Seine Augen funkeln, sein Mund zuckt und sein Adrenalinspiegel steigt in Erwartung auf die jeweils nächste Reaktion seiner Zuhörer auf seine schon sich im Ansatz befindende kommende antideutsche Tirade. Er ist bewusst nach Stettin gekommen, jener Stadt die vor 1945 zu Deutschland gehörte und eher zufällig und später mit Unterstützung des früheren SPD Kanzlers Willi Brandt polnisch wurde. Die Stadt liegt nur etwa eineinhalb Autostunden von der deutschen Hauptstadt Berlin entfernt und wie als hätte er seine Stellung mit dem Kompass eingestellt, wettert der Mann genau in von Reichstag und Kanzleramt, als stände seiner Land kurz vor einer militärischen Strafaktion in Deutschland: "Ihr stellt unsere Grenzen in Frage und versucht mit Hilfe unserer Regierung dahingehend erneut Korrekturen vorzunehmen" - heisst es in der Quintessenz seiner deutschfeindlichen Phobien. Seine Anhänger in der alten Hansestadt jubeln denn auch, als ginge es tatsächlich bald mit der Waffe in der Hand gegen den ewig "unbequemen" Nachbarn.
Womit genau der polnische Oppositionchef Jaroslaw Kaczynski in Stettin punktete, ist nun auch nicht mehr neu. Er fing mit einem "Spiegel" Artikel an, in dem kürzlich auch polnische Bauern als Mittäter des Holocaustes genannt wurden, was sicherlich kein geschichtliches Novum darstellt und lief hin bis zu einer Aussage zum Europawahlkampf von CDU und CSU, die in einer Broschüre, verbunden mit der Forderung, dass Vertreibung "geächtet werden und verletzte Rechte anerkannt werden müssen, das Recht auf Heimat der deutschen Vertriebenen über ein offenes Europa beschreibt. Kaczynski münzte diese Aussagen von der anderen Seite der Oder zu einer Kriegserklärung um und fand hierfür wie immer auch viele offene Ohren. Der Zweck seines schmierigen Engagements soll denn auch gerade seinen umstrittenen antideutschen- und antieuropäischen Kandidaten viele Sitze im Europaparlament bringen, wo sie dann einen Teil ihrer EU Bezüge an ihn abliefern dürfen und eine Ausblutung der EU über die Integrierung der Türkei und der Ukraine mit vorbereiten sollen.
Russland ewig lebende Tageszeitung "Prawda" nannte die Kaczynski Brüder noch vor wenigen Tagen "Geopolitische Monster", in der polnischen Bevölkerung kursieren sie auch schon mal als "Männeken PIS", was auch in Zusammenhang mit ihrer Partei "PIS" Recht und Gerechtigkeit zusammenhängen könnte. Der populäre Politiker der regierenden Bürgerplattform Janusz Palikot bezeichnete erst gestern wieder den lautstärksten der Zwillingsbrüder, Jaroslaw Kacznski, als "hirnverbrannt" im Zusammenhang mit seinen antideutschen Kampagnen, die gerade dann wieder besonders angekurbelt würden, wenn man kurz vor einer Wahl stehe. Die "Prawda" erklärte die Bezeichnung "geopolitische Monster" in Zusammenhang mit den Kaczynski Brüdern anhand einiger nachvollziehbarer Beispiele, die einmal den einen Kaczynski an der deutschen Grenze randalieren sehen und den anderen in Georgien an der Grenze zu Südossetien einen Kugelhagel inszenierend, um damit auch den anderen großen Nachbarn, nämlich Russland zu provozieren.
In einer politischen Talk- Show am Abend gerieten Politiker aus der Regierungspartei "PO" und der postkommunistischen "SLD" fast ausser sich, als die Vetreterin der Kaczynski Partei PIS Beata Kempa ihren Chef in seinen deutschfeindlichen Phobien deutlich unterstützte und gleichzeitig unerhört über Premier Donald Tusk geradezu hetzte, der angeblich "mit den Deutschen zusammen" gegen Polen agieren würde. Zbigniew Chlebowski :" Die PIS nährt deutschfeindliche Ressentiments, das ist unwürdig und unredlich" - sagte der Fraktionschef der PO im Parlament in einer dort anberaumten Pressekonferenz. Chlebowski ergänzte, dass seine Partei sehr gut wisse, dass die Deutschen den zweiten Weltkrieg hervorgerufen haben und dass sie demnach auch unmittelbar für das Problem der Vertreibungen selbst verantwortlich sind.
Sehr emotionalisiert reagierte auch Julia Pitera (PO) in der Talkshow zur deutschfeindlichen Hetze der Kaczynski Partei PIS: "Meine Familie kämpfte im zweiten Weltkrieg und deshalb sehe ich mit Entsetzen wie die PIS solche Themen für die Wahl mißbraucht. Ich kann es nicht mehr hören was sie da von sich geben. Ich bin davon überzeugt dass Jaroslaw Kaczynski dieser Hysterie nur unter dem Vorwand der Sorge um die polnische Geschichte erzeugte." Der Abgeordnete der SLD Ryszard Kalisz: Wir müssen erkennen, dass Jaroslaw Kaczynski nicht nur Donald Tusk schadet, sondern auch in erster Linie den deutsch-polnischen Beziehungen. Jeder weiss, dass Polen in territorialen Fragen auf der sicheren Seite ist. Sogar der Beitrittsvertrag garantiert die Unverletzlichkeit unserer Grenzen und als gelernter Rechtsanwalt muss ich ebenso anmerken, dass auch keine Gefahr im Bezug auf Ansprüchen von deutschen Vertriebenen besteht.
Pis Wähler sind laut Statistiken meist Männern, die zum einen sehr schnell ihren Kopf durch sich vermeintlich anbahnende Ehr- Und Stolzverletzungen erhitzen und zum anderen Rentnerinnen, denen Kaczynski immer noch suggerieren kann dass sie kurz vor dem Verlust ihres Hauses stünden. Sie machen immerhin immer noch ca 25 % der Wahlberechtigten in Polen aus, wie aus allen neuen Umfragen hervorgeht. Dies ist eine nicht zu verachtende Masse Mensch, welche die Kaczynski Brüder in allem was sie tun unterstützen und dieses Tun, egal wie schlimm es ist, bekanntlich auch tolerieren und akzeptieren. Damit ist klar, dass auch nach der jetzigen Europawahl wieder antideutsche- und antieuropäische Subjekte im EU- Parlament sitzen werden, deren Namen und Geschichte wir unseren Lesern alsbald näher bringen werden.
Wie leicht die polnische Öffentlichkeit kippt, zeigt das Ergebnis einer Umfrage im umgekehrten Sinne kurz nach der og. Talkshow: auf die Frage "Fürchten Sie dass die "antipolnischen Ressentiment" der Deutschen noch zunehmen", stimmten 58 % mit "ja", 26% erachten dies für wahrscheinlich und nur 16 % meinten dass sie hiermit nicht rechnen. Die EU scheint vor allen Dingen für das rechte politische Lager in Polen nur eine herzlich willkommene finanzielle Überbrückungshilfe zu sein. Kaum anders kann man auch in diesem Zusammenhang unzählige Loyalitätsfehlpässe deuten. Wie weit diese Dinge im Fortschritt sind zeigen nicht nur die aktuellen Forderungen, sogar durch Donald Tusk, für einen Beitritt der Türkei und der Ukraine zur Europäischen Union, wohlwissend dass dies ohne Zweifel die EU politisch und wirtschaftlich ausbluten liesse. Selbst Polens letzter Held, Lech Walesa, zeigte sich zuletzt in seinem Engagement für die EU feindliche Partei "Libertas" nicht gerade pro- europäisch.
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Geschrieben von: Igor Wolf () am 31-05-2009 14:20