Warschau - Die in allen Popularitäts- Umfragen der letzten Wochen mit Abstand führenden Kandidaten zur Präsidentenwahl Bronislaw Komorowski (PO) und Jaroslaw Kaczynski (PIS) kommen sich immer näher. Nutzniesser dieser Abstandverringerung ist ganz alleine der Bruder des in Smolensk getöteten polnischen Präsidenten, der im Moment seinem Kontrahenten gar das Fürchten lehrt. Gerade junge Polen, die sich früher eher an der Bürgerplattform (PO) von Donald Tusk orientierten, laufen nun in Scharen auf die rechte Seite hinüber. Das unglaublich seltsame und ignorante Verhalten der Regierungen Polens und Russlands um die Aufklärung der Tragödie von Smolensk, hat diesen erdbebenartigen Meinungsumschwung möglich gemacht.
Während Jaroslaw Kaczynski bei einer Dauerabstimmung auf dem Portal der auflagenstärksten polnischen Tageszeitung bereits mit Abstand die Liste der 10 Bewerber für das Präsidentenamt anführt, stimmen die letzten Ergebnisse wichtiger Meinungsforschungsinstitute hiermit noch nicht ganz überein. Wenn am kommenden Sonntag die Präsidentschaftswahlen in Polen abgehalten werden würden, könnte Bronislaw Komorowski nach früher 65 % nun nur noch mit 42,2% der Befragten Unterstützer rechnen. Für Jaroslaw Kaczynski, den früher nur 17 % unterstützten, würden dann bereits 35,9% der Befragten stimmen (65,5% Wahlbeteiligung). Der Abstand zwischen den beiden Politikern ist demnach seit dem Tode Lech Kaczynskis um ungaubliche 48 % geschrumpft. (Quelle: Meinungsforschungs- Institut "Homo Homini" für den polnischen Rundfunk am 14. Mai)
Noch zum Ende des vergangenen April zeigte eine Umfrage durch das Forschungs- Institut GfK Polonia für "Rzeczpospolita", dass nur 9 % der Befragten im Alter von 20 bis 29 Jahren, Jaroslaw Kaczynski zum Präsidenten ihres Landes wählen würden. Diese Woche sind es bereits über 21 Prozent. Ähnliche Schlüsse lassen sich aus einer internen Studie entnehmen, welche im Auftrage der Kaczynski Partei Recht und Gerechtigkeit "PiS" erstellt wurde, wobei hier die Altergruppe von 18 bis 25 Jahre befragt wurde. Junge Wähler sind bekanntlich sehr anfällig für Emotionen und Aufregung. Das derzeitige Verhalten ihrer Regierung, nicht nur im Falle der Untersuchungen zum Flugzeugabsturz von Smolensk, hat deshalb gerade viele junge Polen hochgradig enttäuscht. Kaczynski wächst so mit Recht vom "Chancenlosen" (Kommentar "Die Welt" Axel Springer Verlag), zumindest augenblicklich, zum "Übermächtigen" (Kommentar Polskaweb News) heran, der eine an ihm bisher unbekannte Selbstsicherheit und Souveränität austrahlt.
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Flugzeugabsturz in Smolensk
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Geschrieben von: Fröhlich () am 16-05-2010 08:44