Warschau - Die ausländischen Direktinvestitionen in Polen in der ersten Hälfte des Jahres 2009 beliefen sich auf nur 962 Mio. Euro. Dies sind nur 13,9 Prozent des Investititions- Volumens im ersten Halbjahr 2008, wo man noch 6 Milliarden 914 Millionen Euro investierte - meldete die polnische Nationalbank (NBP). Auf der Webseite der NBP findet man derweil nicht einmal mehr Zahlen für den Juli 2009, und im Juni betrug der Zufluss solcher Investitionen nur noch 65 Millionen Euro, bei einem gleichzeitigem Abfluss von 192 Millionen Euro. Nach Einschätzung von Experten seien die am Mittwoch veröffentlichten Daten aber nicht das Ergebnis der internen Situation, sondern abhängig von der globalen Konjunkturschwäche und die Beschränkung des Zugangs zu Kapital für Investitionen. Die Banken haben weltweit viele Säcke zugemacht was ausländische Investoren unterdessen aber kaum dazu verleitet hat, ihr eigenes Geld in Polen zu investieren. Sie sind es gewöhnt mit Krediten zu arbeiten und dass heute auch nur noch wenn auch die EU auch Steuergelder zuschiesst.
Experten sprechen von "Turbolenzen"
Wenn man sich die letzten NBP- Zahlen über ausländische Investitionen in Polen ansieht, müsste durch dem Wirtschaftsminister eigentlich der Schweiß ausbrechen. Der polnische Immobilienmarkt liegt am Boden, mit seinem Gefolge natürlich auch die halbe Bauindustrie, alle Verstaatlichungen gehen schon seit dem letzten Jahr regelmäßig in die Hose. Fließbänder für Flachbildschirme und Autos stehen zeitweise still, da die Auftragslage eingebrochen ist und jetzt auch das noch. Aber die Politik versteht es zumindest auch in dieser Situation noch zu beruhigen und spricht von Turbolenzen, welche hauptsächlich die Banke zu verantworten haben: "Es ist bestimmt nicht so, dass nur in Polen der Umfang der ausländischen Investitionen gefallen ist um sich in anderen Ländern zu erhöhen. Dieses Problem hat die ganze Welt, außer vielleicht Afrika durch chinesische Investitionen" - heisst es in der Quintessenz ihrer Aussagen.
Öffentliche Finanzen eine Katastrophe
Polnische Experten wollen nicht vorhersagen, ob es in der zweiten Hälfte dieses Jahres vielleicht besser mit den ausländische Investitionen läuft. Ihnen zufolge sollten aber Veränderungen stattfinden "weil in Amerika und Europa so viele Dollar und Euro gedruckt wurden, dass bald etwas mit ihnen geschehen muss". Als weiteren Grund für einen erneuten "Aufschwung" erkennen sie, dass Polen ein guter Ort für Investitionen sei, weil das Land Ressourcen habe, die in anderen Ländern nicht vorhanden seien. Doch die Rechnung für Investoren dürfte auch nach dem Juli diesen Jahres nicht aufgegangen sein, unabhängig vom Verhalten der Banken in der Kreditvergabe sollte man nicht vergessen, dass Anleger eine vorhersehbare Situation und ihre langfristige Aussicht auf Besserung für eine objektive Entscheidung brauchen und daran hapert es in Polen eigentlich. Hier sollte man vor allen Dingen daran arbeiten eine langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu sichern, anstatt immer neue Flugzeuge zu kaufen und den gigantischsten Behördenwasserkopf der Geschichte zu unterhalten
Kein Wirtschaftswunder in Polen
Erst am vergangenen Montag hatte die polnische Regierung in ihrer Bilanz der ersten zwei Jahre im Amt, die "erfolgreiche Bekämpfung" der Krise an Platz 1 gesetzt. Zu spüren ist dieser angebliche Erfolg von Tusk und Co. in der Wirtschaft allerdings nicht, dafür aber umso mehr in den deutschen Medien, welche im Auftrag der hinter ihnen stehenden Parteien, Polen als Wirtschaftswunderkind verkaufen sollen, worüber Insider natürlich nur schmunzeln können. Sicherlich läuft heute in Polen vieles besser als noch mit einem Kaczynski als Premier, doch ohne starke und stagnierende ausländische Investititonen kann auch die jetzige Regierung nur mit Wasser kochen. Die Arbeitslosigkeit im Lande nimmt seit Anfang des Jahres nicht unerheblich zu. Offiziell dürften die Zahlen heute bei 11 Prozent liegen, aber inoffiziell spricht man gar von 20 Prozent Arbeitslosen , hierunter erschreckend viele junge Leute.
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Realwirtschaft wurde ermordet
Geschrieben von: Der gern in Polen lebt () am 19-11-2009 12:12