Warschau (Polskaweb) - Am Sonntag wurden in Polen Kommunalwahlen abgehalten. Knapp eine Viertelmillion Kandidaten hatten sich um über 40 000 Mandate in regionalen Parlamenten, Stadt- und Gemeinderäten beworben. Pünktlich um 22 Uhr schlossen die Wahllokale im ganzen Land. Großartige Zwischenfälle bei den Abstimmungen wurden nicht gemeldet. Seit 23 Uhr liegen nun auch erste brauchbare Ergebnisse von Exit-Polls vor, wonach die Kandidaten der Bürgerplattform (PO) von Donald Tusk mit 33,8 Prozent aller abgegebenen Stimmen, klar die Führung in diesem noch nicht ausgezählten Rennen übernommen haben. Die direkte Konkurrenz der PO, die Partei Recht und Gerechtigkeit PIS konnte mit etwa 27 Prozent der Stimmen ihr Ergebnis aus 2006 (25%) leicht verbessern. An dritter Stelle finden wir wieder einmal die Postkommunisten (SLD), welche sich ebenso auf nationaler Ebene verbesserte und derzeit bei 15,8 Prozent liegt. Die in Polen mitregierende PSL bekam trotz vorangegangener schlechter Umfragewerte 13,1 Prozent. Viele der regionalen Ergebnisse kamen recht überraschend zustande. Dies gilt vor allen Dingen für satte 51 % welche die amtierende Präsidentin der polnischen Haupstadt Warschau, Hann Gronkiewicz-Waltz, überragend in ihrem Amt bestätigten.
Eine Überraschung ist aber auch die hohe Führung der Bürgerplattform, die sich nach den Exit-Polls gegenüber den Ergebnissen vor vier Jahren (27 %) um gute 5 Prozent verbesserte. Eigentlich, ebenso wie das Ergebnis von Gronkiewicz, eine Unmöglichkeit nach dem was sich die Tusk Partei in ihrer dreijährigen Regierungszeit geleistet hat. Neben Pleiten, Pech und Pannen regte sich das ganze Land in dieser Zeit regelmäßig auch über Versagen und Mysteriösitäten im Verhalten von Regierungspolitkern z.B. bei Privatisierungen oder nach dem Absturz der Präsidenten-Tupolew am 10. April bei Smolensk auf.
In den Großstädten Lodz und Krakau müssen die Präsidentschaftskandidaten wohl in eine zweite Runde am 5. Dezember. Hier holten sich wie schon in Warschau die Kandidaten der PO (nahezu sensationell) die meisten Stimmen, müssen aber in die Stichwahl, da sie nicht die erforderliche Mehrheit von über 50 % erreichen konnten. Der gleiche Fall in Posen, hier siegte erneut und trotz aller Korruptions- und Misswirtschaftsvorwürfe der amtierende Präsident Ryszard Grobelny mit 49,24 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Etwas ungewöhnlich zeigten sich auch die laufend veröffentlichten Ergebnisse über Wahlbeteiligungen, die gegen Sonntag Mittag gerade einmal bei 15 - 22 Prozent landesweit lag, um dann gegen 15 Uhr und ein weiteres Mal gegen 20 Uhr gewaltige Sprünge zu machen, wobei sich die Zahlen zuletzt bei über 50 % einpendelten. Die Polen gehen Sonntags eigentlich immer am Morgen nach dem Kirchgang oder Frühstück wählen. Mit weitergehenden Spekulationen wollen wir uns aber nicht befassen.
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