Moskau - Russische Tageszeitungen wie "Komsomolskaja Prawda", "Rossijskaja Gaseta" und "Iswestija" sind sich meist einig wenn es um die Bewertung der Arbeit polnischer Politiker geht, was ganz besonders immer die Kaczynski Brüder zu spüren bekamen. Die Dienstagsaugaben dieser Blätter hatten sich denn auch dieses Mal abgesprochen als es darum ging den jüngsten Weg des Oppositionsführers Jaroslaw Kaczynski ins Ausland, welcher ihn bzw. seine Gesandten wegen der Smolensk "Tragödie" in die USA führte, mit Häme zu begleiten. US- Politiker, Wissenschaftler und Prominente sollen nämlich dabei helfen die wahren Umstände des Todes seines Bruders, durch ihre Unterstützung für eine unabhängige, internationale Untersuchungskommission, herauszufinden. Mit Headlines wie "Kaczynski beschwert sich bei Uncle Sam" oder "Antirussische Ente brät wieder" kommentiert man z.B. nun das Engagement des PIS- Chefs und erklärt auch den jungen russischen Lesern, dass der Name "Kaczynski" vom polnischen Wort "Kaczka" für Ente abgeleitet wurde. Vertreter der polnischen Regierung in Warschau bezeichnen den "Hilferuf" Kaczynskis im Ausland gar als Landesverrat.
Für Jaroslaw Kaczynski als Bittsteller in die USA gereist sind die ehemalige polnische Aussenministerin Anna Fotyga und der Leiter des parlamentarischen Teams für die Aufklärung der "Smolensk Katastrophe" Antoni Macierewicz, welche gleichzeitig auch Abgeordnete der oppositionellen Partei Recht und Gerechtigkeit (PIS) sind. In der Tasche hatten Sie u.a. einen Brief des Parteichefs für republikanische Kongressabgeordnete, in welchem er sie um Hilfe bei der Aufklärung der Ursachen der Katastrophe von Smolensk bittet. Für derartige Engagements der Opposition kurz vor den Kommunalwahlen in Polen haben natürlich weder die russischen noch die polnischen Medien sowie die meisten Politiker kein Verständnis, auch wenn Kaczynski in der Tat mit seinem Anliegen einen längst überfälligen Schritt macht. Neben der og. Häme deutet " Komsomolskaja Prawda " daraufhin, dass Kaczynski Russland nicht einmal glaube und "Rossijskaja Gaseta" spricht von einer Erwärmung der Atmosphäre vor dem Dezember- Besuch des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in Warschau. "Iswestija" stellt fest, dass es kein Geheimnis sei, dass die PIS die Tragödie von Smolensk zu ihren Zwecken ausnutze und mit angeblichen Ungereimtheiten bei den russischen Untersuchungen des Falles rechte Wähler reaktivieren will.
"Komsomolskaja Prawda" schreibt aber auch, dass der Bruder des verstorbenen Präsidenten Lech Kaczynski "immer noch nicht" zufrieden mit den Ergebnissen der Untersuchungen zu dem Absturz der Tu-154M sei, was nach unserer Ansicht und in Anbetracht der katastrophalen Anteilnahme und Arbeit von Ermittlern und Politikern bei der angeblichen Aufklärung dieses Mysteriums allerdings eine etwas sehr freche Aussage ist. Die Zeitung schätzt aber auch, dass der "polnisch-polnische Krieg erneut mit neuer Kraft ausbrach, weil sich Kommunalwahlen im Lande nähern. Unterdessen hat auch der Streit in Polen um die Reise von Anna Fotyga und Antoni Macierewicz in die Vereinigten Staaten an Dynamik gewonnen. Premier Donald Tusk spricht von einem "obszönen Akt" Kaczynskis, andere von Verrat. Man sei Mitglied von NATO und EU und ein demokratischer Staat und könne von daher diese Auslands- Aktion der PIS kaum gutheissen - hiess es.
Jaroslaw Kaczynski hat erst am Wochenende bei einer Wahlveranstaltung im Südosten der Republik auch wieder während einer Rede die Deutschen beleidigt, indem er ala Sarrazin behauptete, dass die Polen nachweislich intelligenter seien als die Deutschen. Ob er hiermit polnische Juden wie er oder alle Polen meinte, liess er allerdings offen. "Polskaweb" ist im übrigen davon überzeugt, dass Lech Kaczynski und alle anderen angeblichen Opfer von Smolensk noch unter den Lebenden weilen. Im Klartext bedeutet dies natürlich auch, dass nicht nur Kaczynski und Tusk, sondern auch Amerikaner und Russen mal wieder gemeinsame Sache gemacht haben, um diese so geliebte und forcierte Unruhe unter den Menschen weit über dem optimalen Erregungsniveau zu halten. Wir wünschen allen USA- Touristen einen angenehmen Aufenthalt.
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update- Richard Burr
Geschrieben von: Poleski () am 21-11-2010 10:58