Warschau - Polizeibeamte der polnischen Anti- Korruptionsbehörde CBA haben offensichtlich einen länderübergreifenden kriminellen Handel mit Pilotenscheinen aufgedeckt. In den letzten 48 Stunden wurden in diesem Zusammenhang bereits 6 Personen in Polen festgenommen, die alle bei Amt für Zivil-Luftfahrt arbeiten. Die Staatsanwaltschaft in Warschau gab in einer ersten Stellungnahme bekannt, dass man bereits seit dem Ende des vergangenen Jahres in einem deutsch-polnischen Korruptionsfall ermittele, wo es um die Ausstellung von falschen Pilotenlizenzen zum fliegen von großen Passagiermaschinen an Deutsche Staatsbürger gehe. Gegen Zahlung von umgerechnet 4- bis 5000 Euro Schmiergeld sollen demnach deutsche Flugschüler schon nach wenigen Stunden Aufenhalt in Polen einen Pilotenschein feierlich überreicht bekommen haben. Einige dieser Piloten seien für bekannte Airlines im deutschen Regionalflugverkehr unterwegs. Die CBA spricht von weiteren anstehenden Verhaftungen in den nächsten Stunden.
Ist es Ihnen egal ob der Flugkapitän ihres Ferienfliegers einen echten oder falschen Pilotenschein hat ? Wir hoffen mal dass es Ihnen nicht egal ist, denn selbst wenn ein Militärpilot auf einen Airbus A-320 umsteigt, ohne entsprechende Ausbildungen und Gesundheitsprüfungen absolviert zu haben, könnte ein Flug mit einem solchen Piloten am Steuer einer großen Passagiermaschine zur tödlichen Gefahr für Sie werden. Mitglieder der Prüfungskommission und einige höhere Beamte des polnischen Luftfahrtamtes sahen allerdings solche Gefahren wohl nicht, genausowenig wie die deutschen "Piloten", welche ihnen zur Vergabe dieser falschen Lizenzen, mit gefüllten Umschlägen unter die Arme Griffen. Wie viele solcher Pilotenscheine man auf diese Art und Weise in Umlauf gebracht hat, ist noch völlig offen. Festzustehen scheint aber, dass die Zivile Luftfahrtbehörde in Polen nicht nur wenige solcher Falsifikate ausgestellt haben soll.
Diese sehr schwerwiegende Korruptions- Sache um den Kauf von Pilotenlizenzen gegen Bestechungsgeld in Polen, ist den deutschen Behörden allerdings bereits seit einiger Zeit bekannt, doch die grenzüberschreitende Kriminalität wird in weiten Bereichen verschleiert oder verharmlost. Das deutsche Luftfahrtamt weiss von diesen Fällen bereits seit einigen Monaten, denn in einem ihrer Schulungszentren für Berufspiloten hatte sich ein 50-jähriger Mann mit einer Lizenz aus Polen vorgestellt. Bei einer näheren Überprüfung dieses Pilotenscheins, in Zusammenarbeit mit den polnischen Behörden, stellt sich heraus, dass dieser illegal war. Man kann nun nur hoffen, dass sämtliche dieser "falschen" Piloten und Lizenzen so schnell wie möglich aus dem Verkehr und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Was ein Pilot noch so alles anstellen kann wenn er nur die "richtigen" Prüfer findet, hat man leider schon an einem 11. September in New York gesehen, wo auch die "Piloten" aus Deutschland kamen.
UPDATE: 23.00 Uhr Mittwoch
Wie der Sprecher der Warschauer Staatsanwaltschaft Radosław Skiba am Abend mitteilte, wurden sechs Personen unter dem Verdacht der Korruption und der organisierten Kriminalität in Haft genommen. Ein 50-jähriger Deutscher Namens Eberhard H. , der auch eine solchen Pilotenschein in Polen gekauft habe, sei nur ein kleines Glied in dem ganzen Verfahren, obwohl er mit seiner falschen Lizenz eine große Linienmaschine geflogen habe. Man habe mehrere große Kisten mit Dokumenten und Anlagen in der Sache zur Beweisführung gefüllt.
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