In der Gemeinde Jedwabne (Podlachien) im Nordosten Polens findet heute eine Feier zum Gedenken der hier am 10. Juli 1941 durch Nachbarn ermordeten bis zu 1600 Juden gedacht. Die Gedenkfeier am Mahnmal wird durch den polnischen Oberrabbiner Michael Schudrich und einer Delegation aus Warschau, unter der Leitung des Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Religionsgemeinschaften in Polen Piotr Kadlcik, durchgeführt werden. Wie schon in der Vergangenheit, ist damit zu rechnen, dass sowie die katholische Kirche, als auch die Bewohner von Jedwabne die Veranstaltung boykottieren werden. Vor dem Ende der Sowjetunion hatte man alleine die deutschen Besatzer für das Massaker verantwortlich gemacht. Erst nach dem Ende der Sowjetunion kam heraus, dass die Mörder keine Deutschen, sondern die eigenen Nachbarn waren, die aus Habgier und Rassenhass ein Blutbad in Jedwabne angerichtet hatten.
"Am 10. Juli 1941 wurde die jüdische Bevölkerung Jedwabnes von polnischen Einwohnern auf dem Marktplatz zusammengetrieben, nachdem einzelne bereits dort misshandelt und umgebracht worden waren, wurde die Juden in eine außerhalb des Ortes gelegene Scheune getrieben und bei lebendigem Leibe verbrannt. Das Pogrom überlebten nur wenige Juden – ihr Besitz wurde geplündert und von Polen übernommen" kann man heute offiziell, ausser in Polen, überall lesen. Nach 1960 errichtete die Stadt allerdings einen Gedenkstein mit dem sinngemäßen Wortlaut: "Hier ereignete sich ein Martyrium der jüdischen Bevölkerung. Am 10. Juli 1941 verbrannten Gestapo und Hitler-Polizei 1.600 Personen bei lebendigem Leib." Als dann später herauskam, dass diejenigen welche diesen Gedenkstein anfertigten wohl selbst als Täter in Frage kamen, änderte man zeitweilig den Wortlaut in "Von Deutschen inspirierte lokale Bande" und schraubte die Opferzahl auf ein Fünftel herunter. Heute steht dieser Gedenkstein nicht mehr. Juden haben ein eigenes Mahmal aufgestellt. Doch die Einheimischen lehnen dieses "Fremdobjekt des Hasses" in ihrer Gemeinde ab. Sie haben gelernt mit den Lügen und Verschleierungen zu leben und werden es auch weiter tun.
Zu einer Gedenkfeier vor 8 Jahren in Jedwabne war erstmals mit dem polnischen Staatspräsident Aleksander Kwaśniewski auch ein Politiker am Mahnmal erschienen. Er bat das jüdische Volk um Vergebung für das Verbrechen seiner Landsleute am jüdischen Volk. Kwaśniewski musste allerdings für diese Worte jahrelange Kritik, auch aus den Reihen seiner eigenen Partei, einstecken. Ähnliche Pogrome wie in Jedwabne gab es auch in etwa zwei Dutzend weiteren Orten in jener Zeit. Polen tut sich allerdings erneut schwer die historischen Fakten anzuerkennen und leugnet allgemein die eigenen Verbrechen des letzten Jahrhunderts. Wenn früher man selbst von 1600 in Jedwabne ermordeten Juden durch die deutsche Wehrmacht und Polizei sprach, so sind es heute, nachdem die Deutschen es wohl doch nicht waren, nur noch 300 Menschen die in einer Scheune verbrannt wurden und 40 weitere Juden die meist in ihren Wohnungen oder Häuser ermordet wurden. Dies will zumindest das polnische Institut des Gedenkens (IPN) herausgefunden haben, obwohl man ein damals angelegtes Massengrab niemals komplett untersuchte. Eine ähnliche Vorgehensweise dieser Behörde mit staatsanwaltlicher Funktion musste man auch zuletzt in Malbork (früher Marienburg) erleben, wo man über 2000 Deutsche, meist Frauen und Kinder, mit Baggern exhumierte und ein Massengrab wieder zuschaufelte, obwohl noch garnicht alle menschlichen Überreste geborgen worden waren.
Update:
Die Gedenkfeier wurde am heutigen Jahrestag überraschenderweise nicht einmal durch die Stadt Jedwabne vorbereitet. So konnte nur eine bescheidene Gedenkfeier am Gedenkstein stattfinden. Kein Bürger hatte Kerzen aufgestellt, kein Politiker oder Stadtangestellter kam, niemand ausser Juden waren am ehemaligen Ort des Grauens. Aus Warschau war auch der israelische Botschafter gekommen. Er war traurig darüber, dass keine Bewohner von Jedwabne gekommen waren. In den Medien war am Freitag erneut zu lesen, dass die polnische Verantwortung für das Pogrom umstritten sei.
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Völkermord in Polen von 1945 - 1948
Geschrieben von: Igor Wolf () am 11-07-2009 03:16