Der Wahlkampf um die 50 polnischen Sitze im neuen Europaparlament ist vorbei. Seit 8 Uhr am Sonntag Morgen sind nun 25 605 Wahllokale geöffnet, welche 30 Millionen 714800 Tausend wahlberechtigten Polen die Möglichkeit bieten einen örtlichen Vertreter ihrer favorisierten Partei ins Europaparlament zu hieven. Ein Sitz in Brüssel ist für die meisten Politiker Polens äusserst erstrebenwert, denn hier können sie nicht nur die Interessen ihres Landes in Europa vertreten, sondern verdienen in der Regel auch viel mehr als im heimischen Parlament. 306 Frauen und 995 Männer im Alter von 21- bis 81 Jahren hoffen nun auf den Traumjob in der belgischen Haupstadt. Im Vorfelde der heutigen Wahl hatte es unzählige rechtspopulistische "Ausraster" gegeben, welche u.a. für deutsch-polnische, polnisch-bulgarische und polnisch-litauische Verstimmungen sorgte. Die Hauptrolle hierbei spielte die Partei der Kaczynski Brüder. Wie üblich unterstütze auch Präsident Lech Kaczynski wieder einmal im Wahlkampf öffentlich seine Partei PIS und bat alle Polen bei den Wahlen nur für Patrioten zu stimmen.
Zu den Polen, die heute zu den Urnen gehen können, zählen auch 875 644 Bürger welche erstmalig stimmberechtigt sind. Desweiteren hatten sich in den vergangenen Tagen auch 313 Bürger die in Polen leben, aber aus aus anderen EU-Ländern stammen, in das Register der Wahlberechtigten eintragen lassen. Warschau hat zur Europawahl auch 1351 Wahllokale im Ausland einrichten müssen, wovon einige sogar auf Schiffen untergebracht wurden. 209 Tausend Wahlhelfer sind nun im Einsatz und hoffen auf eine rege Beteiligung der Polen an diesen Wahlen. Probleme gab es am Morgen im Bereich der masurischen Metropole Olsztyn (Allenstein) wo Europa- Gegner in sechs Wahlbezirken die Türen von Wahllokalen mit Metall-Klebstoff vor einer Öffnung "gesichert" hatten. Darüberhinaus meldete die Polizei am Wochenende zahlreiche Verstösse gegen das Ende der Wahlwerbung, welche meist durch das Anbringen von Plakaten und Verteilen von Handzetteln auftraten. Vergessen oder unterlassen hatte man auch die Bereitstellung von Vorlagen zur Abstimmung für Blinde.
Die Europawahlen in enden am Sonntag um 22 Uhr wenn alle Wahllokale in Polen geschlossen wurden. Erst ab diesem Zeitpunkt dürfen die Wahl-Ergebnisse auch aus anderen EU Ländern die schon seit dem 4. Juni wählen, veröffentlicht werden. Heute stimmen die größten Mitgliedsstaaten ab, hierunter auch Deutschland. Polnische Wähler in anderen Ländern der EU müssen zur Wahl einen Ausweis oder Reisepass vorlegen. Wahlberechtigte die ihren Wohnsitz ausserhalb der EU haben dürfen nur nach Vorlage ihres Reisepasses wählen. Einzige Ausnahme bilden Polen, welche in ausländischen- und inländischen Gefängnissen einsitzen und wahlberechtigt sind, da sie keinen persönlichen Zugriff auf ihre Identitäts-Dokumente haben. Im Inland wurden hierzu in 98 Gefängnissen und 14 Sicherungsanstalten Wahlräume eingerichtet. "Polskaweb" wird an dieser Stelle, nach den ersten Auszählungen, die Ergebnisse der heutigen Wahlen in Polen veröffentlichen und in Zeitabständen aktualisieren.
UPDATE: 20.30
Die Wahlbeteiligung lag gegen 20 Uhr bei 18,24 %. Niedrig, aber schon besser als vor 5 Jahren (15%). Die ersten Ergebnisse finden Sie hier kurz nach 22 Uhr.
UPDATE: 22 Uhr
Die regierende liberale Bürgerplattform scheint nach ersten Angaben 54,4 % der polnischen Sitze im Europaparlament errungen zu haben. Alleine EU Komissarin Danuta Hübner wählten über 300 000 Polen. Ein großer Sieg für die Demokratie und Regierungschef Donald Tusk.
UPDATE: 22.10
Die erste Hochrechnung ergab für die Liberale Bürgerplattform (PO) 52,6 Prozent der abgegeben Stimmen. Die Kaczynski Partei PIS bekam 22,9 Prozent, die postkommunistische SLD 13,5 und die mit der PO koalierende PSL erreichte 6,3 Prozent.. Die neue Partei LIBERTAS bekam nur wenige Stimmen. Die Ergebnisse werden aber bei den TV Stationen teilweise sehr unterschiedlich angegeben, sodass man schon noch ein wenig auf endgültigere Zahlen warten sollte.
Nach dem og. Ergebnissen legte die rechte PIS gegenüber der Europawahl vor 5 Jahren um satte 10 Prozent zu. Dieser Zuwachs kommt vor allen Dingen aus den ehemaligen deutschen Gebieten wie Schlesien und Masuren. Die antideutsche Karte, auch während dieses Wahlkampfes öfters mal durch Kaczynski gezogen, zeigte wieder einmal Wirkung.
Lesen Sie bitte hier weiter: Polen Europawahl - Rechte PIS legt um 14 % zu
Donald Tusk gibt seine Stimme ab
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