Die Sonntagsmessen der katholischen Kirchen in Polen erleben in letzten Jahren einen dramatischen Besucherschwund, der im Jahre 2008 seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, denn in der 30-jährigen Geschichte von Untersuchungen der Religiösität der Polen hatten erstmals weniger als 40 % der Katholiken sich auf den Weg zum Sonntags-Gottesdienst gemacht. Vor allen Dingen viele Pfarrer in den großen Städten sehen die Bänke ihrer Gotteshäuser, mit Ausnahme von einigen älteren Benutzern, vor gähnender Leere. Obwohl sich laut den letzten Umfragen bis zu 82 % der Polen zum katholischen Glauben bekennen, waren hiervon nur 38% im Vorjahre zum Kirchenbesuch bereit. Dies waren 6% weniger als im Jahre 2007 und bis zu 50% weniger als in den besten Zeiten unter dem polnischen Papst Johannes Paul II (Karol Wojtyla). Während die Kirche das schlechte Wetter für den Besucherschwund verantwortlich macht, sehen dies Beobachter und Medien wesentlich irdischer und machen das Ableben des polnischen Papstes sowie die zahlreichen Skandale durch Priester und ihren Vorgesetzten in den Bereichen Phädophelie und Agententätigkeiten für eine wachsende Abneigung verantwortlich.
Der alte Minusrekord im Besucherbereich der polnischen Kirchen stammt aus dem Jahre 1993. Damals waren nur 43,1 Prozent der Gläubigen noch zum Sonntagsgottesdienst gekommen. Danach hatte sich die Frequenz wieder etwas verbessert und war in 2007 auf 44% angestiegen. Gefragt um den Auslöser der Krise um die rückläufigen Zahlen von Kirchgängern in Polen sagte der Religions- Soziologe der Warschauer Universität Prof. Edward Ciupak, dass er als ernste Ursachen vor allen Dingen das Fehlen von Autoritäten als charismatische Führer erkenne. Das hervorragendste Beispiel sei hierzu der verstorbene Karol Wojtyla gewesen, dessen Rolle nun Benedikt XVI nicht spielen könne, weil er eben kein Pole sei. Auch viele Priester selbst machen den Gläubigen nicht viel Mut durch ihren verständlichen Wunsch nun auch eine Familie und Kinder haben zu wollen. In einer Umfrage zu diesem Thema im vergangenen Jahr hatten sich 68% der befragten Geistlichen für die Abschaffung des Zölibates ausgesprochen. Der wenig evolutionäre Vatikan, selbst durch diverse Skandale berührt, sieht allerdings wenig Handlungsbedarf.
In einer Umfrage des Meinungsforschungs- Institut "IMAS International" im Auftrage einiger konservativer polnischer Zeitungen bezeichneten sich 82 Prozent der Befragten als gläubig, über 90% sagten dass sie Katholiken seien. Jeder Siebente gab an tief-gläubig zu sein. 70 Prozent der Teilnehmer an dieser Umfrage ist überzeugt, dass die Stärke des polnischen Glaubens ihr Traditionscharakter ist. Noch mehr Befragte meinten dass die katholische Kirche eine der wichtigsten Rollen im Leben der Polen spiele. Die IMAS Umfrage wurde mit 1000 Teilnehmern im November 2008 durchgeführt.
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