Eine eisige Bescherung aus Moskau brachte der Neujahrstag den 45 Millionen Ukrainern. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte seine Drohungen wahrgemacht und dem Nachbarn gegen 8.00 Uhr MEZ den Gashahn abgedreht. Als Gründe gibt Gazprom an dass Kiew ca. 2 Milliarden Dollar offener Gasrechnungen nicht begleichen wolle oder könne und auch der bisherige Liefervertrag an Silvester abgelaufen sei. Die Pressestelle von Gazprom gab am Morgen eine Meldung heraus, in der es heißt, dass der Lieferstop an die Ukraine den Transit von Gas und Öl in die EU nicht gefährde, hierhin habe man sogar die Lieferungen über Weißrussland um 20 Millionen Kubikmeter erhöht. Die EU Staaten, vor allen Dingen aber Deutschland, erhalten von Gazprom 300 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag. In dem langen Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine ging es in erster Linie meist um die unterschiedlichen Ansichten der Preisgestaltung für die Energielieferungen. Während Kiew etwa 200 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas zu bezahlen gewillt ist, verlangt Premier Putin für Gazprom sprechend 250 Dollar für diese Einheit und bezeichnet dies als Freundschaftspreis unter dem Weltmarktniveau.
Der Ukraine geht es finanziell sehr schlecht und westliche Hilfe tröpfelt nur ins Land da die meisten EU Länder die Kiew unterstützen könnten sich mit Moskau aufgrund der reichen russischen Energiefelder verbrüdert haben. Die Wirtschaftskrise hat die Preise für Stahl und Eisen, den wichtigsten Exportgüter der Ukraine, fast in den Keller gedrückt. Hinzu kommt, dass die Währung des Landes die Hrywna in der letzten Zeit gegenüber dem Dollar dramatisch an Wert verloren hat. Dem Kreml ist die finanzielle Situation der Ukraine bestens bekannt, trotzdem setzt man Kiew die Daumenschrauben an, um letztendlich irgendwann die Kontrolle über das ukrainische Gasleitungsnetz übernehmen zu können. Tatsächlich hat die Ukraine denn auch in den letzten Jahren wenig in die maroden Leitungen investiert, weil höchstwahrscheinlich die Mittel dazu nicht vorhanden waren. Dies ist auch eine Gefahr für die Energieversorgung Westeuropas, denn es ist bekanntlich nicht erst einmal vorgekommen dass Kiew versuchte Moskau auf Kosten der EU zu erpressen, indem man drohte die Transitpipelines zu kappen.
Russland verlangt derzeit Vergütungen für sein Erdgas welche, gemessen an dem sehr niedrigen Ölpreis an dem dieser Rohstoff preislich gekoppelt ist, durchaus als Wucher bezeichnet werden könnte, wenn da nicht die seltsame Formel bestünde, welche die Gaspreise immer mit 6-monatiger Verzögerung hinter dem Ölpreis marschieren lässt. Moskau nutzt diese Formel kräftig aus, muss es aber auch, denn auch Russland will die Wirtschaftskrise überleben. Es sieht derzeit sehr schlecht aus im Lande Putins und die Prognosen für 2009 und 2010 kündigen die Ankunft von gigantischen dunklen Wolken über Russland an. Die Verbrüderungen Moskaus mit Teheran, Tripolis oder Caracas, also weiteren Welt- Öl- und Gasproduzenten dienen dem Kreml in erster Linie dazu bei der Energie Preisgestaltung in der Welt das wichtigste Wort zu sprechen. Nach Putins Willen könnte der Gaspreis sich ruhig bei 2000 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas bewegen, auch wenn andere dabei verhungern müssten. Russland ist immer noch ein armes, reiches Land, dessen energetische Infrastruktur in den nächsten Jahren mindestes 300 Milliarden Euro braucht um neue Felder zu erschliessen und Leitungen zu legen. So erwartet man bei Gazprom von Deutschland und einigen anderen EU Ländern, mit Hinweis auf deren Energiebedarf, gerade diese mindestens 300 Milliarden in Russlands energetische Infrastruktur zu investieren.
Deutschland wird dem Wunsch Moskaus auf Investitionen in Russland weiterhin nachkommen. Preislich ist hierbei die Ostseepipeline nur ein Faktor von vielen. Zur Zeit gibt es hierzu kaum schnelle Alternativen. Berlin setzt somit voll auf Moskau und vernachlässigt durch die zig- Milliarden Investionen in ausländische Infrastrukturen auch die langfristigen Chancen zur Erschliessung eigener alternativer Energiequellen, wie zb. "Shale Gas", welches in Westeuropa massenhaft vorhanden sein soll.
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Kalte Füsse.
Geschrieben von: Claus Pichlo () am 02-01-2009 08:49