Spezialisten der polnischen Polizei gaben dem Schädel ein Gesicht, was tatsächlich viele Ähnlichkeiten mit dem aus der Malerei bekanntem Antlitz des Astronomen aufwies.
Die polizeiliche Rekonstruktion ging um die Welt: "Endlich wissen wir wie der große Kopernikus wirklich aussah" meldeten Medien wie "New York Times" oder "Herald Tribune". Eine DNA- Analyse von Haaren, aus einem Buch, welches angeblich Kopernikus lebenslang begleitet haben soll, brachte dann angeblich den sicheren Beweis: "Wir haben den großen Meister gefunden". 12 Haare hatte man in dem Buch entdeckt. Zwei hiervon erkannte man von der DNA her als identisch mit dem Erbgut des alten Mannes aus der Kathedrale von Frauenburg. Die Suche nach noch lebenden Nachkommen von Kopernikus waren vorab ergebnislos verlaufen, somit war das polnisch-schwedische Ergebnis der Analyse, der einzige Beweis, dass es sich bei dem Ausgegrabenen um Nikolaus Kopernikus handeln müsse. Die Sensation war perfekt, aber leider wohl etwas sehr verfrüht, denn nach dem Ergebnis der Krakauer Konferenz, organisiert von der Europäischen Gesellschaft für Geschichtswissenschaft, gibt es keinen sicheren Beweis, dass man tatsächlich die Überreste des Astronomen gefunden habe.
Die angeblich sterblichen Überreste von Nikolaus Kopernikus wurden am 22. Mai 2010 im Frauenburger Dom beigesetzt. Der polnische Archäologe Jerzy Gassowski, der gemeinsam mit einer schwedischen DNA-Expertin Kopernikus identifiziert haben will, nahm an den Bestattungsfeierlichkeiten teil, der Konferenz in Krakau blieb er allerdings fern. So konnte er nicht aus erster Hand erfahren, mit welchen Argumenten die Wissenschaftler der Krakauer Konferenz, die "perfekte Sensation" nachvollziehbar auseinanderpflückten. So heisst es zum Beispiel, dass das Kopernikus Buch mit den 12 Haaren, seit dessen Auffinden vor Jahrhunderten, von einer großen Zahl von interessierten Menschen durchgeblättert und auch gelesen sein worden dürfte. Das Buch sei zudem, bereits zu Lebezeiten des Astronomen, allgemein sehr beliebt und genutzt gewesen. Bei der Rekonstruktion des Gesichtes des gefundenen Schädels, fehle auch authentische Zeichen der Fraktur der Nase des Kopernikus.
Weiter heisst es, dass das polnische Team welches den Schädel untersucht hatte, mit einer typologischen Methode vorgegangen sei, die schon längst veraltet sei. Auch die bekannte Narbe auf dem Kopf Kopernikus, die man auch am Schädel von Frauenburg lokalisiert haben will, sei nichts Aussergewöhnliches, denn auch Menschen die keine Verletzungen am Schädel erlitten haben, tragen manchmal derartige Gebilde. Die größten Widersprüche lösten aber die DNA- Analysen aus. Aus einem Fragment der Mitochondrien-DNA zweier jahrhundertalter Haare und ebensoalten Überresten eines Menschen, verlässliche Kern-DNA-Muster zu erstellen, hielt man für sehr bedenklich. Aus der Sicht von Beobachtern kam auch noch die Bemerkung, dass die DNA von Schädel und Haare zwischen dem schwedischen und polnischen Team ja nicht Zug um Zug ausgetauscht wurde, sondern das schwedische Ergebnis der Analyse schon vorab bekannt war.
Der Urheber der Suche nach den Kopernikus Überresten, Bischof Jacek Jeziersk von der Kathedrale in Frauenburg, sieht im Krakauer Ergebnis überhaupt keinen Grund an der Echtheit seines "berühmten" Gastes zu zweifeln. Die Teilnehmer der Krakauer Konferenz sind sich dagegen allerdings darin einig, dass einzig durch Angehörige des Astronomen oder deren Überreste, der Schädel aus Fromburg DNA- Konform Kopernikus zugeordnet werden könnte. Auf jeden Fall dürfte sich Schweden und Polen in der Echtheit von Buch und Kopernikus- Überresten gegenseitig bestätigt haben. Aus gutem Gewissen oder nicht, bleibt erst einmal offen. Vor dem Fund eines Verwandten von Kopernikus wird sich hoffentlich noch eine weitere polnisch-schwedische Sache etwas nachvollziehbarer lösen lassen, denn immer noch wissen wir nicht, was denn tatsächlich der Grund des Auschwitz-Schild Diebstahls war.
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