Warschau - Die Jüdische Gemeinschaft in Polen beklagt sich in einem aktuellen Brief an die Europäische Union über die "Respektlosigkeit" mit der in ihrem Lande die Gräber der Juden behandelt würden. Der Verband wies daraufhin, dass die etwa 1200 jüdischen Friedhöfe, die den zweiten Weltkrieg in Polen überlebt hatten, in einer Vielzahl in den Nachkriegsjahren zerstört worden seien, andere permanent geschändet oder ihrem Schicksal überlassen. Die überwiegende Mehrheit jüdischer Friedhöfe sind in Hunderten von kleinen polnischen Städten zu finden, wo es schon lange keine Juden mehr gibt. Die Situation ist gleichwohl kompliziert, denn nur ein Teil gehört zu den jüdischen Gemeinden des Landes, andere sind aber auch in privater Hand. Die neun noch verbliebenen jüdischen Gemeinden in Polen und der Rest von ehemals 3,5 Millionen polnischen Juden sehen sich nicht in der Lage, die Pflege und Überwachung aller dieser Ruhestätten zu bewerkstelligen.
"Denken Sie daran, dass die Menschen die hier begraben wurden, die Vorfahren von vielen Millionen einer Gemeinschaft sind, die nicht wenig zur polnische Geschichte beigetragen haben. Alle Friedhöfe und die dort begraben Menschen müssen respektiert werden. Leider werden sie sehr oft als Niemandsland behandelt, wo der Hund pinkeln geht, Wodka getrunken oder einfach nur Müll abgelagert wird. Grabsteine werden häufig von Hooligans und Patrioten und auch normalen Jugendlichen umgeworfen oder gänzlich zerstört. Wo wir heute erst Schäden beseitigt oder gereinigt haben, sieht es morgen schon wieder wie gestern aus. Eine Sisyphos-Arbeit und ein seltenes Bild auf katholischen Friedhöfen" - klagt die jüdische Gemeinde Polens. Die Vertreter der Organisation danken aber auch einigen lokalen Organisationen und Einzelpersonen, die selbstlos die Pflege von jüdischen Friedhöfen in den jeweiligen Orten übernommen haben. Der einzig noch aktive jüdische Friedhof Polens befindet sich in Warschau. Hier werden jährlich 20-25 Beerdigungen durchgeführt.
Warschaus jüdischer Friedhof ist einer der größten in der Welt. Er wurde im Jahre 1806 angelegt. In 200 Jahren wurden hier etwa 250 Tausend Menschen begraben. Hier findet man auch Gräber von weltbekannter Juden, wie Schriftsteller, Schauspieler und anderen Künstlern. Erst kürzlich wurde auf diesem Friedhof auch der letzte Kämpfer aus dem jüdischen Ghetto der Stadt, Marek Edelmann, zu Grabe getragen. Auf dem Gelände befinden sich aber auch eine Reihe von in der Nachkriegszeit angelegten symbolischen Gräbern für namentlich bekannte Opfer des Holocaustes, die in Vernichtungslagern gestorben sein sollen und nicht mehr gefunden wurden. Einen besonderen Platz hat hier ebenso das Denkmal der jüdischen Soldaten und Offiziere der polnischen Armee, die bei der Verteidigung von Warschau 1939, dem Warschauer Aufstand und im Ghetto ums Leben kamen. Gleichfalls wird an anderer Stelle auch symbolisch an jüdisch- polnische Offiziere erinnert, die in Katyn, Charkow und Mednoye durch die Sowjets ermordet wurden.
Schlimmer noch als den jüdischen, ging es den Friedhöfen der Deutschen in ihren ehemaligen Ostgebieten. Die meisten hiervon vielen Baggern zum Opfer. Wie in z.B. Grünberg (Zielona Gora) wurde dann an diesen Stellen eine Schule, Universität oder auch mal ein Hochhaus gebaut.
Copyright © Polskaweb News
Diskutieren Sie diese Meldung in unserem Forum
Top Artikel
Neuere Artikel
Beliebte Artikel dieser Kategorie |
|
|
Benutzerkommentare  |
|
Durschnittliche Benutzerbewertung
|
|
Fügen Sie Ihren Kommentar hinzu
|
Friedhöfe in Polen
Geschrieben von: Gudula Behm () am 31-10-2009 13:18